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Was tun bei Streik: Das können Sie machen, wenn nichts mehr geht

Was tun bei Streik: Das können Sie machen, wenn nichts mehr geht

Streik - das können Sie noch machen
Wenn die Bahnen im Depot bleiben, ist eine gute Organsiation gefragt,
dpa, Ina Fassbender

Vorher unbedingt informieren

Wenn der öffentliche Dienst streikt, ist in den meisten Städten und Gemeinden Plan B angesagt. Bahnen bleiben im Depot, die Kindergärten haben geschlossen und der neue Personalausweis muss ein paar Tage warten. Um nicht in die Streik-Falle zu tappen, sollte man folgende Dinge beachten:

Zunächst sollte man sich über das Internet oder über die entsprechenden Hotlines informieren, welche Einrichtungen bestreikt werden und über welchen Zeitraum. Streiks werden mit etwas Vorlauf angekündigt. In Kindergärten gibt es zum Beispiel Aushänge für die Eltern. Da auch Opern und Schauspielhäuser bestreikt werden können, sollte man sich auch hier vorab informieren, wenn man Karten für eine Vorstellung hat.

Viele Arbeitnehmer fahren mit Bus und Bahn zur Arbeit. Wenn die kommunalen Verkehrsbetriebe streiken, kann man immer noch auf die überregionalen Verkehrsmittel ausweichen: S-Bahnen und Regionalzüge halten vor allem in größeren Städten an mehreren Bahnhöfen, Arbeitnehmer können oft den Großteil der Strecke damit zurücklegen.

Die Bahn rechnet Streiks der "höheren Gewalt" zu, weshalb sie nicht zu Entschädigungen verpflichtet sei. Etliche Rechtskundler sehen das anders: Die Streikenden seien schließlich eigene Bedienstete und die Bahn habe durch ihr Verhalten den Streik selbst provoziert. Deshalb müsse es für eine Stunde Verspätung 25 Prozent des Fahrpreises an Erstattung geben. Bei zwei Stunden sind es 50 Prozent.

Beträgt die zu erwartende Verspätung 20 Minuten, kann der Bahnreisende einen anderen Zug nehmen und sogar vom Regionalexpress auf den ICE umsteigen. Fotografieren Sie dann am besten die angekündigte Verspätung am Bahnsteig.

Falls wegen einer Verspätung die Übernachtung im Hotel notwendig werden sollte, muss die Bahn diese Kosten tragen.

Nutzt man "Rail & Fly" und verpasst wegen einer Bahn-Verspätung den Flug, dann haftet der Reiseveranstalter. Das hat der Bundesgerichtshof bereits unter Aktenzeichen XA ZR 46/10 entschieden.

Bevor man als Alternative zu Bus und Bahn eine Taxifahrt in Betracht zieht, sollten Carsharing-Möglichkeiten gecheckt werden - das ist meist preiswerter. Allerdings sollte man sich dazu vor dem Streik bei einem Anbieter registriert haben, denn die Autos können nur mit einer Kundenkarte genutzt werden. Ebenfalls gefragt sind Leihfahrräder, die jeder spontan buchen kann – wenn er noch eins bekommt. Wichtig: Vorher ausreichend Zeit für die Anfahrt ins Büro einplanen.

Kein Recht auf Fernbleiben wegen Streik

Wer von einem Streik betroffen ist, muss trotzdem zur Arbeit. Auch wenn viele Arbeitgeber für eine Verspätung Verständnis haben - ganz fernbleiben darf man nicht. Denn das kann eine Abmahnung zur Folge haben. Besser ist es, mit dem Arbeitgeber vorher abzusprechen, wie bei einem Streik verfahren werden soll. Eventuell lassen sich Tätigkeiten für den Tag von zu Hause erledigen?

Wichtig ist die Absprache vor allem, wenn die Kindergärten wegen Streik geschlossen haben. Rechtlich muss der Arbeitgeber in solchen Fällen Eltern nicht von der Arbeit freistellen – auch nicht unbezahlt. Wenn es keine alternative Unterbringungsmöglichkeit gibt, ist das aber ein wichtiger Grund, von der Arbeit fernzubleiben. Arbeitsrechtler sehen darin allerdings keinen Grund für eine Abmahnung oder gar Kündigung.

Wer sich gut vorher informiert und rechtzeitig abspricht, kann auch mit Plan B Streiktage überbrücken.