Ab September kommt die TabletteWundermittel gegen Kilos: Diese Abnehmpille gibt’s jetzt
Abnehmspritzen mit dem Wirkstoff Semaglutid gibt es in Deutschland schon länger. Nun plant der Pharmakonzern Novo Nordisk eine Alternative zum Schlucken. Menschen mit Adipositas oder Übergewicht sollen den Abnehmwirkstoff künftig auch als Tablette erhalten.
Erstmals soll ein sogenanntes GLP-1-Medikament zum Abnehmen in Deutschland auch in Form von Tabletten in die Apotheken kommen. Die Markteinführung ist für den 1. September geplant, wie eine Sprecherin des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk mitteilte. „Wir haben ausreichend Ware verfügbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.“ Novo Nordisk ist auch Hersteller von Abnehmspritzen.
Als Abnehmspritze gibt es das Mittel mit dem Wirkstoff Semaglutid (Handelsname Wegovy) schon länger. Die Europäische Union hatte die Zulassung für die Wegovy-Tabletten im Juli erteilt.
Für wen kommt das Medikament infrage?
Zugelassen sind die Tabletten für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Betroffene brauchen dafür ein Rezept vom Arzt, einfach so bekommt man das Medikament in der Apotheke nicht. Die Kosten müssen Patientinnen und Patienten in Deutschland bislang selbst tragen. Denn: Abnehmmittel gelten in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind daher keine Leistung der Krankenkasse.
Bislang kostet die Behandlung mit den Abnehmspritzen einige Hundert Euro pro Monat. Es gibt allerdings Diskussionen darüber, ob die Behandlung für bestimmte Patientengruppen mit Adipositas doch zur Kassenleistung werden sollte. Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von den Krankenkassen übernommen.
Wie bereiten sich Apotheken darauf vor?
„Wir gehen von einer hohen Nachfrage aus, deshalb werden Apotheken ab 1. September auch ausreichend bevorratet sein, sofern der Hersteller rechtzeitig ausreichend Ware zur Verfügung stellt“, sagte Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Wichtig sei es dann vor allem, die Patienten zur korrekten Anwendung, zu möglichen Nebenwirkungen sowie zu Besonderheiten der Einnahme zu beraten.
Was sagen Hausärzte?
Die Abnehmmedikamente seien bei vielen Patientinnen und Patienten ein Thema, sagte Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Das liege auch an der großen medialen Präsenz. „Es ist immer gut, wenn sich die Menschen mit ihren Fragen direkt an uns Hausärztinnen und Hausärzte wenden, denn dann können wir im persönlichen Gespräch darüber aufklären, für wen das Medikament überhaupt infrage kommt, und welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen“, rät er.
Wie wirken die Tabletten?
Genauso wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Die Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem bleibt die Nahrung länger im Magen, was das Sättigungsgefühl zusätzlich verlängert. Die Patienten essen insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.
Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?
Ja, die Effekte auf das Gewicht seien vergleichbar, sagte Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers. Der wesentliche Vorteil sei, dass Patientinnen und Patienten nun die Wahl hätten, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugten. Manche hätten zum Beispiel Angst vor Spritzen.
Was sind die Unterschiede?
Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung und der Dosierung. Die Spritze muss nur einmal pro Woche angewandt werden, die Tablette muss jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dürfen danach 30 Minuten lang kein Essen, Trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die ABDA informiert.
Außerdem ist die Dosis der Tabletten deutlich höher. Das liegt daran, dass Magen und Dünndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen, wie Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, erklärte. „Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.“
Endokrinologin Meyer ergänzte, die Spritzentherapie könne bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, für die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfügbar sein.
Wie groß ist der Effekt?
Studienergebnisse zur Abnehmspritze hatten gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen. Die Gewichtsabnahme liege bei etwa 10 bis 12 Kilo, so Hauner. Experten betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht reiche, um das Gewicht dauerhaft zu halten. „Es ist keine alleinstehende Therapie“, erklärte Meyer, die Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinären Adipositaszentrum der Charité ist. Wichtig sei eine ärztliche Begleitung sowie Therapien für Ernährung, Bewegung und Verhalten.
Eine britische Studie zur Abnehmspritze, die im März veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass Patienten nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig bewahren. Demnach waren ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf.
Gibt es Nebenwirkungen?
Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung auftreten, so Meyer. Bisherige Studien zu Abnehmmitteln mit GLP-1-RA hätten gezeigt, dass die Nebenwirkungen meist mild bis moderat und selten schwer sind.
Was sagen Experten zu Online-Angeboten für die Abnehmpille?
Hauner und Meyer sehen Online-Angebote sehr kritisch. Es gebe keine gute ärztliche Betreuung, in der Regel gehe es den Anbietern darum, Geld zu machen, sagte Hauner. Auch die ABDA warnt vor „dubiosen Online-Angeboten“.
Verwendete Quellen: Mia Bucher, dpa


