Seit 26 Jahren unterwegsSechs Kinder, 20 Quadratmeter: Familie Schwörer lebt auf See

von Philipp Cerfontaine, Olivia Coppius, Laura Proll und Anja Blanuscha

Das Meer ist ihr Zuhause.
Sabine und Dario Schwörer leben mit ihren sechs Kindern auf einem Segelboot und reisen seit 26 Jahren um die Welt. Doch kurz vor der nächsten Expedition Richtung Antarktis der Schock: Tochter Mia muss operiert werden.

Auf 20 Quadratmetern zählt jeder Zentimeter

20 Quadratmeter, acht Familienmitglieder und immer wieder ein neuer Ort vor der Haustür. Was für andere nach einem ziemlich gewagten Abenteuer klingt, ist für die Schwörers seit mehr als zwei Jahrzehnten Alltag. Ihr Zuhause ist die „Pachamama“, mit der die Schweizer Familie über die Weltmeere segelt. Als wir sie im norwegischen Ålesund besuchen, laufen bereits die Vorbereitungen für das nächste große Ziel. Die Schwörers wollen Richtung Antarktis aufbrechen und zum Mount Vinson, dem höchsten Berg des Kontinents. Dafür muss Mutter Sabine vor allem eines tun: Vorräte anlegen. „Vielleicht würden wir auch dort überwintern. Das heißt, dann muss ich sicher für sechs Monate einkaufen gehen.“

Viel Platz für Lebensmittel, Kleidung und all die Dinge, die eine achtköpfige Familie braucht, gibt es nicht. Deshalb wird auf der „Pachamama“ praktisch jede freie Ecke genutzt. Unter Sitzbänken und Matratzen befinden sich Staufächer. Gleichzeitig gilt eine einfache Regel. Nur das kommt an Bord, was wirklich gebraucht wird.

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Sechs Kinder wachsen auf der „Pachamama“ auf

Seit 26 Jahren führen Sabine und Dario dieses ungewöhnliche Leben. Ende der 90er-Jahre beginnt ihre Reise. Dario arbeitet damals als Bergführer und beobachtet Veränderungen an Gletschern und Bergen. Gemeinsam mit seiner Frau, einer gelernten Krankenschwester, beschließt er, etwas zu tun. Das Paar gründet die Organisation „Top to Top“. Auf ihren Reisen dokumentieren die beiden Folgen des Klimawandels und besuchen Schulen und Universitäten, um junge Menschen für Klimaschutz zu sensibilisieren.

Alle sechs Kinder der Schwörers wachsen größtenteils auf dem Segelboot auf. Was für andere außergewöhnlich klingt, ist für sie Alltag. „Sie denken vielleicht, es ist ein bisschen komisch, aber wir sind ja das ganze Leben auf dem Schiff“, sagt Sohn Noe. Unterricht gibt es ebenfalls an Bord, zwischendurch besuchen die Kinder an Land eine Schule. Inzwischen gehen die Älteren ihre eigenen Wege. Zwei Kinder haben bereits ihr Abitur und das Schiff verlassen. Auch Alegra und Noe wollen eine Sportschule besuchen. Kontakte zu Freunden halten sie trotz der vielen Reisen vor allem digital.

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Kurz vor der Antarktis-Reise ändert sich plötzlich alles

Eigentlich soll die „Pachamama“ nur wenige Tage nach unserem Besuch wieder ablegen. Doch ausgerechnet jetzt wird der Familie vor Augen geführt, welche Schattenseite ihr Leben auf See haben kann. Die jüngste Tochter Mia fehlt plötzlich an Bord. Die Zehnjährige musste ins Krankenhaus. Mutter Sabine ist sichtlich beunruhigt und die geplante Antarktis-Expedition steht auf einmal nicht mehr an erster Stelle. Tochter Mia muss die Gallenblase entfernt werden. „Wenn wir da irgendwo auf einer Überseglung sind, auch nur schon zwei Tage, kann das ganz gefährlich werden”, weiß Mama Sabine, die gelernte Krankenschwester ist. Nicht auszudenken, die Familie wäre schon unterwegs Richtung Antarktis! Denn das ist wohl der Nachteil an dem Leben, das sie führen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, ToptoTop.org