So genießt ihr die Waldschätze gefahrenlosTödliche Doppelgänger im Wald! Was ihr beim Pilze sammeln unbedingt beachten solltet

Herbstzeit ist Pilzzeit!
Zwischen feuchtem Laub, Moos und knorrigen Baumstämmen schieben sich in diesen Wochen überall im Land Steinpilze, Pfifferlinge & Co. aus dem Boden. Doch wer jetzt unvorbereitet mit dem Korb loszieht, riskiert nicht nur eine schwere Vergiftung, sondern auch ein empfindliches Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Mit diesen goldenen Regeln seid ihr auf der sicheren Seite und bringt garantiert nur leckere und legale Beute nach Hause.
Goldene Regel im Wald: Esst nur, was ihr wirklich kennt
Der wichtigste Grundsatz im Wald lautet: Sammelt nur, was ihr absolut zweifelsfrei bestimmen könnt! Ein fataler Fehler ist es, sich blind auf Pilz-Apps oder Google zu verlassen. Experten warnen eindringlich vor dieser Bequemlichkeit. Zwar nutzen moderne Apps wie „ID-Logics“ neben Fotos auch Merkmale wie Lamellenfarbe oder Geruch, doch eine hundertprozentige Sicherheit bieten sie nicht.
Denn Pilz-Apps können beim Erkennen helfen – aber niemals sicher entscheiden. Reine Bilderkennungs-Apps sind besonders gefährlich: kleine Perspektivenwechsel, Licht und Feuchtigkeit verändern das Aussehen. Auch das Giftinformationszentrum Nord stellt klar: Apps und schnelle Internetrecherche sind nicht ausreichend, um Pilze sicher zu bestimmen.
Besonders tückisch: Viele Speisepilze haben extrem giftige Zwillinge, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sehen.
Grüner Knollenblätterpilz statt Champignon oder Täubling: Dies ist der gefährlichste Fehler überhaupt. Der Knollenblätterpilz ist für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland verantwortlich. Schon winzige Mengen führen zu akutem Leberversagen. Seine weißen Lamellen und die knollige Stielbasis werden oft übersehen, weil sie im Boden stecken.
Pantherpilz statt Perlpilz
Giftchampignon statt Wiesenchampignon
Frühjahrslorchel statt Speisemorchel
Habt ihr auch nur den geringsten Zweifel, lasst den Pilz im Wald stehen oder sucht eine geprüfte Pilzberatungsstelle der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) auf. Viele Beratungsstellen arbeiten kostenlos.
Wo man Pilze sammeln darf
Sommerliche Temperaturen, Regen und feuchte Waldböden – die Bedingungen sind aktuell perfekt. In ganz Deutschland nimmt die Pilzsaison Fahrt auf: Steinpilze, Röhrlinge, Pfifferlinge und Krause Glucke sprießen in vielen Regionen. Die Hauptsaison reicht in der Regel von Juli bis Oktober Besonders lohnend: Lichtungen und Waldränder, vor allem in der Nähe von Buchen und Eichen.
Pilzsachverständige empfehlen, vor allem in der Nähe von Bäumen zu suchen – dort stehen viele der begehrten Speisepilze. Wer aufmerksam durchs Unterholz geht, findet schnell die Grundlage für Pilz-Risotto, Rahmsuppe oder den Sonntagsbraten mit Waldbeilage.
Lese-Tipp: Champignons zum Verwechseln ähnlich! Wie ihr den giftigen Knollenblätterpilz erkennt
Grundsätzlich gilt in Deutschland ein Betretungsrecht der Wälder. Das heißt, ihr dürft dort Pilze sammeln – mit Unterschieden je nach Bundesland. Entscheidend ist:
Öffentlich verwaltete Wälder sind in der Regel unproblematisch.
In Privatwäldern solltet ihr im Zweifel vorher die Erlaubnis einholen.
Eingezäunte Flächen, verbotene Bereiche oder Wälder mit überwiegend jungen Bäumen meiden.
Wenn ihr unsicher seid, ob ein Gebiet öffentlich oder privat ist, könnt ihr euch ebenfalls an die Untere Naturschutzbehörde wenden. Viele Kommunen bieten zudem Karten oder Flyer mit ausgewiesenen Pilzgebieten an.
Plastikverbot und die richtige Ernte
Damit eure Beute appetitlich bleibt, solltet ihr Plastiktüten unbedingt zu Hause lassen. In ihnen schwitzen die Pilze, was das Eiweiß extrem schnell zersetzen lässt. Die Folge ist eine sogenannte „unechte“ Pilzvergiftung durch verdorbene Pilze. Greift stattdessen immer zu einem luftigen Korb oder einer Stofftasche.
Erntet zudem mit Verstand: Zu alte, madige oder winzige Baby-Pilze gehören nicht in den Korb. Dreht oder schneidet die Pilze vorsichtig direkt über dem Boden ab, um das unterirdische Wurzelgeflecht (Myzel) nicht zu zerstören.

Bei diesen Sorten drohen bis zu 10.000 Euro Strafe
Viele Sammler wissen gar nicht, dass wild lebende Pilze gesetzlich geschützt sind. Wer körbeweise Pilze aus dem Wald schleppt, um sie zu verschenken oder zu verkaufen, begeht eine Straftat. Die Bundesländer regeln die erlaubten Mengen streng im Rahmen des sogenannten Betretungsrechts.
Für den privaten Eigenbedarf – meist gilt als Faustformel ein bis zwei Kilo pro Person für eine Mahlzeit – dürft ihr bestimmte geschützte Arten sammeln. Dazu gehören:
Steinpilze
Pfifferlinge
Morcheln
Birkenpilze
Rotkappen
Schweinsohren und Brätlinge
Bei anderen streng geschützten Arten, wie beispielsweise Trüffeln, gilt jedoch ein absolutes Sammelverbot! Wer beim illegalen Massensammeln erwischt wird oder geschützte Arten ohne Erlaubnis einpackt, dem drohen saftige Bußgelder von bis zu 10.000 Euro. Erkundigt euch im Zweifel vorab bei der Unteren Naturschutzbehörde in eurem Landkreis, eurer Stadt oder Gemeinde – dort bekommt ihr Informationen zu erlaubten Mengen und möglichen Ausnahmegenehmigungen.
Video-Tipp: Steinpilze, Maronen, Champignons: Richtig Pilze sammeln
Magenkrampf im Anflug? Richtig reagieren im Ernstfall
Solltet ihr nach einer Pilzmahlzeit Symptome wie heftiges Erbrechen, Übelkeit, Magenschmerzen, krampfartige Blähungen, Durchfall, Fieber oder Schwindel verspüren, müsst ihr sofort handeln. Achtung: Bei einer hochgefährlichen Knollenblätterpilz-Vergiftung treten die ersten Beschwerden oft erst nach 6 bis 24 Stunden auf – dann ist das Gift bereits im Körper verteilt.
Sofort handeln: Wählt umgehend den Notruf oder kontaktiert eine Giftnotrufzentrale.
Beweise sichern: Hebt Putzreste, Speisereste oder im schlimmsten Fall auch Erbrochenes auf. Nur so können Experten im Labor schnell bestimmen, um welches Gift es sich handelt.
Keine Hausmittel: Trinkt unter keinen Umständen Milch, da diese die Giftaufnahme im Körper sogar noch beschleunigen kann! Auch eigenmächtig eingenommene Kohletabletten sind tabu.
In schwerwiegenden Fällen drohen ernsthafte Leber- oder Nierenschäden, Organversagen und die Notwendigkeit einer Lebertransplantation. In Kliniken kommt bei Knollenblätterpilzvergiftungen oft schnell Aktivkohle und das Gegenmittel Silibinin zum Einsatz. Je früher, desto besser sind die Chancen, dass eure Leber keinen irreparablen Schaden nimmt.
Lese-Tipp: Pilze sammeln: Diese Fehler können gefährlich werden
Sicherer Genuss: So bereitet ihr eure Funde richtig zu
Nicht jede Vergiftung stammt von Giftpilzen. Häufiger sind sogenannte „unechte“ Pilzvergiftungen – verursacht durch:
Verdorbene, zu alte oder madige Pilze
Falsche Lagerung, etwa in luftdichten Plastikverpackungen
Roher Verzehr von Speisepilzen (Pilzsalat)
Zu kurze Garzeit
Um eine unechte Vergiftung zu vermeiden, solltet ihr eure Waldschätze immer gründlich durchgaren. Fast alle Wildpilze sind roh giftig oder extrem schwer verdaulich. Jede Pilzmahlzeit muss daher mindestens 15 Minuten lang kräftig erhitzt werden. Ausnahmen für den Rohverzehr gelten fast nur für Zuchtchampignons und Steinpilze.
Und falls etwas übrig bleibt: Entgegen alten Mythen dürft ihr Pilzgerichte problemlos einmal wieder aufwärmen. Kühlt die Reste nach dem Essen einfach schnell ab und lagert sie bis zum nächsten Tag im Kühlschrank.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa, T-Online
































