Einstein, Flohzirkus, Bierpipeline15 kuriose Fakten! Das wusstet ihr noch nicht über das Oktoberfest

Oktoberfest
Die Wiesn in München ist das größte Volksfest der Welt. 
picture alliance/dpa | Matthias Balk

Die Trachten sind frisch gebügelt und das Bier ist perfekt gekühlt!
Ab 19. September 2026 heißt es auf der Theresienwiese wieder „O’zapft is!“. Doch während Millionen Besucher aus aller Welt zum Oktoberfest nach München strömen, verbergen sich hinter den Kulissen der Wiesn Geheimnisse, die selbst eingefleischte Bayern überraschen. Von weltberühmten Physikern als Hilfsarbeitern über Bier-Pipelines bis hin zu rasanten Rolltreppen – wir haben die kuriosesten Fakten rund um das größte Volksfest der Welt zusammengestellt.

1. Ein Genie am Hammer: Albert Einstein als Zeltarbeiter

Bevor Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie die Physik revolutionierte, verdiente er sich sein Geld auf der Wiesn. Im Jahr 1896 half der damals 17-Jährige im Schottenhamel-Festzelt aus. Die Elektrofirma seines Vaters installierte dort die allererste elektrische Beleuchtung. Anstatt für die Schule zu büffeln, schraubte der spätere Nobelpreisträger fleißig Glühbirnen ein – und erhielt am Ende des Jahres trotzdem ein Abiturzeugnis mit Bestnoten. Die Legende vom „Zeltbauer Einstein“ gehört zu den charmantesten Kuriositäten der Wiesn-Geschichte.

2. Lebenslanges Wiesn-Verbot für Paris Hilton

Während sich internationale Stars wie Arnold Schwarzenegger oder Robbie Williams jährlich im Blitzlichtgewitter der Festzelte sonnen, bleibt einer Dame der Zutritt verwehrt: Paris Hilton. Die Hotel-Erbin tauchte 2006 in einem goldenen Glitzerdirndl auf der Wiesn auf, um unerlaubt für ihre eigene Dosen-Prosecco-Marke zu werben. Die Festleitung verstand bei dieser dreisten PR-Aktion keinen Spaß: Paris Hilton wurde zur „Persona non grata“ erklärt und erhielt ein dauerhaftes Hausverbot. Gleichzeitig erließ die Stadt neue Regeln: Modeschauen, Promotion-Aktionen und PR-Events sind im offiziellen Wiesn-Betrieb nicht mehr erlaubt.

Paris Hilton und Kim Kardashian im September 2006
Paris Hilton besuchte 2006 das Oktoberfest zusammen mit Kim Kardashian
Thomas Niedermueller/Getty Images
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3. Bier aus der Pipeline

Der Durst der Wiesn-Gäste bricht regelmäßig Rekorde. Um den enormen Massen Herr zu werden, hat das Hacker-Festzelt eine Hightech-Lösung unter der Theresienwiese vergraben: Eine 250 Meter lange Bierpipeline versorgt alle Schänken des Zeltes direkt aus einem 1.000 Hektoliter großen Zentraltank – schneller und effizienter als die früheren Tankwagen, die sich durch die Menschenmassen kämpfen mussten. So fließt das Bier immer perfekt gekühlt mit konstant vier Grad direkt ins Glas.

4. Turbo-Rolltreppen für den Massenansturm

Wer am U-Bahnhof Theresienwiese ankommt, wundert sich vielleicht über das Tempo der Rolltreppen. Das ist kein Einbildungseffekt: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) lässt die Fahrtreppen während der Wiesn-Stoßzeiten von den in Deutschland üblichen 0,5 Metern pro Sekunde auf rasante 0,68 Meter pro Sekunde beschleunigen. Nur so können in Spitzenzeiten bis zu 12.500 Menschen pro Stunde sicher nach oben befördert werden.

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5. Warum die Wiesn eigentlich im September startet

Obwohl das Fest „Oktoberfest“ heißt, findet es fast vollständig im September statt. Der Grund dafür ist schlichtweg das Wetter. Das allererste Oktoberfest im Jahr 1810 – damals ein Pferderennen zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese – fand im Oktober statt. Weil es in München im Spätherbst jedoch oft nass, kalt und ungemütlich ist (1829 gab es sogar einen heftigen Schneesturm kurz nach der Eröffnung), wurde das Fest 1872 dauerhaft in den milderen Altweibersommer des Septembers vorverlegt.

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6. Von Frost bis Hitze: Das verrückte Wiesn-Wetter

Apropos: Auf dem Oktoberfest ist das Wetter immer für eine Überraschung gut. Den absoluten Kälterekord stellte der 29. September 1936 auf, als die Besucher bei eisigem Dauerfrost von -2,5 Grad Celsius in den Zelten zusammenrücken mussten. Auch im Jahr 2002 überraschte ein plötzlicher Wintereinbruch mit dichtem Schneefall die feiernden Gäste. Das krasse Gegenteil erlebte die Wiesn dagegen am Eröffnungssamstag 2025: Mit tropischen 30,7 Grad Celsius verzeichnete der Deutsche Wetterdienst den heißesten Tag der Oktoberfest-Geschichte. Schattenplätze und die kostenlosen Trinkwasserbrunnen waren an diesem Tag heißer begehrt als jede kühle Maß im Zelt.

7. Warum Oberbürgermeister heimlich trainieren

Der Anstich des ersten Fasses im Schottenhamel-Zelt ist eine hochpolitische Angelegenheit. Was einfach aussieht, ist Technik und Kraft – und der erste Eindruck für Millionen Zuschauer weltweit. Wie viele Schläge der Oberbürgermeister benötigt, entscheidet über sein Ansehen in der Stadt. Auch Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause hat sich wochenlang mit einem Trainer zurückgezogen, um den perfekten Schlag zu üben. Den historischen Negativrekord hält übrigens Thomas Wimmer, der 1950 beim allerersten offiziellen Anzapfen sage und schreibe 17 Schläge brauchte. Seine Nachfolger Christian Ude und Dieter Reiter schafften es nach Training regelmäßig mit nur zwei Schlägen.

Dieter Reiter bei der Eröffnung vom 190. Oktoberfest 2025 im Schottenhamel Festzelt
Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Fassanstich 2025
picture alliance / Geisler-Fotopress

8. Die eigene Brotzeit darf mitgebracht werden

Ein echtes Stück bayerische Tradition, das viele nicht kennen: In den Biergärten der Oktoberfest-Zelte darf man seine eigene Brotzeit mitbringen und verzehren. Das gilt allerdings ausschließlich für das Essen – die Getränke müssen natürlich vor Ort gekauft werden. Wer seine Brotzeit von zu Hause mitbringt, muss beim Packen allerdings genau hinsehen. Auf das Festgelände dürfen nur Taschen und Rucksäcke mitgenommen werden, die maximal 20 × 15 × 10 Zentimeter groß sind.

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Was viele auch nicht wissen: Der Eintritt in alle Festzelte ist kostenlos. Rund ein Viertel aller Plätze in den großen Zelten darf grundsätzlich nicht reserviert werden. Unter der Woche zwischen 10 und 15 Uhr sind die Chancen auf einen freien Platz – auch ohne Reservierung – am besten. Wer flexibel ist, kann also durchaus entspannt in die großen Festzelte hineinspazieren.

9. Trauriger Rekord: Zehn Jahre ohne Wiesn

Obwohl das Oktoberfest eine scheinbar unerschütterliche Institution ist, musste es in seiner über 210-jährigen Geschichte bereits 26 Mal komplett abgesagt werden. Den traurigen Rekord der längsten Pause hält die Zeit von 1939 bis 1948: Wegen des Zweiten Weltkriegs und der schweren Nachkriegsjahre fand zehn Jahre lang kein reguläres Oktoberfest statt.

Als Trostpflaster und Ablenkung für die Münchner wurde Ende der 1940er-Jahre lediglich ein kleineres „Herbstfest“ organisiert – eine Notlösung, die es so ähnlich auch schon nach dem Ersten Weltkrieg in den Jahren 1919 und 1920 gegeben hatte. Erst 1949 durften die Münchner wieder eine echte, große Wiesn feiern. Zuletzt erzwang die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 eine zweijährige Zwangspause.

10. Die Hymne der Gemütlichkeit stammt aus Sachsen

Kein Lied wird auf der Wiesn so oft gespielt wie „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Doch die vermeintlich urbayerische Hymne hat sächsische Wurzeln. Geschrieben und komponiert wurde das Lied vom Chemnitzer Bernhard Traugott Dietrich. Erst der Nürnberger Wirt Georg Lang brachte den Song um die Jahrhundertwende nach München und machte ihn zum ungeschlagenen Wiesn-Hit.

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Wer auf der Wiesn bestehen will, braucht nicht viele Bayerisch-Kenntnisse. Drei Sätze reichen: „Oans, zwoa, drei, g’suffa!“ – der klassische Trinkruf, „Servus“ – heißt Hallo und Tschüss und „Prost“ – der internationale Standard fürs Anstoßen.

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11. Keine Mülleimer auf dem Festgelände

Wer seinen Pappteller oder seine Servierte loswerden möchte, sucht auf der Theresienwiese vergeblich nach einem klassischen Mülleimer. Diese wurden nach dem verheerenden Oktoberfestattentat von 1980 aus Sicherheitsgründen komplett abgeschafft. Stattdessen sorgt eine eingespielte Reinigungstruppe rund um die Uhr dafür, dass der Müll direkt von den Straßen gekehrt wird.

2024 fielen rund 72 Tonnen Müll an, 2015 waren es sogar 120 Tonnen. 3.500 Fundsachen wurden 2024 abgegeben – darunter künstliche Gebisse, Prothesen, Hochzeitskleider und sogar lebende Tiere.

12. Die Wiesn-Wache: Eine eigene Polizeidienststelle

Während des Oktoberfests wird auf dem Gelände die „Wiesn-Wache“ als eigenständige Polizeiinspektion 17 eingerichtet. Die Beamten haben einen direkten Draht zu den Zeltwirten und Sicherheitsdiensten. Das Konzept geht auf: Durch die hohe Präsenz sank die Zahl der Straftaten im Vorjahr um beachtliche 24 Prozent.

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13. Die meist gebrochene Wiesn-Regel 

90 Prozent der Besucher brechen sie – und kaum jemand weiß, dass es überhaupt verboten ist: Auf den Bänken stehen ist offiziell nicht erlaubt.

In der Praxis sieht das anders aus: Sobald die Kapelle „Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmt, stehen die Leute auf den Holzbänken, schunkeln, tanzen, posieren für Selfies. Die Sicherheitsleute drücken fast überall ein Auge zu, solange niemand gefährlich wankt oder stürzt.

Oktoberfest
Das Stehen auf den Bänken ist beim Oktoberfest eigentlich nicht erlaubt
picture alliance / Xinhua News Agency | Zhang Haofu

14. Flohzirkus mit Nachwuchsproblemen

Zu den kuriosesten Attraktionen der Wiesn gehört der historische Flohzirkus. Rund 80 winzige Floh-Artisten ziehen dort Kutschen, spielen Fußball oder tanzen Ballett. Doch Zirkusdirektor Robert Birk plagen Nachwuchssorgen: Weil Haustiere heute viel besser gepflegt werden, sind kräftige Hundeflöhe extrem selten und teuer geworden. 200 der winzigen Versuchstiere kosten mittlerweile fast 1.200 Euro. Der Flohzirkus gilt als einzigartig in Europa und ist ein Relikt aus einer anderen Unterhaltungsepoche.

15. Über zwei olympische Schwimmbecken voll Bier

Die Dimensionen des Oktoberfests sind gigantisch. Die meisten Besucher kamen 2023: Etwa 7,2 Millionen Menschen besuchten bei meist spätsommerlichen Wetter die 18-tägige XXL-Ausgabe. Bei rund 6,5 Millionen ausgeschenkten Maß Bier im vergangenen Jahr entspricht die Menge des getrunkenen Gerstensaftes dem Inhalt von mehr als zweieinhalb olympischen Schwimmbecken. Auch die Sanitäter hatten alle Hände voll zu tun: Von den über 7.100 behandelten Patienten im Vorjahr waren rund 39 Prozent auf alkoholbedingte Notfälle zurückzuführen.

Kulinarisch ist die Wiesn ebenfalls ein Fest der Superlative: 2024 wurden über eine halbe Million Hendl verspeist, dazu Ochsen, Kälber, Schweinshaxen, Würste in rauen Mengen.

2011 wurde übrigens so viel Bier wie nie zuvor — und bis heute nicht — auf dem Oktoberfest getrunken. Ganze 79.225 Hektoliter Bier wurden ausgeschenkt: Na dann, Prost!

Verwendete Quellen: tz, Stern, Zeit, tz, Oktoberfest