Jetzt richtet sie einen dringenden Appell an alle Impf-Gegner

Wegen fehlender Meningitis-Impfung: Sophia verlor beide Beine

Sophia Wyatt verlor beide Beine durch eine Meningitis-Erkrankung.
Sophia Wyatt verlor beide Beine durch eine Meningitis-Erkrankung.
© Kennedy News and Media

08. Januar 2021 - 13:31 Uhr

Durch eine Impfung hätte Sophias schweres Schicksal verhindert werden können

Als Sophia Wyatt gerade erst 16 Jahre alt war, veränderte sich ihr Leben für immer: Die Britin aus Guildford, Surrey, überlebte nur knapp eine Meningitis-B-Erkrankung und verlor dabei beide Beine. Durch eine Impfung hätte das verhindert werden können, sagt Sophia heute. Sie appelliert nun an alle, die Wichtigkeit von Impfungen ernst zu nehmen - nicht zuletzt in der aktuellen Corona-Pandemie.

"Was ich durchlebt habe, ist grauenvoll"

Im Januar 1993 wurden Sophia beide Beine amputiert - nur dadurch konnten die Ärzte ihr Leben retten. Denn die damals 16-Jährige erlitt als Folge der Meningitis eine Blutvergiftung (Sepsis), die sich rasch im Körper ausbreitete und die nicht nur zum Absterben der Gliedmaßen, sondern auch zum Tode führen kann. Noch heute graut es Sophia vor der Erinnerung daran, wie sie zehn Tage nach der Einlieferung ins Krankenhaus aus dem Koma erwachte, die Bettdecke zurückschlug und den schlimmen Zustand ihrer Beine sah. "Meine Mutter sagt, dass sie sich noch gut an den Geruch erinnern kann. Die Blutvergiftung riecht wie totes Fleisch", berichtet die heute 44-Jährige "Kennedy News and Media". "Was ich durchlebt habe, ist grauenvoll."

Doch nachdem ihr im Zuge der Corona-Pandemie klarwurde, wie viele Menschen sich vor den Nebenwirkungen von Impfungen fürchten oder eine Impfung gegen SARS-CoV-2 sogar gänzlich ablehnen, sei ihr bewusst geworden, dass aus ihrem schweren Schicksal auch etwas Sinnvolles erwachsen kann. Sophia möchte ihre Erfahrungen nun mit anderen Menschen teilen, um auf die Wichtigkeit von Impfungen aufmerksam zu machen.

Denn Sophia selbst hatte nie die Möglichkeit, ihre Erkrankung durch eine Impfung zu verhindern, da es damals noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen Meningokokken gab. Sie sei sogar eine der ersten Menschen in Großbritannien gewesen, die eine Infektion mit Meningokokken des Typs B überlebten, erzählt sie "Kennedy News and Media".

Aufwühlendes Gespräch mit Impf-Skeptikerin

Vor wenigen Wochen hat die zweifache Mutter an der Schule ihrer Kinder eine Unterhaltung mit einer anderen Mutter, die sie sehr aufwühlt: "Sie fragte mich flapsig: 'Wirst du dich impfen lassen?' und ich lachte, hielt an und sagte: 'Du redest gerade mit jemandem, der seine Beine durch Meningitis verloren hat'", erinnert sich Sophia. Die andere Mutter habe ihr daraufhin erzählt, dass sie ihre Kinder nie gegen Meningitis impfen lassen habe, weil sie etwas Negatives darüber gelesen habe. "Ich musste mich davon abhalten, sie anzuschreien", sagt sie. Stattdessen fährt Sophia nach Hause und sucht die schockierenden Fotos aus ihren Krankheitstagen heraus, die sie sich seit 26 Jahren nicht mehr angeschaut hat. "Ich weinte den ganzen Tag, weil ich mich so zurückversetzt in diese Zeit fühlte." Sophia beschließt, die Fotos mit anderen auf Facebook zu teilen und formuliert einen emotionalen Appell an alle Impf-Skeptiker.

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"Ich fordere alle Eltern heraus, sich diese Fotos anzuschauen!"

"Auch jetzt, 26 Jahre später, kann ich mich nicht im Spiegel ansehen, wenn ich meine Beinprothesen nicht trage", schreibt Sophia. "Ich kann nicht fassen, dass es Realität ist, dass die Meningitis und die Blutvergiftung meinem Körper das angetan haben." Doch zum Glück gebe es nun eine Impfung, die dazu beigetragen hat, dass dieser Meningitis-Stamm fast komplett besiegt ist – "bei denen, die sich dafür entscheiden, sich impfen zu lassen", stellt sie klar. "Ich fordere alle Eltern heraus, sich diese Fotos anzuschauen, sich dieses 16-jährige Mädchen anzuschauen, und sich selbst zu fragen, ob sie damit leben könnten, wenn sie wüssten, dass sie es hätten verhindern können, wenn ihren Kindern so etwas widerfährt", appelliert die Mutter.

Sophias Post hat mittlerweile hunderte Reaktionen auf Facebook erhalten und so hohe Wellen geschlagen, dass sich sogar Mitarbeiter der britischen Gesundheitsbehörde NHS bei ihr gemeldet haben, um sich für ihren Mut und die wichtige Aufklärungsarbeit zu bedanken.

Die Symptome einer Meningokokken-Infektion

Meningokokken-Bakterien, die durch eine Tröpfcheninfektion (z. B. beim Sprechen, Husten oder Niesen) übertragen werden, sind ein möglicher Auslöser für eine Sepsis, wie Sophia sie erlitten hat. Die Symptome können anfänglich sehr unspezifisch sein und sich beispielsweise in Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel äußern. In diesem Stadium ist eine Diagnose sehr schwierig.

Wenn die Krankheit unerkannt fortschreitet, kann es bei einer Meningokokken-Sepsis zu Hauteinblutungen, Blutdruckabfall und Organversagen kommen. Schwerwiegende Folgen wie Haut- und Gewebezerstörung sowie Vernarbungen sind möglich, die in Extremfällen sogar Amputationen nötig machen. Meningokokken-Erkrankungen sind zwar selten (2019 gab es 256 Fälle in Deutschland), sie können jedoch innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Besonders gefährdet sind Babys und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Doch zum Glück gibt es für den bestmöglichen Schutz gegen Meningokokken-Erkrankungen Impfungen.

Mehr Informationen zu Symptomen und Behandlung einer Meningitis können Sie hier nachlesen.

Welche Impfungen gibt es?

Meningokokken B sind mit ca. 60 Prozent für die meisten Fälle in Deutschland verantwortlich - gefolgt von Y und C. Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird aktuell nur die Meningokokken-C-Impfung allgemein empfohlen. Diese Impfung allein schützt jedoch nicht vor den anderen Typen. Impfungen gegen diese Typen müssen meist beim Arzt angefragt werden. Gegen Meningokokken B kann schon ab dem zweiten Lebensmonat geimpft werden. Außerdem gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dieser wird vor allem bei Reisen in Risikogebiete empfohlen. Somit können Kinder vor den häufigsten Meningokokken-Typen in Deutschland bestmöglich geschützt werden.

Eltern sollten ihren Kinder- und Jugendarzt frühzeitig auf die unterschiedlichen Meningokokken-Impfungen ansprechen.

Quelle: RTL.de/dpa