Verbraucherzentrale nimmt Beschwerden von versteckten Preiserhöhungen bei Eigenmarken der Supermärkte wahr!

Weniger drin, Preis gleich!

Warenkorb und Hinweis zum Abstand halten in einem Edeka-Supermarkt in Berlin snapshot-photography/R.Price *** Shopping cart and note on keeping distance in an Edeka supermarket in Berlin snapshot photography R Price
Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor versteckter Preiserhöhung bei vielen Produkten.
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Steigende Energiepreise, hohe Inflation und insgesamt wird vieles teurer. Es bleibt weniger im Portemonnaie übrig. Versteckte Preiserhöhungen auch beim Einkauf in Supermärkten und Discountern hat dazu jetzt die Verbraucherzentrale Hamburg ausgemacht. Nach dem Prinzip, wie sie selbst auf ihrer Webseite schreibt, „Weniger drin, Preis gleich“ hat die Verbraucherzentrale Hamburg Entwicklungen sogenannter „Shrinkflation“ festgestellt, also die versteckte Erhöhung der Preise für Produkte der eigenen Marken verschiedener Supermärkte.

Immer wieder seien dazu, laut den Verbraucherschützern, Beschwerden eingegangen. Um welche Beispiele es konkret geht und wie sich Kunden darauf einstellen können, erklären die Experten der Verbraucherzentrale.

Preiserhöhungen im Überblick:

vzhh.de / Verbraucherzentrale Hamburg
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Eine besonders deutliche Preiserhöhung nennt die Verbraucherzentrale Hamburg beim Lammsteak der Marke Jack’s Farm von Aldi Nord und Süd. Dort enthalten statt 400 nur noch 300 Gramm. Der Preis von 6,99 Euro bleibt unverändert. Die versteckte Preiserhöhung beträgt 33 Prozent, schreiben die Verbraucherschützer. Aldi Süd reagiert darauf wie folgt:

Stellungnahme von Aldi Süd vom 17. Juni 2022:

"(...) Die Einkaufspreise bei ALDI folgen grundsätzlich dem marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Unser Anspruch ist es, unseren Kundinnen und Kunden zu jedem Zeitpunkt hohe Qualität zum bestmöglichen Preis anzubieten. Dafür steht der Original ALDI Preis. Dazu zählt auch, dass wir Einsparungen, die wir im Einkauf erzielen, wo immer möglich auch an unsere Kunden durch vergünstigte Preise weitergeben. Dieser Mechanismus gilt selbstverständlich in beide Richtungen. Daher lässt es sich auf der anderen Seite mitunter nicht vermeiden, Produktpreise nach oben anzupassen, wenn sich die Marktpreise ändern.

Das ist auch bei unseren Lammsteaks der Fall. Diese bieten wir seit Anfang 2021 zu einem Preis von 6,99 Euro für 400 Gramm an. Aufgrund von gestiegenen Marktpreisen, beispielsweise bedingt durch fehlende Transportkapazitäten bzw. Lockdowns in den Erzeugerländern und stark gestiegenen Rohwarenpreisen bei Fleisch mussten wir Anfang des Jahres den Preis anpassen. Aktuell kosten die Lammsteaks 6,99 Euro für 300 Gramm. Die veränderte Füllmenge ergibt sich auch aus der aktuellen Verknappung der Ware. Damit wir auch künftig die Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden mit entsprechenden Einzelportionen bedienen können, haben wir uns entschieden, diese anzupassen. (...)"

vzhh.de / Verbraucherzentrale Hamburg
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Ein weiteres Beispiel mit einer Preiserhöhung von 35 Prozent nennt die Verbraucherzentrale Hamburg bei der Naturgut Bio Holzofen-Pizza mit Mozzarella, Spinat & Feta von Penny. Die Pizza kostet 2,99 Euro statt 2,49 Euro. Gleichzeitig sank das Gewicht der Pizza von 460 auf 410 Gramm.

Stellungnahme der Rewe Group vom 15. Juni 2022:

„(...) Die PENNY Naturgut Pizza Spinat Feta haben wir – ebenfalls im April 2022 – zugunsten von Qualität und Geschmack auf einen neuen Lieferanten umgestellt. Mit dieser Umstellung ist die Grammaturveränderung von 460g auf 410g einhergegangen, da der Lieferant mit seinen Produktionslinien schlichtweg keine höhere Grammatur anbieten kann. Die stark gestiegenen Rohstoffpreise der letzten Wochen für u.a. Mozzarella, Feta und Weizen haben eine Preisanpassung notwendig gemacht. Die Pizza kostet aktuell 2,99 Euro. (...)“

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Weitere Fälle von Preiserhöhungen hat die Verbraucherzentrale Hamburg bei dieser Bulgursalat-Sorte von Netto festgemacht: Der Olivano’s Linsen-Bulgursalat Pikant vom Netto Marken-Discount wird seit Februar in einer 200-Gramm- statt 250-Gramm-Dose verkauft. Der Preis stieg kurze Zeit später von 89 auf 99 Cent. Die versteckte Preiserhöhung beträgt insgesamt 39 Prozent, hieß es laut einer Stellungnahme der Verbraucherzentrale, die RTL vorliegt.

Stellungnahme der Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG vom 16. Juni 2022

„(...) Zunächst einmal möchten wir betonen: Wir legen höchsten Wert auf ein bestmögliches Preis-Leistungsverhältnis – das gilt für Markenprodukte ebenso wie für unsere Eigenmarken. Eine transparente Preiskennzeichnung ist für uns selbstverständlich und daher weisen wir Ihren Vorwurf einer versteckten Preiserhöhung klar zurück.

Bei dem von Ihnen genannten Artikel, dem Olivano's Linsen- Bulgursalat pikant, hat im Februar eine Grammaturumstellung auf 200 Gramm stattgefunden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben wir darüber transparent durch eine Anpassung der Grammaturangabe auf Verpackung sowie Preisschild informiert. Der Verkaufspreis des Linsen-Bulgursalat pikant musste Ende März 2022 - bedingt durch die steigende Preisentwicklung - branchenkonform angepasst werden. Diese Erhöhung stand daher in keinem Zusammenhang mit der vorher erfolgten Grammaturumstellung.
(...)“

vzhh.de / Verbraucherzentrale Hamburg
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Einen besonderen Fall, wie die Verbraucherzentrale Hamburg erklärt, meldeten Kunden von Lidl. Bei der im Rahmen einer Aktion verkauften XXL-Packung Floralys Toilettenpapier blieb die Anzahl der Blätter pro Klopapierrolle mit 200 Stück zwar unverändert, doch tatsächlich schrumpfte das einzelne Blatt im Vergleich zur Normalpackung von Floralys. Das ergab rund drei Meter weniger Papier pro Rolle, wie die Verbraucherschützer berichten.

Dazu äußerte sich Lidl in einer Stellungnahme am 21. Juni 2022 gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg:
„(...) Bei der „Floralys Soft XXL“-Packung handelt es sich um eine einmalige spezielle Großpackung. Eine versteckte Preiserhöhung geht damit im Vergleich zu einer Standard-Packung nicht einher. (...)“

Valet: Bei immer mehr Handelsmarken wird an der Preisschraube gedreht!

In den ersten sechs Monaten des Jahres seien immer mehr Handelsmarken bei Preissteigerungen auffällig geworden, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Die für die Produktion der Handelsmarken gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sollen an die Kundschaft weitergegeben werden, ohne diese gänzlich zu verprellen. Schließlich werben viele Supermärkte und Discounter mit den niedrigen Preisen ihrer eigenen Marken“, erklärt Valet. „Das Schrumpfen des Inhalts ist daher das Mittel der Wahl.“

Das treffe vor allem Kundinnen und Kunden, die aus finanziellen Gründen zu den preiswerteren No-Name-Produkten greifen, hieß es von den Hamburger Verbraucherschützern. Auch der Einzelhandel drehe an der Preisschraube. Konkret gemeint sind damit Produkte, bei denen nicht nur die Füllmenge reduziert, sondern zusätzlich der Preis vom Handel erhöht wurde. Betraf das in den letzten zwei Jahren durchschnittlich 18 Prozent der aufgenommenen Artikel, so sind es im ersten Halbjahr 2022 bereits rund 35 Prozent. Lange zeigten die Händler bei versteckten Preiserhöhungen mit dem Finger auf die Hersteller, weiß Valet, der Anbieter regelmäßig um Stellungnahmen zu verringerten Füllmengen bittet. Doch was Verbraucher und Verbraucherinnen für ein Produkt bezahlen, dürften laut Kartellrecht nur Supermärkte und Discounter festlegen. Hersteller könnten lediglich den Inhalt einer Packung verringern und eine unverbindliche Preisempfehlung geben, so Valet.

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Verbraucherzentrale NRW: Der Blick auf die Grundpreisangabe kann Kunden helfen!

Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt es also Augen auf! Bernhard Burdick, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, macht im RTL-Interview deutlich: "Versteckte Preiserhöhungen sind schon seit langem ein Problem. Durch den aktuellen Preisdruck taucht das derzeit noch häufiger auf.

Die Verpackung und der Preis bleiben gleich, aber der Inhalt wird verringert“. Verbraucherinnen und Verbraucher, die regelmäßig bestimmte Produkte kauften, würden dabei in die Falle tappen, weil die Packung und der Preis so aussähen wie gewohnt, erklärt der Lebensmittelexperte. „Umso wichtiger ist es, auf die Füllmenge, also den Inhalt genau zu achten. Dabei hilft auch der Blick auf die Grundpreisangabe“.

Händler seien verpflichtet, neben dem Endpreis auch den Grundpreis (Preis pro Kilogramm oder Liter) anzugeben, damit können Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte besser vergleichen. Fehlt die Angabe des Grundpreises, sei das ein Fall für die Lebensmittelüberwachung, so Burdick. (lwe)

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