Zahnarzt erklärt, wie das passieren kann

Entscheidender Fehler: Wie Sie Ihre Zähne gelb statt weiß putzen

29. März 2021 - 11:59 Uhr

Warum werden unsere Zähne gelb?

Rauchen und Getränke wie Kaffee, Tee und Wein färben unsere Zähne gelb – das ist bekannt. Wussten Sie allerdings, dass auch zu starkes Zähneputzen unsere Zähne verfärben können? Genau davor warnt der Zahnarzt Dr. Tristan Peh aus Singapur. Es klingt total widersprüchlich – im Video erklärt der unterhaltsame Dentist den Grund. Wir haben dazu auch einen deutschen Experten befragt. Was uns Jens Vogel, Zahnarzt in der Zahnarztpraxis Dres. Dietsche & Wichary in Köln, verrät, erfahren Sie hier.

Kann zu starkes Putzen die Zähne schädigen?

Wir wollen von Zahnarzt Jens Vogel wissen: Wie würden Sie das TikTok-Video einschätzen?
"Der Kollege aus Singapur hat nicht ganz Unrecht, dass man durch zu starkes Zähneputzen – das Schrubben – den Zahn schädigen kann. Grundsätzlich ist das so, dass mehrere Faktoren miteinfließen", erklärt Vogel. "Das heißt, wenn sich zum Beispiel eine harte Zahnbürste benutzen, kann das zusätzlich zum Abtragen des Zahnschmelzes führen. Auf der anderen Seite muss auch die Zahnpasta gewählt werden. Wenn man eine zu stark abtragende Zahnpasta verwendet, wo zu große Putzkörper enthalten sind, kann das zusätzlich dazu zu einer Schädigung führen."

Dass die Zähne von zu starken Schrubben gelb werden, bezeichnet Vogel als sogenannte Putzstraße. "Man schrubbt auf einer Linie und putzt ganze Zahngruppen ab – anstatt jeden einzelnen Zahn vorsichtig zu putzen. Unter dem Zahnschmelz liegt das natürlich gelbe Dentin. Wenn der Zahnschmelz weggeputzt ist, kann es halt zu dieser leicht gelblichen Färbung kommen. Umso stärker der Defekt ist, umso mehr liegt das Dentin frei. Umso mehr wird der Zahn gelb."

So einfach ist das aber nicht, weiß der Experte: "Da muss man aber auch schon einige Zeit – mehrere Jahre – sehr, sehr stark putzen dass das passiert, da der Zahnschmelz das Härteste ist, das im menschlichen Körper vorkommt."

Was ist Dentin?

Ein einzelner Zahn besteht hauptsächlich aus dem Baustoff Dentin und besitzt in seinem Inneren einen Hohlraum, in dem Nerven und Gefäße liegen. Mikroskopisch kleine Kanäle (Dentintubuli), in denen sich weitere Nervenäste befinden, führen zu Zahnoberfläche. Diese Kanäle ziehen sich durch die Struktur des gesamten Zahns. Aber nur auf der Zahnkrone werden Sie vom Zahnschmelz geschützt, was dafür sorgt, dass wir beim Essen normalerweise keine Schmerzen haben.

Liegt aber ein ungeschützter Teil des Zahnhalses frei, der normalerweise vom Zahnfleisch bedeckt ist, werden die Nerven, über die kleinen Kanäle, schnell gereizt und es kommt zum blitzartigen Schmerz.

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Putztechnik und Zahnbürste ergeben das perfekte Team

Außerdem wichtig beim Zähneputzen: Die richtige Putztechnik! "Es ist auch so, wenn man zu sehr schrubbt, dass man halt die Zahntechnik anpassen sollte. Das wird im Video auch beschrieben, dass man eher vom Zahnfleisch in Richtung Zahn ausstreichen sollte."

Ein weiterer Tipp des Zahnarztes lautet: Lassen Sie sich von der Technik helfen. "Man könnte auch überlegen, eine elektrische Zahnbürste zu nutzen – mit Bewegungs- beziehungsweise Drucksensor, dass man dem zu großen Druck aus dem Weg geht, weil die Zahnbürste dann einfach nicht weiter putzt."

Elektrische Zahnbürsten mit solchen Sensoren gibt es von Markführern und auch kleineren, günstigeren Formen. Ein angemessener Preis liegt bei unter 100 Euro, laut Vogel.

Die Kombi macht's!

"Ein vernünftige Zahnpasta und die Kombination mit Zahnbürste ist entscheidend, damit nichts schief geht. Auf Dauer würde ich eine mittelharte Zahnbürste empfehlen. Und grundsätzlich keine Whitening-Produkte. Nichts, das irgendwie mit Bleaching von zu Hause zu tun hat. Gerade bei diesen Zahnpasten sind sehr große Putzkörper enthalten, die den Zahn besonders anrauen und den Zahnschmerz wegputzen", lautet Vogels Ratschlag.

Außerdem: Eine ganz normalen Zahncreme mit einem normalen RDA-Wert, der zwischen 35 - 50 liegen sollte, ist sinnvoll. Der RDA-Wert steht auf der Zahnpasta-Verpackung. Vogel ist sicher: "Wenn man das mit einer normalen Technik verbindet, dann sollte man eigentlich keine Schädigung des Zahnschmelzes herbeiführen."

RDA steht für "Relative Dentin Abrasion" – der verhältnismäßige Abrieb an den Zähnen – und sagt, wie groß die Putzkörper in einer Zahncreme sind und wie gut diese den Zahnschmelz abreibt.

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Der schlimmste Fall der Fälle tritt ein - was können wir tun?

Wenn nun schon alles zu spät ist – gibt es dann immer noch Rettung? "Es ist leider so, dass der Zahnschmelz, wenn er einmal weggeputzt wird, nicht nachwächst. Soweit sind wir leider noch nicht bei der Zahnmedizin", macht Vogel deutlich. Beim Wiederherstellen des Zahnes gibt es dann verschiedene Füllungstherapien – typische Kompositfüllungen, der Einsatz von Veneers oder auch Kronen.

Was ist mit Zahnpasta mit künstlichem Zahnschmelz – können die im schlimmsten Fall noch helfen?

"Das verkauft sich erstmal primär gut", so der Experte. "Es ist eher so, dass viele Patienten sensible Zähne haben und dann vielleicht auch zu stark geputzt haben. Durch die Zahncreme versuchen sie den Zahn wieder zu beruhigen. Und das muss nicht schlecht sein. Es geht meistens darum, dass dann letztendlich die Dentinkanäle, die freigeputzt werden, zu behandeln und der Zahn mineralisiert wird. Das ist dann halt von Zahnpasta zu Zahnpasta unterschiedlich." Vogels Empfehlung in diesem Fall ist dann der Griff zur Sensitive-Zahnpasta.

Der Mann im Video: Dr. Peh erklärt der TikTok-Gemeinde, wie man Zähne richtig putzt

TikTok bietet nicht nur verrückte Rezepte an. Mit seinem Profil auf der Social-Media-Plattform will Dr. Pehs die Menschen aufklären, unterhalten & inspirieren, wie er selbst schreibt. Er erklärt seinen Followern alles zur richtigen Zahnhygiene und eben auch, wie man sich dafür die Zähne richtig putzt. Mit seinen informativen Video hat Dr. Peh aus Singapur bereits 297.100 Follower.

4 Zahnpflege-Grundregeln im Überblick

Die richtige Putztechnik: Wer mit harten Zahnbürsten zu viel Druck ausübt, beschädigt Zahnschmelz und Zahnfleisch. Mit einer elektrischen Bürste werden Fehler in der Technik ausgeglichen. Viele moderne Modelle geben ein Warnsignal, wenn Sie die Bürste zu fest aufdrücken.

Zahnbürste alle 3 Monate wechseln: Ob Sie zu Handzahnbürste oder E-Zahnbürste greifen – um einen regelmäßigen Wechsel der Bürsten und Aufsätze kommen Sie nicht herum. Schreiben Sie es sich in den Kalender, wann der nächste Bürstenkopf fällig ist. Denn wenn eine deutliche Abnutzung zu sehen ist, hat die Putzqualität schon länger gelitten.

Die Zwischenräume ordentlich reinigen: Zahnseide und Interdentalbürsten befreien Ihre Zahnzwischenräume von Ablagerungen des Tages. Der tägliche Einsatz ist deshalb immer gut. Auch Mundduschen sind gut: Sie reinigen und massieren Ihr Zahnfleisch gleichzeitig, sodass dieses besser durchblutet ist.

Benutzen Sie Mundspülung: Nach dem Zähneputzen mindestens 30 Sekunden lang mit einer Mundspülung zu spülen, lohnt sich! Durch die regelmäßige Anwendung einer antibakteriellen Mundspülung können Sie Zahnbelag reduzieren – genau wie die Ursachen für Mundgeruch.