Hoffnung für krebskranke KinderNeue Studie aus Kiel! Forscher sprechen von „Durchbruch“ bei Leukämie

In einigen Kinderkliniken in NRW gibt es bereits jetzt erste Engpässe. (Symbolbild)
Eine neue Studie macht krebskranken Kindern und ihren Familien Mut (Symbolbild).
Marijan Murat/dpa

Neue Hoffnung für krebskranke Kinder!
Eine große internationale Studie macht Eltern Mut. Kinder mit einer besonders gefährlichen Form von Blutkrebs bekamen statt eines Teils der harten Chemotherapie eine Immuntherapie. Das Ergebnis: Der Krebs kam fast nur noch halb so oft zurück, und die Kinder litten deutlich seltener unter schweren Nebenwirkungen.

Krebs-Studie aus Kiel: Weniger Rückfälle, weniger Nebenwirkungen

Geleitet wurde die Studie vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, mehr als 100 Kliniken in acht Ländern haben mitgemacht. Über 700 Kinder mit einer besonders gefährlichen Form von Leukämie wurden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam die bisherige Chemo. Bei der anderen wurde ein Teil davon durch den Immun-Wirkstoff Blinatumomab ersetzt.

Nach vier Jahren war der Krebs in der Chemo-Gruppe bei gut 21 Prozent der Kinder zurückgekehrt. In der Immuntherapie-Gruppe waren es nur knapp 12 Prozent.

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Auch bei den Nebenwirkungen zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Unter der Chemo bekamen fast 70 Prozent der Kinder eine ernsthafte Infektion, unter der neuen Therapie war es weniger als jedes vierte. Lebensbedrohliche Infektionen gab es in der Chemo-Gruppe bei elf Kindern, in der Immuntherapie-Gruppe bei keinem einzigen.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse jetzt im „New England Journal of Medicine“, einer der wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften der Welt. „Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der Therapie von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie dar“, sagt Studienleiter Prof. Martin Schrappe von der Universität Kiel.

Um welche Kinder geht es?

Leukämie, also Blutkrebs, ist die häufigste Krebsart bei Kindern. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 550 bis 600 Kinder und Jugendliche an der sogenannten akuten lymphatischen Leukämie. Die meisten von ihnen haben heute gute Chancen: Rund 90 Prozent werden dauerhaft gesund.

Bei etwa jedem fünften Kind ist die Gefahr aber groß, dass der Krebs zurückkommt. Diese Kinder bekommen deshalb bislang eine besonders starke Chemo. Die soll den Krebs besiegen, ist für den Körper aber enorm belastend und kann im schlimmsten Fall selbst lebensgefährlich werden. Genau um diese Kinder ging es in der Studie.

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So funktioniert die Immuntherapie aus der Studie

Der Wirkstoff Blinatumomab arbeitet wie eine Brücke: Es bringt die Abwehrzellen des Körpers direkt mit den Krebszellen zusammen. So kann das eigene Immunsystem den Krebs gezielt angreifen. Die Kinder bekommen das Mittel über mehrere Wochen als Dauerinfusion.

Ganz ohne Nebenwirkungen ist aber auch diese Behandlung nicht. Einige Kinder hatten zum Beispiel neurologische Beschwerden, schwere Fälle waren aber selten.

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Wie geht es nach der Studie nun weiter?

Die Kieler Ärzte wollen die Chemo künftig noch häufiger ersetzen. „Unser Ziel ist es, auch bei weiteren Patientengruppen Chemotherapien durch wirksamere und besser verträgliche Immuntherapien zu ersetzen“, sagt Prof. Gunnar Cario, Direktor der Kieler Klinik für Kinderonkologie. Eine neue Studie soll noch in diesem Jahr starten. Wie schon die aktuelle wird sie von der Deutschen Krebshilfe unterstützt.

Für die Erstbehandlung von Kindern ist das Medikament in der EU bislang nicht zugelassen. Die neuen Ergebnisse gelten außerdem nur für eine bestimmte Form dieser Leukämie. Welche Behandlung für ein Kind infrage kommt, entscheiden immer die Ärzte in der Klinik.

Verwendete Quellen: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein/Deutsche Krebshilfe, OncoDaily