Erhebung des Weißen Rings

Wegen "legeren Outfits": Finanzielle Hilfe für mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abgelehnt

"Ja heißt ja": In Spanien hat im Mai das Parlament mit deut­li­cher Mehr­heit einen Ge­setz­ent­wurf der lin­ken Re­gie­rung gebilligt, nach dem alle be­tei­lig­ten Per­so­nen künf­tig se­xu­el­len Hand­lun­gen aus­drück­lich zu­stim­men müs­sen.
"Ja heißt ja": In Spanien hat im Mai das Parlament mit deut­li­cher Mehr­heit einen Ge­setz­ent­wurf der lin­ken Re­gie­rung gebilligt, nach dem alle be­tei­lig­ten Per­so­nen künf­tig se­xu­el­len Hand­lun­gen aus­drück­lich zu­stim­men müs­sen.
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Opfer von Gewalt bekommen nach einer Erhebung des Weißen Rings im Stadtstaat Bremen zu selten die ihnen zustehende finanzielle Entschädigung vom Staat. So ist der Antrag eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers abgelehnt worden, weil ihr Outfit zu leger gewesen sein soll.

"Es ist unglaublich, dass solche Schreiben 2021 noch offiziell durchgehen.“

Die Betroffene gab an „von einem Geschäftspartner, zu dem sie auch privat Kontakt hatte, vergewaltigt worden zu sein“, sagt Magaret Hoffmann vom Weißen Ring Bremen. In der Ablehnung des Antrags werde das „legere Outfit“ der Frau erwähnt. „Zwischen den Zeilen liest sich das für das Opfer so, als ob das Amt ihr unterstelle, sie hätte wegen ihrer Kleidung selbst Sex gewollt. Es ist unglaublich, dass solche Schreiben 2021 noch offiziell durchgehen“, kritisiert Hoffmann.

Das Amt für Versorgung und Integration habe im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der Anträge von Gewaltopfern (57,4 Prozent) abgelehnt, teilte die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mit.

Abgelehnt "aus sonstigen Gründen"

HANDOUT - 03.03.2022, ---: ILLUSTRATION - Ein "Antrag auf Leistung für Gewaltopfer" des Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird ausgefühlt. Die staatliche Hilfe für Opfer von Gewalt ist nach einer Erhebung des Weißen Rings in Deutschland auf e
Die Behörden lehnten 2021 fast jeden zweiten Antrag auf staatliche Hilfe ab - laut des Weißen Rings ist das der schlechteste Wert seit mehr als 20 Jahren.
sab, dpa, Hauke-Christian Dittrich

„Ein Antrag, der nicht genehmigt wird, bedeutet für viele Antragsteller und Antragstellerinnen, dass ihnen nicht geglaubt wird“, sagte die Landesvorsitzende Magaret Hoffmann. „Damit werden Betroffene zum zweiten Mal zu Opfern, was für die meisten unerträglich ist.“

Es brauche unbedingt einen sensibleren Umgang mit Betroffenen: „Deshalb möchte ich zeitnah einen Kooperationsvertrag mit dem Amt abschließen, um eine Grundlage zum Wohle der Opfer zu schaffen“, kündigte die Landesvorsitzende des Weißen Rings an. Nur 29,2 Prozent der Anträge auf Entschädigung habe das Amt genehmigt. „Und das ist für Bremen sogar noch ein guter Wert. 2020 hatten wir nur 10,6 Prozent anerkannter Fälle“, sagte Hoffmann. In den übrigen 13,4 Prozent wurden die Anträge als „erledigt aus sonstigen Gründen“ abgestempelt.

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Viele Opfer ziehen ihre Anträge zurück

Weißer Ring
Der WEISSE RING e.V. hilft Kriminalitätsopfern. Foto: Bodo Schackow/ZB/dpa/Archivbild
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Solche Gründe können sein, dass der Antrag in ein anderes Bundesland übergegangen ist, der Antragsteller gestorben ist oder den Antrag zurückgezogen hat. Viele Gewaltopfer zögen aber auch ihre Anträge zurück, oft weil sie das Gefühl hätten, ohne Anwalt sowieso keine Chance zu haben.

Mit dem Opferentschädigungsgesetz verpflichtet sich der Staat, Opfer von Gewalttaten wie Körperverletzung, häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch zu unterstützen. Der Staat soll laut Gesetz etwa Kosten für medizinische Behandlungen oder Rentenzahlungen übernehmen. Über die Anträge entscheiden die Ämter in den Ländern. (dpa/kum)