Kurioser Rechtsstreit mit Radeberger

Zu wenig Bier getrunken: Stadt Vellmar muss 42.000 Euro an Brauerei zahlen

04. März 2021 - 11:15 Uhr

Alte Verträge kosten die Stadt in Hessen eine Stange Geld

Die Deutschen und ihr Bier! Weil die Bürger der Stadt Vellmar in Nordhessen zu wenig Bier getrunken haben, wurden sie von der Radeberger-Gruppe verklagt. Ergebnis: Stadt und Brauerei einigten sich auf eine Zahlung von 42.000 Euro. Warum die Bürger trotz der Nachzahlung kein Freibier bekommen, erklärt der Bürgermeister im Video.

Die Deutschen trinken weniger - die Verträge gelten weiter

Früher wurde viel gefeiert und noch mehr getrunken. In den 70er- und 80er Jahren, errichteten viele Gemeinden Dorfgemeinschaftshäuser und kleine Hallen, in denen Partys veranstaltet wurden. Meist wurden diese Kneipen, heute würde man Eventlocations sagen, mit Brauereiverträgen ausgestattet. Also eine bestimmte Brauerei beliefert das Dorfgemeinschaftshaus. Und oft wurden sogar gewisse Absatzmengen vereinbart.

Seit das Coronavirus unser Leben lahmlegt, sind die Ratsschänken der Städte ja sowieso geschlossen. Die Menschen tranken aber auch schon vor Corona nicht mehr so viel Alkohol wie damals. Und so kam es, dass die Radeberger Gruppe im Dezember 2019 für das seit fast zehn Jahren geschlossene Bürgerhaus in Obervellmar Schadenersatz forderte.

Weitere Kosten drohen schon

Vellmar trinkt zu wenig Bier
Die Gaststätten sind momentan geschlossen, daher wird der Bierkonsum weiter einbrechen.

Laut Meinung der Brauerei seien dort mehr als 1.212 Hektoliter Bier zu wenig konsumiert worden. Aus einer Forderung der Radeberger Gruppe von etwas mehr als 60.000 Euro wurden am Ende nach einem Vergleich vor Gericht 42.000 Euro.

Für die Brauerei scheinbar nichts Ungewöhnliches: "Wenn eine Brauerei eine gastronomische Einrichtung finanziert, sind damit verschiedene Rechte und Pflichten verbunden. So kann beispielsweise die Bereitstellung finanzieller Mittel, technischer Anlagen und Inneneinrichtungen unter anderem mit einer Bezugsverpflichtung von definierten Biermengen verbunden sein", schrieb eine Sprecherin der Binding-Brauerei, die zu Radeberger gehört.

So haben die Brauereien wenig Ambition, diese lukrativen Altverträge zu beenden. Und ein einseitiges Beenden vonseiten der Stadt ist nur mit triftigem Grund möglich. Wie die Zeitung "Hessisch Nassauische Allgemeine" (HNA) berichtet, versuchte der Bürgermeister von Vellmar schon 2014, diese Verträge zu kündigen. Ohne Erfolg.

Da noch weitere Bürgerhäuser und ähnliche Einrichtungen geschlossen wurden oder den vereinbarten Bierkonsum nicht erreichten, drohen der Stadt weitere Kosten, es muss noch über weitere 200.000 Euro verhandelt werden.

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