Die DFB-Mannschaft in der Einzelkritik

Musiala-Show berauscht DFB-Elf, die dann fahruntüchtig wird

Deutschland vergeigt erneut WM-Auftakt gegen Japan Das DFB-Debakel im Video
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Deutschland vergeigt erneut WM-Auftakt gegen Japan

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von Ludwig Degmayr

So sicher der Auftaktsieg der Deutschen-Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan lange schien, so hart war der Aufprall am Ende: Sich einzig auf einen überragenden Jamal Musiala zu verlassen, der das Spiel mit seinen spektakulären Dribblings lange Richtung Sieg zu ziehen schien, war am Ende zu wenig. Eine Abhängigkeit, die im Moment ein Trumpf ist, sich aber unter Umständen rächen könnte.

Tor: Neuer Weltklasse, dann schuldlos

Manuel Neuer: Gab eigentlich nichts groß zu tun für den Kapitän, denn wenn es die Japaner mal per schnellem Gegenzug in Richtung Tor schafften, ging der Ball immer am Ziel vorbei. Paraden gab es in diesem Sinne also keine – bis zur 73. Minute, als Neuer mit einer Weltklasse-Tat die Führung für seine Mannschaft hielt. Das zeichnet eben die besten Keeper der Welt aus, trotz Kaltstart sofort da zu sein. Beim 1:1 machtlos, beim 1:2 allerdings das kurze Eck offen gelassen. Zugegeben aus kürzester Distanz.

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Abwehr: 60 Minuten okay, 30 Minuten miserabel

David Raum: Bei einem Konter der Japaner, der zum Abseitstor führte, suchte man den Linksverteidiger vergeblich. Agierte anfangs zu offensiv für die fragile deutsche Defensive. Als das Spiel sich dann beruhigte, waren seine Ausflüge nach vorne aber Gold wert, denn einer vor ihnen verursachte den Foul-Elfmeter zum 1:0. Für die beiden Gegentore konnte er nichts.

Nico Schlotterbeck: Ein Wackelkandidat, der diese Bezeichnung leider bestätigte. Schon zu Beginn mit krassen Fehlern im Aufbau, danach etwas sicherer. Beim 1:1 zu weit weg vom Mann, beim 1:2 mehr Begleitschutz als Verteidiger. Vielleicht seine letzte Vorstellung bei der WM nach diesen beiden Patzern.

Antonio Rüdiger: Der große „Big Boss“ in der DFB-Abwehr. Immer auf Höhe des Geschehens, bügelte viele Fehler seiner Kollegen aus und war daneben auch der Ausgangspunkt für das Aufbauspiel. Doch der wankenden Defensivreihe konnte Rüdiger ab der 60. Minute ebenfalls keine Stabilität mehr geben. Machte keine gute Figur beim 1:1, beim 1:2 schienen Schlotterbeck und er sich dann nicht einig über die Abseitsfalle gewesen zu sein.

Niklas Süle: Lange Zeit die richtige Besetzung auf der rechten Seite. Ließ dort quasi keine Angriffe der Japaner zu, was enorme Sicherheit gab. Seine Vordermänner kamen gut ohne ihn zurecht im Flügelspiel. Doch das 1:1 entstand über seine Seite, weil er den Zweikampf nicht gewinnen konnte.

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Mittelfeld: Kreativ nach vorne, doch viel zu träge in der Rückwärtsbewegung

Joshua Kimmich: Sein fehlendes Tempo machte sich beim schnellen Umschaltspiel der Japaner bemerkbar. Ein besonderes Schmankerl war der lange Ball auf Raum, der letztlich zum Elfmeter führte. Und den spielte Kimmich mit dem schwachen Fuß! Danach weitere gute Bälle, doch die Offensivreihe konnte sie nicht zu Treffern ummünzen. Bei Kontern war Kimmich einfach nicht auf der Höhe des Geschehens.

Ilkay Gündogan: Gleich zu Beginn ein haarsträubender Ballverlust, der mit einem Gegentor endete, bei dem der Schütze glücklicherweise im Abseits stand. Dafür die Nerven beim Elfmeter behalten und das 1:0 gemacht. Auch danach noch einmal mit einem starken Schuss an den Pfosten aufgefallen. Doch wie Kimmich war er defensiv einfach nicht präsent genug, was er als Sechser aber sein müsste.

Thomas Müller: Der „Raumdeuter“ verhielt sich eher unauffällig, spielte aber äußerst mannschaftsdienlich und setzte vor allem seine Vereinskollegen Musiala und Gnabry öfter in Szene, die die technischen Feinheiten dann selbst übernahmen. Möglicherweise war seine Auswechslung ein Fehler von Flick.

Leon Goretzka: Sicherlich eine herbe Enttäuschung, nicht in der Startaufstellung gewesen zu sein. Diesen Ärger merkte man dem Bayern-Star an, leider in Form von Frust. Und dieser Frust lähmte Goretzka, zusammen mit Süle den entscheidenden Zweikampf im Vorfeld des ersten Gegentreffers zu verhindern.

Sturm: Musiala, Musiala und nochmal Musiala

Serge Gnabry: War auf der rechten Seite der Alleinunterhalter, weil Süle meist hinten blieb. Deswegen war es für ihn schwer, für große Gefahr zu sorgen. Kam in der zweiten Hälfte zu vielen guten Möglichkeiten, doch blieb im Abschluss komplett glücklos.

Jamal Musiala: Macht das Spaß, diesem Jungen beim Fußballspielen zuzusehen! Genau der X-Faktor, den die sowieso schon stark besetzte deutsche Offensive braucht bei der WM. Schuf auf der linken Seite und im Zentrum enorm viel Platz, weil er mit seinen Dribblings immer mindestens zwei Gegenspieler auf sich zog. Ohne ihn wäre es wie gegen den Oman erneut eine ganz zähe Angelegenheit geworden. Solch eine tolle Leistung – und das beim WM-Debüt! Der einzige große Lichtblick in der deutschen Mannschaft.

Kai Havertz: Weil Musiala das Spiel an sich riss, ging die Partie etwas an Havertz vorbei, da wenig mit Flanken ins Sturmzentrum operiert wurde und der Chelsea-Star somit kein Faktor im Spiel war.

Niklas Füllkrug:Ersetzte Havertz im Sturmzentrum und machte direkt einige Bälle fest dank seiner körperlichen Wucht. Wurde allerdings nicht mehr in der Art beliefert, wie er es bräuchte. Kein Vorwurf dafür.

Jonas Hofmann: Kam für den blassen Müller, konnte auf der rechten Seite aber keine Akzente mehr setzen.