Fördert ein TikTok-Trend Femizide?Alana sagte Nein, er stach zu – 20-Jährige wegen Korb fast getötet

Frauenhass wächst.
Er schenkte ihr Schokolade und Blumen, sie sagte Nein. Nein zu einem Date, Nein zu ihm. Daraufhin stach der Mann, den Alana Anisio Rosa aus dem Fitnessstudio kannte, 50 mal mit einem Taschenmesser auf sie ein. Die 20-Jährige überlebte schwer verletzt. Zuvor soll der Täter sich TikTok-Videos angeschaut haben, die Gewalt gegen Frauen, die Männer ablehnen, verherrlichen.
Alanas Mutter kommt in letzter Sekunde heim
Ihre eigene Mutter rettet Alana an diesem Abend im Februar 2026 das Leben. Sie kommt gerade heim und sieht mit eigenen Augen, wie ihre Tochter niedergestochen wird. „Er stach immer wieder auf sie ein. Ich zog ihn von ihr weg”, erzählt Jaderluce Anisio de Oliveira im Interview mit der Agentur AFP. „Mein ganzes Wohnzimmer war voller Blut”, so die 53-Jährige. Das Zuhause der beiden ist in Sao Goncalo, einer Großstadt im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro.
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„Red Pill”-Bewegung erobert das Internet
Alana Anisio Rosa wird daraufhin in künstliches Koma versetzt. So kann sie mit weniger Belastung OPs überstehen und sich vom blutigen Angriff erholen, berichtet International Business Times.
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Nachdem die Attacke auf Alana bekannt wurde, tauchten im Netz immer mehr Videos auf, in denen junge Männer mit Boxsäcken trainieren, auf Gegenstände einstechen und dazu „If she says No” („Wenn sie Nein sagt”) schreiben. Diese Aufnahmen, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen, gingen am Weltfrauentag viral. Auf Youtube folgen rund 23 Millionen Menschen Vertretern der sogenannten „Red Pill”-Bewegung, die Frauenhass verbreitet. Andrew Tate ist wohl das bekannteste Gesicht dieser frauenfeindlichen Ausrichtung. Auch in Deutschland verzeichnet TikTok zahlreiche Videos, die unter dem Hashtag oder eingeblendetem Schriftzug „Vorbereitung, falls sie Nein sagen sollte” zu finden sind.

„Red Pill” kommt eigentlich aus dem bekannten Film „The Matrix” mit Keanu Reeves. Darin geht es um eine blaue und eine rote Pille. Wer die blaue wählt, lebt weiter wie bisher. Wer sich für die rote Pille entscheidet, wacht auf und erkennt die Wahrheit. Und mit dieser symbolischen Pille arbeitet die Hass-Bewegung, die Männern eintrichtern will, dass sie von Frauen unterdrückt werde, berichtet taz.de. Diese Bewegung sei Teil einer rechten Cyber-Kultur. Red-Piller hätten dem Bericht nach die Vorstellung, dass sogenannte Blue-Piller entweder komplett feministisch indoktriniert wären, oder schlicht so attraktiv, dass sie in Sachen Frauen ohnehin alles bekämen, was sie wollten.
Alana Anisio Rosa ist wieder Zuhause

Jaderluce de Oliveira glaubt, dass auch der junge Mann, der den Korb ihrer Tochter nicht akzeptieren wollte, diese frauenfeindlichen Inhalte kannte. Ihre Tochter konnte unter großer medialer Aufmerksamkeit das Krankenhaus inzwischen verlassen. Doch die Narben auf ihrem Körper bleiben für immer.
In Deutschland gibt es keinen Straftatbestand Femizid
Frauenhass und damit verbundene Femizide sind weltweit ein Phänomen, das wächst. Vor allem Brasilien verzeichnet eine sehr hohe Frauenmord-Rate. Dort sind 2025 durchschnittlich vier Frauen pro Tag wegen ihres Geschlechts getötet worden und damit insgesamt so viele wie nie zuvor.
Landesweit wurden im vergangenen Jahr 1470 derartige Femizide registriert, was seit Beginn der Statistik einen Rekordwert darstellt, wie das Nachrichtenportal „G1” unter Berufung auf das Justiz- und Sicherheitsministerium berichtete. Als häufigste Form gilt die Tötung durch Partner oder Ex-Partner. In Deutschland gibt es keinen eigenen Straftatbestand Femizid. Tötungen von Frauen werden als Mord oder Totschlag verfolgt. Daher lässt sich nur schwer beziffern, wie viele Femizide es tatsächlich gibt.
Verwendete Quellen: G1, dpa, AFP, taz, International Business Times

