Experte klärt auf: Was wir bislang wissen

Wie gefährlich ist die neue Omikron-Variante BA.2?

Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht beantwortet Fragen zur Omikron-Variante BA.2.
Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht beantwortet Fragen zur Omikron-Variante BA.2.
© RTL

08. Februar 2022 - 12:13 Uhr

In Deutschland, Dänemark, Frankreich, Österreich sowie einigen anderen Ländern breitet sich BA.2 aus, eine Subvariante von Omikron. Aber was hat es damit auf sich? Ist die Mutante noch leichter übertragbar als die bislang vorherrschende Omikron-Variante BA.1? Und wie sehr schützt die Impfung vor einer Ansteckung mit BA.2?

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

Was unterscheidet BA.2 von der bisherigen Omikron-Variante BA.1?

"BA.2 hat 17 Mutationen, die sie von der bisherigen Omikron-Variante unterscheiden. Das ist relativ viel", erklärt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht im RTL-Interview. Dennoch habe die neue Variante mehr mit Omikron gemeinsam als mit Alpha, Beta oder Delta. Somit wird sie als Subvariante klassifiziert.

Die Herkunft des Omikron-Subtyps ist Experten zufolge ungewiss. Neu ist er nicht. So konnte BA.2 schon kurz nach dem Auftreten von Omikron nachgewiesen werden. Der Subtyp ist eine "Schwesterlinie" von BA.1 – beide sind Omikron-Untervarianten, und es ist nicht etwa eine aus der anderen entstanden. Auch wenn die beiden Varianten BA.1 und BA.2 weitgehend identisch sind, weisen sie unterschiedliche Mutationen auf.

Lese-Tipp: Was Sie bei der Infektion mit Omikron beachten sollten

Ist die neue Omikron-Subvariante gefährlicher?

Eine Menschenmenge in der Stadt, alle tragen eine Mund-Nasenschutz-Maske, um sich gegen das Coronavirus zu schützen.
BA.2 wurde bereits in einigen europäischen Ländern nachgewiesen - auch bei uns in Deutschland.
© Orbon Alija

Bislang dominiert nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland Omikron-Untervariante BA.1. Für die Woche bis zum 23. Januar wies das RKI in seinem Wochenbericht einen Anteil von 5,1 Prozent aus - das war bereits eine Verdopplung im Vergleich zur Woche zuvor. Bei der Bundespressekonferenz am 8. Februar lautete die Einschätzung von Bioinformatiker Rolf Apweiler dann bereits: "In Deutschland ist der derzeitige Anteil von BA.2 circa 10 bis 20 Prozent - eher 20 Prozent." Die Variante werde voraussichtlich in den nächsten Wochen bis Monaten dominieren.

"Glücklicherweise ist hinsichtlich der klinischen Charakteristik kein Hinweis da, dass sich Infektionen mit BA.2 von Infektionen mit BA.1 unterscheiden", so Apweiler. Heißt: Anzeichen, dass die Untervariante und kränker macht als der bisherige Omikron-Typ, gibt es bislang keine.

In verschiedenen Ländern könne man allerdings schon jetzt beobachten, dass der Anteil an BA.2 zunimmt, sagt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Daher wird vermutet, dass die neue Omikron-Variante einen Vorteil in der Übertragung hat.

Dr. Specht betont im RTL-Interview: "Man nimmt an, dass es besser dem Immunsystem ausweichen kann als die BA.1-Variante. Das würde bedeuten, dass eine Impfung oder eine vorher durchgemachte Infektion mit einer anderen Variante noch weniger verhindern kann, dass man sich infiziert." Allerdings fehlten hier noch verlässliche klinische Daten.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

"Tarnkappen-Variante": Können PCR-Tests BA.2 nicht identifizieren?

Zu Beginn wurde BA.2 als "Tarnkappen-Variante" bezeichnet. Das hat folgenden Grund, erklärt uns Dr. Specht: Die bisherige Omikron-Variante wird mittels PCR-Tests dadurch erkannt, dass sie sich von der Delta-Variante in einem speziellen Aspekt unterscheidet. Omikron hat nämlich, im Gegensatz zu Delta, kein S-Gen. "Wenn man einen normalen PCR-Test gemacht hat, dann konnte man sagen: Wenn dieses S-Gen da war, dann war das Delta. Wenn das S-Gen nicht da war, dann war es auf jeden Fall nicht Delta." So konnte man bislang im Ausschlussverfahren auf die Omikron-Variante schließen.

Sandra Ciesek betont jedoch, dass Labore durchaus zwischen BA.1, BA.2 oder Delta unterscheiden könnten. Denn in der Regel würden entweder mehrere verschiedene Mutations-PCRs durchgeführt oder das Genom sequenziert, wodurch sich die genaue Variante bestimmen lasse, so die Virologin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. (dhe/dpa/vdü)

Lese-Tipp: Sechs einfache Tipps vom Arzt, wenn Omikron Sie erwischt

VIDEO-PLAYLIST: Alles, was Sie über Corona wissen müssen

Spannende Dokus zu Corona gibt es auf RTL+

Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren – die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+.