Ein KommentarWarnung vor Blöde-Barde Otto? Total unnötig, lieber WDR!

Er ist DER Blödel-Barde Deutschlands, Generationen haben über ihn gelacht: Otto Waalkes.
Erinnern Sie sich noch an die „Keili-Seife“, die auch unter der Achsel gut einsetzbar ist? Oder „English for Runaways – Englisch für Fortgeschrittene“ mit Mary, Paul und Peter? Da kommen wohlig-warme Erinnerungen hoch. Und ausgerechnet vor seine alten Shows und Gags hat der WDR nun eine Warntafel gesetzt. Damit erweist der Sender der wichtigen Debatte um den Umgang mit veralteten Witzen einen Bärendienst.
Otto Waalkes: Show-Wiederholung zum 75. Geburtstag
Was ist passiert? Anlässlich des 75. Geburtstag des Komikers will der WDR Ottos alte Shows noch einmal zeigen. Inklusive einiger sehr veralteter Witze – wie zum Beispiel in dem Streifen „Otto – Der Film“, in dem mehrfach gegenüber einem Menschen das N-Wort fällt. Der Sender blendet nun eine Warntafel vor Shows ein, die diskriminierende Gags enthalten. Darin heißt es: „Es [das Programm, Anm. d. Red.] enthält Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden.“

Einfache Grundregel für Witze
Dabei sollte jedem klar sein: Es ist nicht witzig, sich über andere Menschen lustig zu machen, weil diese eine andere Hautfarbe, eine Behinderung, eine bestimmte Haarfarbe haben oder Frauen sind. War es auch nie.
Lese-Tipp: Otto Waalkes wird komischerweise schon 75 Jahre alt
Wer jetzt sagt: „Sind denn jetzt gar keine Witze mehr erlaubt“ – der irrt. Die einfache Grundregel, die unsere Gesellschaft meiner Meinung nach hier mehr beachten sollte: Ein Mensch darf Witze über sich selbst oder die Gruppe, der er sich zugehörig fühlt, machen. Darüber dürfen dann auch alle lachen. Beispielhafter: Ein Rollstuhlfahrer darf einen Witz über einen Rollstuhlfahrer machen. Jemand der nicht im Rollstuhl sitzt, sollte besser die Klappe halten! Oder sich den Witz zu Hause selbst erzählen – öffentlich sollten Nicht-Betroffene solche Witze nicht erzählen. Erst recht nicht, um damit billige Lacher einzusammeln.
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WDR soll alte Otto-Shows zeigen
Daher ist es auch nicht falsch, dass sich der WDR die Frage stellt: Zeigen wir noch Shows, in denen Stereotype bedient und veraltete, diskriminierende Witze erzählt werden – und wie gehen wir damit um? Eine gedankenlose Wiederholung ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Dennoch ist es am Ende eine völlig richtige Entscheidung, die Shows zu zeigen. Otto ist eine der bekanntesten und beliebtesten Kultfiguren der Deutschen, viele seiner Witze funktionieren heute noch gut. Wenn ein Komiker generationenübergreifend funktioniert, dann Otto.
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Doch wie umgehen mit diskriminierenden Witze in (historischen) Fernsehkult-Shows? Das ist eine schwierige Frage – die Warntafel ist allerdings keine gute Lösung. Sie gibt nur Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin überall die „Cancel Culture“ wittern und trägt nach meinem Empfinden nicht zur Aufklärung bei. Es dürfte einfach nicht jedem Zuschauer klar sein, welche Stellen wirklich problematisch sind.

Viele bessere Optionen für den WDR
Möglicherweise wäre daher eine Einblendung während der Show eine bessere Option gewesen – um direkt zu erkennen, um welche Passagen es geht. Vielleicht hätte auch ein Text in eigener Sache vom Sender nicht geschadet, in dem er im Internet für alle Interessierten erklärt, wieso er die Entscheidung getroffen hat, die Shows trotzallem zu zeigen.
Doch noch besser ist es, wenn sich Künstler selbst äußern. Dabei ist es erst einmal unerheblich, ob der Künstler sein Werk verteidigt oder es rückblickend kritisch einordnet. Otto macht eine Mischung aus beidem: Zu seinen alten Shows sagte er in der Bild: „Das ist nun ein halbes Jahrhundert her. Die Moralvorstellungen haben sich seit 1970 gewandelt, jede Zeit hat ihre eigenen Tabus.“ Seine Aufgabe als Komiker sei es, alltägliche Regeln zu verletzten. „Ich war damals Student und habe Scherze gemacht, von denen sich vor allem Autoritäten verletzt fühlten.“ Und dann in der ihm eigenen Art: „Als ob es keine anderen Probleme gäbe als alte Otto-Scherze.“
Genau ein solches Zitat, vielleicht sogar ein Video mit Otto, vor der Ausstrahlung oder dem Beitrag in der Mediathek, wäre die optimale Lösung gewesen. Es regt zum Nachdenken an, zur Diskussion – und ist daher besser als eine Warntafel, die die einen ignorieren und an der die anderen sich aufhängen. Denn eines ist hoffentlich klar: Otto Waalkes ist einer der Witzigsten der deutschen TV-Landschaft – und gehört ganz bestimmt nicht gecancelt.


