Nach einer schmerzhaften Fehlgeburt

Frau mit zwei Vaginen und zwei Gebärmüttern bringt lang ersehntes Baby zur Welt

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10. Oktober 2019 - 8:56 Uhr

Ein Kind war ihr größter Wunsch

Lange Zeit wünschte Eleanor Rowe sich nichts so sehr wie ein Baby. Doch ihre Ärzte sagten ihr, sie würde vermutlich kein Kind austragen können. Denn die Britin hat einen Uterus didelphys: zwei Vaginen und zwei Gebärmütter. Tatsächlich erlitt sie eine schmerzhafte Fehlgeburt - aber dann brachte sie endlich eine gesunde Tochter zur Welt.

Eleanor hat einen Uterus didelphys

Dass sie zwei Vaginen und zwei Gebärmutter hat, erfuhr Eleanor Rowe aus Ranskill in Nottinghamshire erst mit Anfang 30. Weil sie Single war, aber unbedingt Kinder wollte, ließ sie sich damals Eizellen einfrieren. Bei einem 3D-Scan der Gebärmutter bemerkten die Ärzte: Eleanors Körper tickt ein bisschen anders.

Nach einer anschließenden OP war klar: Die 36-Jährige hat einen sogenannten Uterus didelphys. Ihre zwei Vaginen waren durch eine Wand getrennt, zudem hat Eleanor zwei Gebärmütter und zwei Gebärmütterhälse. Anzeichen für diese recht seltene Laune der Natur gab es kaum welche. Lediglich ihre Periode war unregelmäßig und stark, erzählt Eleanor der "Daily Mail". Obwohl sie Tampons benutzte, lief während ihrer Menstruation ständig Blut aus. Ärzte sagten ihr, sie würde die Tampons nicht korrekt benutzen - doch die durchsickernden Blutungen stammten aus der anderen Vagina.

Ärzte sagten ihr, sie könne wohl keine Kinder bekommen

"Ich kann nicht glauben, dass ich drei Jahrzehnte lang nicht wusste, was in mir los war", sagte Eleanor der "Daily Mail". "Als mir gesagt wurde, dass ich von allem zwei habe, schien das einfach seltsam. Bei mir wurden vorher schon Abstriche gemacht - und das ist nie aufgefallen."

2015 entfernten Ärzte die Wand, die Eleanors beiden Vaginen teilte. Es blieben zwei Gebärmütter. Wenig später lernte sie ihren heutigen Ehemann Chris kennen. Das Paar wollte unbedingt Kinder - doch die Ärzte hatten ihr schon früher gesagt, dass sie wegen ihrer Uterusfehlbildung wohl keine würde bekommen können.

Eleanor wurde schwanger, erlitt aber im ersten Trimester eine Fehlgeburt. Das Baby, das sie verlor, wuchs in ihrer linken Gebärmutter heran. Der Fötus hatte sich an der dünnen Wand, der beide Gebärmütter voneinander trennt, festgesetzt: "Obwohl ich das Risiko kannte, war ich am Boden zerstört", erzählt Eleanor.

Ihre Tochter wuchs in der rechten Gebärmutter heran

An dem Tag, an dem sie ihr verlorenes Baby beerdigten, hatte Eleanor einen Eisprung - und wurde tatsächlich direkt wieder schwanger. "Es war, als würden wir ein Geschenk bekommen. Wir verabschiedeten uns von unserem Baby - und ein anderes kam zu uns", sagt Eleanor.

Tochter Imogen Hope trug sie in der rechten Gebärmutter aus. Laut ihren Ärzten lag die Wahrscheinlichkeit, eine Fehlgeburt zu erleiden, bei 90 Prozent, weil die Gebärmütter bei Frauen mit Uterus didelphys kleiner und anders geformt sind als gewöhnlich. Doch alles lief gut: Eleanors Baby kam im Juli per Kaiserschnitt zur Welt. Zwar als Frühchen, das bei der Geburt nur knapp zweieinhalb Kilo wog - doch die Kleine ist gesund, entwickelt sich normal und ist nun der ganze Stolz ihrer Eltern, die so sehr für sie kämpfen mussten.

Was ist ein Uterus didelphys?

Ein Uterus didelphys ist eine Form der Uterusfehlbildung, bei der es neben zwei Vaginen auch zwei Gebärmutterhälse und zwei Gebärmütter gibt. Diese Fehlbildung fällt äußerlich nicht auf. Etwa eine von 3.000 Frauen ist von ihr betroffen. Frauen mit einem Uterus didelphys können zwar generell Kinder bekommen, haben aber ein höheres Risiko, im späteren Stadium der Schwangerschaft eine Fehlgeburt zu erleiden.

Wie genau diese Fehlbildung entsteht, erklärt Anja Radusch, Oberärztin für Geburtshilfe, im Video.