RTL News>

Wittichs Woche in Washington: Lage: Angespannt - US-Bürger: Entspannt

Wittichs Woche in Washington

Lage: Angespannt - US-Bürger: Entspannt

Christopher Wittich
Christopher Wittich berichtet für RTL/ntv aus Washington.
deutsche presse agentur

von Christopher Wittich, Washington

Christopher Wittich ist Korrespondent in Washington. Hier schreibt er über seine Zeit als Reporter in den USA, wen er trifft und was er erlebt. So viel vorweg: Auch an amerikanischen Flughäfen gibt’s Stress und Flugausfälle, doch die Amerikaner lässt das überraschend kalt...

Heftige Gewitter legen Flugverkehr in Washington lahm - doch gepöbelt hat hier niemand

Dieser Text entsteht im Flugzeug auf dem Weg von Washington DC nach Dallas. Nach acht-einhalb Stunden Wartezeit am Flughafen und im Flieger legt die Kapitänin um 23.20 Uhr die Schubhebel der Boeing 737 nach vorne. Es geht nach Texas.

Warum dieser Text damit beginnt? Viele in Deutschland kennen das vermutlich gerade. Kaum ein Flieger, der die Menschen in die Ferien bringen soll, ist pünktlich, das Gepäck vorher abzugeben gleicht einer Odyssee. Worüber ich erstaunt bin, wie die Amerikanerinnen und Amerikaner mit dem Chaos am Flughafen umgehen.

Heftige Gewitter in der US-Hauptstadt legten den kompletten Flugverkehr in Washington DC für mehrere Stunden lahm. Mein erster Flieger am Nachmittag fiel aus, dann eine Umbuchung. In den zweiten Flieger konnten wir einsteigen, mussten aber nach zwei Stunden Wartezeit, die Maschine wieder verlassen, immer wieder kamen neue Gewitterzellen.

Doch anstatt zu pöbeln und sich lautstark zu beschweren, steigen die Passagiere aus. Zurück in der Abflughalle widmen sich viele ziemlich schnell dem Konsum. Was bei dem Angebot an Bars, Restaurant und Shopping-Läden nicht besonders schwerfällt. Auch ich werde am Ende knapp 50 Dollar am Flughafen ausgegeben haben.

Manchmal applaudieren die Menschen sogar, wenn die Durchsage kommt: „Wir probieren einen neuen Versuch – das Boarding beginnt in wenigen Augenblicken.“ Abgesehen von einigen Ausnahmen an der Bar herrscht keine ausgelassene Stimmung, aber die Menschen sind viel entspannter, als ich es erwartet hätte.

Jonas zum Beispiel muss unbedingt morgen früh in Dallas sein, er hat seinen letzten Tag bei seiner Firma. Handy und Rechner muss er bis morgen Nachmittag abgegeben haben. Unruhig macht es ihn nicht, als wir zusammen vor dem Schalter in der Schlange stehen und noch keine Ahnung haben, ob heute noch ein Flieger geht.

Das sieht bei mir anders aus. Wir fliegen nach Dallas, weil dort ab Donnerstag die wichtigste Versammlung von polarisierenden konservativen Politikern stattfindet. Viktor Orban spricht heute, der ungarische Regierungschef. Am Samstag spricht Donald Trump. Unsere Drehplanung für heute Abend mussten wir komplett absagen. Was Jonas sagt: Wir können es doch gerade sowieso nicht ändern.

Lese-Tipp: Wittichs Woche in Washington: Wie ich Karl Lauterbach im Regen stehen ließ...

Abtreibungsgesetz in Kansas - ein Thema, das in den USA polarisiert

HANDOUT - 02.08.2022, USA, Kansas City: Jae Moyer (M) aus Overland Park, und Allie Utley aus Allen County, Kansas, jubeln, während die Gruppe "Kansansans for Constitutional Freedom" und ihre Unterstützer ihren Sieg während einer Wahlparty im Overland
Im Referendum sprach sich aber eine überwältigende Mehrheit FÜR die Beibehaltung der Abtreibungsrechte aus.
jim colton bsc, dpa, Tammy Ljungblad

Aber das Stichwort „ändern“ bringt mich zu einem zweiten Thema. Kansas, ein Bundesstaat im mittleren Westen. Dort konnte man diese Woche eine Sternstunde der Demokratie beobachten. Politiker der Republikanischen Partei wollten die Verfassung ändern. Die garantiert den Frauen in Kansas das Recht auf Abtreibung. Das wollte eine Gruppe ändern.

Im Referendum sprach sich aber eine überwältigende Mehrheit FÜR die Beibehaltung der Abtreibungsrechte aus. Und auch die Beteiligung war enorm hoch. Seit am 24. Juni das Oberste Gericht der USA eine Grundsatz-Urteil aufgehoben hatte, kann jeder Bundesstaat seine eigenen Regeln zum Thema Abtreibung definieren. Es ist ein Thema, das aktuell in den Vereinigten Staaten sehr stark polarisiert.

Pelosi reist nach Taiwan - die Amerikaner verfolgen die Reise per "Flightradar"

Genau das tat diese Woche auch eine Reise. Nancy Pelosi - sie ist die drittwichtigste Person im politischen Machtsystem der USA. Als Sprecherin des Repräsentantenhauses wäre sie Regierungschefin, wenn der Präsident und die Vize-Präsidentin ausfallen würden.

Die 82jährige besuchte mit einer Delegation Taiwan. Ein kleines Land im Pazifik, das eigenständig sein will, aber von China als Teil seines Hoheitsgebietes angesehen wird. Ein schon lange schwelender Konflikt. Pelosi hat Taiwan die Solidarität der USA zugesichert und mit ihrem Besuch das für Diskussionen gesorgt. US-Präsident Biden war wenig begeistert. Das merkt man an der diplomatischen Formulierung seiner Mitarbeiter. Ob er die Reise unterstütze wurde sein Sicherheitsberater gefragt? Er respektiere sie.

Weil sie im Vorfeld aus Sicherheitsgründen nicht sagte, ob sie wirklich nach Taiwan reise, haben die Menschen ihr Flugzeug auf dem Portal Flightradar verfolgt. Die Seite brach zwischenzeitlich wegen der hohen Nachfrage zusammen.

Für das Flugzeug, in dem ich gerade sitze, sollten sich deutlich weniger Menschen interessieren. Es ist kein Regierungsflieger, und es ist zwei Uhr nachts. Morgen werden wir mit einem Tag Verspätung unsere Arbeit beginnen. Ich bin gespannt, es wird meine erste Begegnung mit Donald Trump.

RTL-Korrespondent: USA geht nicht vom großen Krieg aus Taiwan-Konflikt eskaliert?
01:16 min
Taiwan-Konflikt eskaliert?
RTL-Korrespondent: USA geht nicht vom großen Krieg aus

30 weitere Videos

Politik & Wirtschaftsnews, Service und Interviews finden Sie hier in der Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

Spannende Dokus und mehr

Sie lieben spannende Dokumentationen und Hintergrund-Reportagen? Dann sind Sie bei RTL+ genau richtig: Ob zu Angela Merkel , zu Corona oder zu den Hintergründen zum Anschlag vom Breitscheidplatz – bei RTL+ finden Sie die richtige Reportage für Sie.