Brisantes Dokument enthüllt

FBI bekommt WhatsApp-Daten quasi in Echtzeit: Darum ist die App für die Behörde so wertvoll

Der Instant-Messenger WhatsApp ist bei Usern besonders beliebt.
Der Instant-Messenger WhatsApp ist bei Usern besonders beliebt.
© picture alliance, Keystone, Christian Beutler

01. Dezember 2021 - 12:26 Uhr

Dokument zeigt, dass FBI Chats mitlesen kann

Von Malte Mansholt

Für viele Menschen rund um den Globus gehört Whatsapp zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln. Ein FBI-Dokument zeigt nun, dass die Behörden auf die Daten zugreifen – und in manchen Fällen sogar Chats mitlesen können.

WhatsApp verspricht Datenschutz - wieso bekommen Behörden trotzdem Daten?

Es ist eines der wichtigsten Versprechen von Whatsapp, dass niemand die Nachrichten, Sprachnachrichten und Anrufe mitbekommen kann. "Schutz der Privatsphäre und Sicherheit sind Teil unserer DNA. Aus diesem Grund setzen wir Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein", wirbt der beliebte Messenger auf seiner Webseite. Ein FBI-Dokument soll nun zeigen: Die Behörden bekommen vom Messenger trotzdem quasi in Echtzeit Daten – und können teilweise sogar Chats auswerten.

Entdeckt wurde das Dokument vom US-Magazin "Rolling Stone": Unter dem Namen "Die Fähigkeiten des FBI legalen Zugang zu Inhalten und Metadaten von Messenger-Apps" werden dort die beliebtesten Messenger und der für die US-Bundespolizei mögliche Zugriff gelistet. Und die Liste der verfügbaren Daten für die Facebook-Tochter Whatsapp gehört zu den längsten.

Vor allem der Durchsuchungsbeschluss "Pen Register" ist spannend für WhatsApp-Nutzer

Dabei kommt es aber auf die rechtliche Grundlage an, das FBI unterscheidet zwischen einem Durchsuchungsbeschluss ("Warant"), einem Gerichtsbeschluss sowie dem etwas schwächeren Subpoena, bei dem die Herausgabe von Dokumenten gefordert werden kann. Mit einem Subpoena bekommt man nur Basisinformationen zum Nutzer, was das genau bedeutet, sagt das Dokument nicht aus. Da bei einem Gerichtsbeschluss jedoch als Zusatzinformationen die Liste der geblockten Nutzer genannt wird, ist anzunehmen, dass die Basisinformationen solche Daten wie Namen, Telefonnummer und Profilbild schon beinhalten.

Richtig Musik kommt aber erst mit dem Durchsuchungsbeschluss in die Sache. Dann bekommen die Ermittler auch Zugang zur gesamten Kontaktliste sowie eine Liste sämtlicher Nutzer, die den betreffenden Nutzer wiederum in ihrer eigene Kontaktliste haben. Besonders spannend ist aber das sogenannte "Pen Register", das nach einem alten Apparat benannt ist, mit dem sämtliche Anrufe notiert wurden: Es meldet dem FBI in unter 15 Minuten sämtliche ausgegangen und eingegangenen Nachrichten, inklusive Absender beziehungsweise Empfänger.

Für iPhone-Nutzer geht die Macht der Ermittler sogar noch weiter: Sind Backups in Apples Cloudservice iCloud aktiviert, können die Beamten sämtliche Whatsapp-Chats des Nutzers abgreifen, für die eine Sicherung vorhandenen ist. Das ist bei keinem anderen der gelisteten Messenger möglich. Selbst Apples eigener Dienst iMessage, der zweitanfälligste Dienst auf der Liste, erlaubt nur den Zugriff auf die letzten 28 Tage, solange nicht die Synchronisation des Chats über iCloud aktiviert ist.

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WhatsApp-Daten sind besonders wertvoll für das FBI

Vor allem die Echtzeit-Abrufe scheinen für das FBI aber wertvoll zu sein. Anders als Whatsapp liefern alle anderen Messenger nur mit starker Verzögerung Daten. "Das kann die Ermittlungen wegen der Lieferverzögerungen beeinträchtigen", heißt es in dem Dokument. Gegenüber "Rolling Stone" bestätigte eine Sprecherin des Konzerns die Datenherausgabe per Pen Register, betonte allerdings, dass keinerlei Nachrichten unter den darüber herausgegebenen Daten seien. Das sei auch nicht nötig. Der Bericht, so die Sprecherin, "zeigt, was wir ohnehin schon gesagt haben – dass die Strafverfolgungsbehörden nicht die Verschlüsselung knacken müssen, um erfolgreich Verbrechen aufklären zu können."

Möglich ist das durch sogenannte Metadaten. Obwohl Whatsapp die Chats selbst nicht mitlesen kann, sammelt der Konzern viele Zusatzdaten, wie den Zeitpunkt des Gesprächs, den Gesprächspartner, den aktuellen Online-Status und auch die Namen von Chat-Gruppen zu denen der User gehört. Das erlaubt tiefe Einblicke in das Leben, ohne die Nachrichten selbst lesen zu müssen. Wer wann und wo mit wem schreibt, verrät enorm viel über die Nutzer, ihre Gewohnheiten und über ihre Netzwerke. Schickt man nur gelegentlich während der Arbeitszeit eine Nachricht hin und her, hat man in der Regel eine sehr andere Beziehung als Personen, die sich regelmäßig abends in derselben Wohnung aufhalten und auch mal nachts per Videoanruf telefonieren. Das hilft auch den Ermittlungsbehörden.

Dass es auch anders geht als bei Whatsapp und auch bei iMessage, zeigen die Konkurrenten. Von Telegram bekommen die Behörden dem FBI zufolge nur Informationen, wenn ein Terrorverdacht besteht, und auch dann nur die IP-Adresse und die Rufnummer. Bei Signal gibt es nahezu nichts: Der Messenger meldet nur, seit wann ein Konto besteht und wann es zuletzt online war. Nachrichten und Metadaten gibt es bei beiden nicht – nicht mal aus Backups.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf stern.de