Neue Abnehmpille Wegovy ist da!Dosierung, Wirkung, Risiko – was kann die Tablette, was die Spritze nicht kann?

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig!
Für viele ist Abnehmen ein lebenslanger Kampf. Ab dem 1. September kommt für die Betroffenen eine neue Hoffnung in die Apotheken: die Abnehmpille Wegovy. Sie verspricht eine einfachere Alternative zur bekannten Spritze. Doch was unterscheidet die Pille von der Spritze und für wen ist sie wirklich geeignet?
Ein Leben zwischen Diät und Jo-Jo-Effekt
Für Tanja König aus der Nähe von Kiel ist der Kampf gegen die Kilos eine lebenslange Reise. Schon immer spielte Übergewicht eine Rolle, Fotos von sich mochte die heute 54-Jährige selten machen lassen. Sie probierte Diäten, Pulver, Programme – alles mit dem immer gleichen Ergebnis: kurzfristige Erfolge, gefolgt vom Rückfall.
Tanjas Höchstgewicht lag bei 123 Kilo – eine Zahl, die sie lange nicht wahrhaben wollte. Doch im vergangenen Jahr gelang ihr der Durchbruch: Mit der Abnehmspritze „Mounjaro“, die sie sich wöchentlich verabreichte, verlor sie beeindruckende 24 Kilo. „Das ist schon echt krass, so viel abgenommen zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich das wirklich so weit schaffe”, sagt die Einzelhändlerin stolz im RTL-Interview.
Lese-Tipp: Influencerin verrät die größten Fehler bei der Abnehmspritze
Trotz des Erfolgs bemerkte Tanja nach einem Jahr die Grenzen der wöchentlichen Injektion. „Gegen Ende der Woche lässt der Wirkstoff gefühlt nach“, beschreibt sie ihre Erfahrung im RTL-Interview. Die Gedanken ans Essen, von Experten als „Food Noise“ bezeichnet, kehrten zurück und machten es schwerer, diszipliniert zu bleiben. „Man kann sich manchmal gar nicht fokussieren, wenn man ständig dran denkt: Was esse ich jetzt? Was koche ich heute Abend? Was muss ich noch einkaufen? Das ist manchmal schon sehr anstrengend”, erklärt Tanja. Von der neuen, täglichen Pille erhofft sie sich nun eine gleichmäßigere Wirkung.
Pille statt Spritze: Was ist neu an Wegovy?
Ab dem 1. September ist die neue Abnehmpille Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid auch in Deutschland erhältlich. Es ist derselbe Wirkstoff, der auch in der gleichnamigen Abnehmspritze steckt. Der entscheidende Unterschied liegt in der täglichen Einnahme, die einen konstanteren Wirkstoffspiegel und damit eine bessere Kontrolle über das Hungergefühl ermöglichen soll.
Dr. Winfried Keuthage, der bereits Patienten in Studien betreut hat, bestätigt die schnelle Wirkung: „Mit Einnahme merken die Patienten häufig schon die Wirkung. Da stellt sich sofort auch eine vermehrte Sättigung ein.“ Gleichzeitig berichtet er, dass bei etwa einem Drittel der Patienten Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Völlegefühl auftreten können. Positiv sei jedoch, dass der Heißhunger auf Süßes und Fettes deutlich gemildert werde. Die Behandlung sei für viele „ein großes Glück und eine Entlastung“, so Keuthage.
Lese-Tipp: Abnehmspritze bald als Pille – das müsst ihr wissen
Eine interessante Besonderheit ist die Dosierung: Die Dosis der Pille ist rund 70-mal höher als bei der Spritze. Dr. Tim Hollstein, Facharzt für Innere Medizin, erklärt den Grund: „Das wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und da kommt halt leider nicht so viel an, wie wenn man das jetzt direkt unter die Haut spritzt.“
Für wen ist die Abnehm-Pille geeignet?
Experten wie Dr. Hollstein betonen, dass es sich bei Wegovy nicht um eine Lifestyle-Pille für die „Sommerfigur“ handelt. Die Zulassung ist klar geregelt: Das Medikament ist für Menschen mit Adipositas (einem Body-Mass-Index über 30) oder für Menschen mit einem BMI über 27 vorgesehen, wenn zusätzliche gewichtsbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck vorliegen. Adipositas wird dabei klar als Krankheit definiert, nicht als Willensschwäche.
Lese-Tipp: Wegovy gibt’s jetzt auch als Tablette – Experte schlägt Alarm
Tanja König erfüllt mit einem BMI von etwa 31 die Kriterien. Bei ihr wurde zudem ein viszeraler Fettanteil von 2,4 Litern festgestellt – Fett, das sich im Bauchraum anlagert und als gesundheitlich besonders bedenklich gilt. Ihr Arzt ist optimistisch: Das Ziel, diesen Wert zu halbieren, sei „kein Hexenwerk“ und mit Unterstützung der Tablette machbar.

Die Kostenfrage: Ein teurer Weg zum Wunschgewicht
Eine entscheidende Hürde sind die Kosten. Die Behandlung mit der Wegovy-Pille ist verschreibungspflichtig, wird aber von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Patienten müssen die Kosten, die je nach Dosierung zwischen 170 und 280 Euro pro Monat liegen, selbst tragen. Für Tanja König ist es eine Investition in ihre Gesundheit. Nach den erfolgreichen Untersuchungen hat sie ihr Rezept erhalten und blickt positiv in die Zukunft. Ihr nächstes Ziel ist klar definiert: ein Wohlfühlgewicht zwischen 70 und 75 Kilo. Ein Ziel, das nun in greifbare Nähe gerückt ist.
Verwendete Quellen: RTL


