Experten schätzen einWarteschlangen vor Eisdielen und Cafés: Kann ich mich beim Anstehen anstecken?

Der Einzelhandel öffnet wieder, das treibt die Menschen scharenweise nach draußen, man sieht sie Schlangestehend vor Geschäften, Eisdielen und Cafés – ein bisschen Normalität in ungewöhnlichen Zeiten. Und doch sind gerade Menschenansammlungen ein wohliger Ort für Viren. Davor warnt auch Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrum Bioscientia: „Einkaufen ist risikoreich, vor allem wenn es vermeidbar ist.“ Das Risiko bestehe auch in Warteschlangen.
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Risiko der Ansteckung im Freien durch Mutationen erhöht
Die Höchstanzahl an Menschen in Drogerien und Supermärkten ist durch die Corona-Maßnahmen beschränkt, doch dichtes Gedränge an Kassen sowie vor Eisdielen oder Cafés gibt es teilweise trotzdem – und genau das erhöht die Ansteckungsgefahr deutlich. „Das sind auch die Nachbarn, die man zufällig vor dem Einkaufsladen trifft, einen Kaffee, den man noch schnell am Kiosk trinkt. Da kommt viel zusammen.“ Das liegt zum einen daran, dass Abstände nicht eingehalten werden. Zum anderen gibt es immer noch Menschen, die ihren Mundschutz nicht über Nase und Mund tragen.
Der Aerosol-Physiker Gerhard Scheuch geht davon aus, dass sich die Ansteckungs-Gefahr im Freien auch durch die neuen Corona-Mutationen erhöht hat: "Bislang ging man davon aus, dass man etwa 5 bis 15 Minuten braucht im Freien, wenn man sich gegenübersteht, um sich zu infizieren“, so der Experte. „Diese Zeit könnte sich, wenn diese Mutanten so viel ansteckender sind, wie man im Augenblick berichtet, verkürzen, dann wären es 3 bis 10 Minuten.“ Halte man sich jedoch auch draußen konsequent an die Abstandsregeln, liege das Infektionsrisiko „bei Null“, sagt Gerhard Scheuch.
Ansteckungsgefahr im Supermarkt - das sollten Sie beachten
Aber nicht nur die Warteschlangen sind möglicher Infektionsherd. Auch das Einkaufen könne laut Dr. Zinn zu einem echten „Superspreading-Event“ werden: Der Hygieniker bringt es so auf den Punkt: „Zuhause ist es am sichersten – auch für alle anderen.“
Auf vermeidbare Einkäufe in Bekleidungs- und sonstigen Geschäften müssen wir während des Lockdowns aktuell ohnehin verzichten. Der wöchentliche Trip in den Supermarkt lässt sich hingegen nicht vermeiden. Wer dort Lebensmittel einkauft, dem empfiehlt der Hygiene-Experte, dies ganz gezielt zu tun, bummeln und stehen bleiben sollte vermieden werden. Außerdem gilt weiterhin: Halten Sie die Hygieneregeln ein: Hände desinfizieren, Mundschutz tragen, Abstände einhalten. Und: Die Rush Hour in Geschäften am besten vermeiden, also lieber dienstagsmorgens oder samstags kurz vor Ladenschluss einkaufen gehen. So können wir das Risiko zumindest minimieren, sich beim Einkaufen mit dem Coronavirus anzustecken.
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