„Cute Sunburn” erobert Social MediaSonnenbrand ist plötzlich „schön“ – Experten schlagen wegen TikTok-Trend Alarm

Auf TikTok verbreitet sich der Trend „Cute Sunburn”.
Auf TikTok verbreitet sich der Trend „Cute Sunburn”.
picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Junge Menschen feiern die Gefahr!
Sonnenbrände sind bei den aktuellen Temperaturen leider keine Seltenheit. Während die meisten jedoch versuchen, ihre Haut mit Sonnencreme und Schatten zu schützen, feiern manche Menschen auf TikTok das gefährliche Alarmsignal der Haut jedoch als Schönheitsideal. Experten schlagen deshalb Alarm und warnen eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen.

„Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Phänomen“

Leicht gerötete Wangen, eine verbrannte Nase und Kommentare wie „Summer Glow“. Auf TikTok verbreitet sich derzeit der Trend „Cute Sunburn“, bei dem ein leichter Sonnenbrand als attraktiver Sommerlook inszeniert wird. Aus medizinischer Sicht ist das allerdings hochproblematisch.

Der Apotheker Martin Schulze, Leiter der pharmazeutischen Kundenbetreuung bei mycare.de, warnt in einer Pressemitteilung eindringlich vor der Verharmlosung. „Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Phänomen. Er ist das sichtbare Zeichen einer UV-Schädigung, die bereits stattgefunden hat – und zwar irreversibel.“

Nach seinen Angaben schädigt UV-Strahlung die DNA der Hautzellen direkt. Zwar versuche der Körper, diese Schäden zu reparieren. Gelinge das jedoch nicht vollständig, könnten sich einzelne Zellen verändern und im schlimmsten Fall entarten. „Jeder Sonnenbrand, auch ein vermeintlich kleiner, erhöht das Risiko für Hautkrebs, einschließlich des malignen Melanoms.“ Das maligne Melanom ist der Fachbegriff für schwarzen Hautkrebs.

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„Cute Sunburn”-Look schminken – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wem der „Sunburn”-Look gefällt, der sollte lieber auf die unschädliche Make-up-Variante setzen. Denn mit ein paar Handgriffen könnt ihr euch den Sommer-Glow ganz einfach und vor allem gesund ins Gesicht zaubern, wie etwa die TikTokerin Lila auf ihrem Profil erklärt:

  1. Cremt euer Gesicht zunächst mit Feuchtigkeitscreme und dann mit Sonnenschutz ein. Warum diese Reihenfolge für gesunde Haut wichtig ist, lest ihr HIER.

  2. Tragt als nächstes eine getönte Tagescreme oder eine leichte Foundation auf euer Gesicht auf. Dieser Schritt sorgt dafür, dass euer Sommer-Glow später nicht „verrutscht”.

  3. Wer möchte kann als nächstes ein paar Konturen setzen oder macht direkt mit Schritt vier weiter.

  4. Das wichtigste Produkt für den „Sunburnt”-Look ist das Rouge. Wählt eine Farbe, die sowohl einen Terrakotta- oder Braunton als auch einen ausreichenden Rotanteil hat. Tragt das Produkt auf eure Wangen auf und verblendet es auch über euren Nasenrücken und überall dort, wo auch die Sonne ihre Spuren hinterlassen würde – etwa am Kinn und auf der Stirn.

  5. Wer mag, kann mit einem braunen Kayal noch ein paar Sommersprossen ergänzen, oder aber ihr belasst es bei der leichten Röte.

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung erhaltet ihr in wenigen Minuten den Look, der auf Social Media derzeit so angesagt ist. Allerdings mit dem Vorteil, dass ihr eurer Haut damit nicht schadet.

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Gerade Kinder und Jugendliche seien gefährdet

Besonders kritisch sieht Schulze den Einfluss sozialer Medien auf junge Menschen. In den Videos sei zwar die gerötete Haut zu sehen, die gesundheitlichen Folgen würden jedoch komplett ausgeblendet. „Gerade Kinder und Jugendliche nehmen das als normalen Sommerlook wahr, ohne zu wissen, dass es sich bereits um eine Schädigung der Haut handelt.“

Wer bereits in jungen Jahren immer wieder Sonnenbrände erleide, trage nach Angaben des Apothekers später ein deutlich höheres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Neben „Cute Sunburn” macht auch der Trend „Tanmaxxing” die Runde, der nicht weniger gefährlich ist.

Schutz vor Hautkrebs: So schützt ihr eure Haut richtig

Nach Ansicht des Apothekers fehlt in den Social-Media-Videos vor allem eines: Wissen über richtigen Sonnenschutz. Für den gesamten Körper sollte etwa eine Menge Sonnencreme in der Größe eines Golfballs verwendet werden. Nur dann werde der angegebene Lichtschutzfaktor auch tatsächlich erreicht. Schulze empfiehlt grundsätzlich LSF 50.

Außerdem räumt er mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Nachcremen verlängert nicht die maximale Schutzzeit, es erhält lediglich den bestehenden Schutz aufrecht.“ Spätestens alle zwei Stunden sowie nach dem Baden oder starkem Schwitzen sollte deshalb erneut Sonnencreme aufgetragen werden.

Auch die Dermatologin Dr. Marion Moers-Carpi hat in einem früheren RTL-Interview bereits über weit verbreitete Sonnencreme-Fehler aufgeklärt und verraten, wie ihr eure Haut richtig schützt.

Experte fordert mehr Verantwortung

Schulze sieht aber nicht nur Nutzer in der Pflicht: Influencer und Plattformen müssten seiner Ansicht nach stärker auf gesundheitliche Risiken hinweisen, wenn sie entsprechende Inhalte verbreiten. Solange die Gefahren von UV-Strahlung in den Beiträgen ausgeblendet würden, entstünden gerade bei jungen Menschen falsche Vorstellungen davon, was gesund sei.

Auch Eltern, Lehrkräfte und medizinisches Fachpersonal sollten das Thema Sonnenschutz deshalb verstärkt ansprechen. Denn was auf TikTok gerade als Trend gefeiert wird, ist vor allem eines: ein vermeidbares Gesundheitsrisiko.

Verwendete Quelle: mycare.de, TikTok/lilachilds