Youtuber wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs angeklagt

Warum lassen sich junge Mädchen auf „Yo Olis" Kuss-Challenges ein?

30. Oktober 2019 - 23:06 Uhr

„Yo Oli" soll Mädchen mit Spielen zu Küssen gedrängt und dann vergewaltigt haben

Fünf minderjährige Mädchen soll Youtuber und Influencer Junus W. alias "Yo Oli" (25) vergewaltigt und missbraucht haben. Angelockt hat er seine Opfer offenbar durch scheinbar lustige Spiele auf der Straße, anschließend soll er sie in sein Auto gelockt und dann vergewaltigt haben. Seine Masche waren sogenannte "Kiss-Challenges". Gewann das Mädchen bei dem Spiel, durfte sie ihm eine Backpfeife geben, gewann er, durfte er sie küssen. Das ganze "Spiel" hat er heimlich gefilmt und anschließend online gestellt.

Wie die Aufnahmen im Video zeigen, hat seine Methode funktioniert. Dennoch fragt man sich: Warum lassen sich junge Mädchen auf Kuss-Spiele eines eigentlich völlig fremden Youtubers ein? Wir haben Medienpädagogin Dr. Iren Schulz gefragt.

Was bringt junge Mädchen dazu, mit einem eigentlich fremden Youtuber ein Kuss-Spiel zu spielen?

Dr. Iren Schulz: "Youtuber sind die Stars der Kinder und Jugendlichen und werden von ihnen bewundert und angehimmelt. Die Kids orientieren sich am Lebensstil, am Outfit und an den Meinungen und Positionen ihrer Stars. Das war früher schon so – da waren es aber eher Musik- oder Filmstars – heute sind es die Prominenten in den Sozialen Medien.

Dementsprechend haben diese Personen des öffentlichen Lebens auch eine große Verantwortung gegenüber ihren Fans, der sie aber eben nicht immer gerecht werden. In diesem Fall wurden offensichtlich nicht nur zwischenmenschliche Grenzen, sondern vor allem grundlegende gesetzliche Regeln verletzt und gebrochen."

Vertraut man jemandem, den man aus den Sozialen Medien kennt, tendenziell eher? Wenn ja, wieso?

Dr. Iren Schulz: "Über Soziale Medien wird eine große persönliche Nähe hergestellt – die Kinder und Jugendlichen haben das Gefühl, mit ihren Stars zu leben, ihren Alltag zu begleiten und immer bei allem dabei zu sein. Sie werden ja auch direkt angesprochen – in täglichen Videos und Postings – und fühlen sich so sehr nah dran und dabei. Darüber entsteht eben auch Vertrauen."

Wie können Eltern ihre Kinder davor schützen?

Dr. Iren Schulz: "Eltern sollten ihre Kinder bei deren ersten Schritten in den Sozialen Medien begleiten. Das heißt, Profile gemeinsam einrichten und möglichst privat einstellen, über wirtschaftliche Faktoren und dahinterstehende Marketing aufklären und klare Regeln darüber vereinbaren, was man überhaupt nicht in sozialen Medien preisgibt (z. B. Adressen, Telefonnummern, freizügige Fotos).

Und sie sollten eben auch mit ihren Kindern besprechen, dass sich Influencer und Youtuber genauso an Regeln und Gesetze zu halten haben wie jeder andere Mensch auch. Und dass man keine fremden Menschen küsst und sich derart ansprechen lässt!"