Seine Tics halten ihn nicht aufTraumjob trotz Tourette! Felix startet jetzt am Flughafen durch

von Hebah Omar und Jan Luhrenberg

„Es ist ein großes Privileg, dass ich das hier wirklich machen darf.”
Als Kind fragt sich Felix Matern noch, ob sein Tourette-Syndrom ihn sein Leben lang ausbremsen wird. Heute arbeitet der 23-Jährige ausgerechnet dort, wo täglich Tausende Menschen unterwegs sind: am Hamburger Flughafen. Und sein großer Traum könnte damit gerade erst anfangen. Wie Felix seinen Alltag mit Tourette meistert, seht ihr oben im Video.

Schon als Kind wollte Felix Matern zum Flughafen

Wo andere Urlaub machen oder auf Geschäftsreise gehen, erfüllt sich Felix Matern gerade einen Kindheitstraum. Der 23-Jährige absolviert ein duales BWL-Studium am Flughafen Hamburg und arbeitet im Zentraleinkauf. Er ist der erste Student hier am Hamburger Flughafen mit dieser Krankheit. Tourette am Flughafen mit ständig wechselnden Menschen und einem Großraumbüro? Genau davor hatte Felix früher Respekt. Heute weiß er, dass es funktioniert.

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„Ich habe schon als Kind früh erkannt: Ich möchte irgendwie Richtung Flughafen gehen“, erzählt Felix. Was genau er dort einmal machen würde, war damals noch offen. Umso größer ist heute seine Freude. „Jetzt hier zu stehen, ist ein unglaubliches Gefühl.”

Felix ist einer von 400.000 Menschen mit Tourette in Deutschland

Mit acht Jahren bemerkt Felix erstmals seine Tics. Er blinzelt häufig, zieht Grimassen und macht Bewegungen, die er nicht kontrollieren kann. Nach der Diagnose beschäftigt ihn vor allem ein Gedanke: „Bleibt das jetzt für immer?“ Sein Arzt erklärt ihm damals, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit so sein werde.

Felix ist einer von 400.000 Menschen in Deutschland mit Tourette. Bei der neurologischen Erkrankung machen Betroffene unkontrollierbare Bewegungen oder Laute, die sie selbst gar nicht steuern.

Felix und seine Familie gehen von Anfang an offen mit dem Tourette-Syndrom um. Selbst Busfahrer werden früher darüber informiert, warum der Junge manchmal ungewöhnliche Laute oder Bewegungen macht. Auch seine jüngere Schwester Jette wächst mit den Tics auf. Nicht immer ist das leicht. „Ich wusste, er kann ja nichts dafür, aber es war halt trotzdem echt anstrengend. Deswegen musste ich ja die Kopfhörer tragen, weil das einfach irgendwann nicht mehr aushaltbar war, die ganze Zeit dieses Geschreie zu hören.”

Als Kind fragt sich Felix Matern noch, ob sein Tourette-Syndrom ihn sein Leben lang ausbremsen wird. Heute arbeitet der 23-Jährige ausgerechnet dort, wo täglich Tausende Menschen unterwegs sind: am Hamburger Flughafen. Und sein großer Traum könnte damit gerade erst anfangen.
Schwester Jette ist mächtig stolz auf Felix.
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Sein Chef sieht Felix als Mitarbeiter wie jeden anderen

Trotzdem lässt Felix seinen Berufswunsch nicht los. Er bewirbt sich für das duale Studium am Flughafen Hamburg und schafft es durch das mehrtägige Auswahlverfahren. Als im Videocall schließlich die Zusage kommt, kann er sein Glück kaum fassen. „Ich war überglücklich.“

Auch im Arbeitsalltag geht Felix offen mit seiner Erkrankung um. Für Erik Rabenberg, Abteilungsleiter Finanzen, zählt vor allem, was der junge Mann mitbringt. Felix sei am Ende „ein Mitarbeiter wie jeder andere“. Für ihn steht fest, dass Unternehmen Talente nicht wegen solcher Besonderheiten übersehen sollten.

Als Kind fragt sich Felix Matern noch, ob sein Tourette-Syndrom ihn sein Leben lang ausbremsen wird. Heute arbeitet der 23-Jährige ausgerechnet dort, wo täglich Tausende Menschen unterwegs sind: am Hamburger Flughafen. Und sein großer Traum könnte damit gerade erst anfangen.
Abteilungsleiter Erik Rabenberg ist froh, Felix in seinem Team zu haben.
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Ganz verschwunden sind Felix’ Zweifel trotzdem nicht. Das Tourette-Syndrom kann sich verändern, stärkere Phasen können zurückkommen. „Ich habe auch Sorge davor, dass es vielleicht in ein, zwei Jahren, vielleicht sogar schon morgen, wieder so sein wird, da das Tourette unberechenbar ist.” Doch davon will sich der 23-Jährige seinen Weg nicht bestimmen lassen.

Felix hofft auf eine Übernahme nach dem Studium

Ein Jahr Studium liegt noch vor ihm. Danach hofft Felix auf die Übernahme als Betriebswirt. Seine Chancen sieht er optimistisch. Und Schwester Jette? Die ist längst „richtig, richtig stolz“ auf ihren großen Bruder.

Felix selbst würde seinem neunjährigen Ich heute vor allem eines mitgeben: genauso offen mit Tourette umzugehen wie damals. Sein Weg zeigt schließlich, wohin genau das führen kann – im besten Fall direkt zum eigenen Traumjob.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche