Bricht der mutmaßliche Täter jetzt sein Schweigen?

Prozess um Auto-Attacke auf Rosenmontagsumzug von Volkmarsen startet

Am Montag beginnt der  Prozess um Auto-Attacke auf Rosenmontagsumzug in Volkmarsen
Am Montag beginnt der Prozess um Auto-Attacke auf Rosenmontagsumzug in Volkmarsen
© dpa, Swen Pförtner, spf cul geh

03. Mai 2021 - 9:05 Uhr

Bisher schweigt der Angeklagte

Bis heute sind die Nachwirkungen der Tat zu spüren. Am Rosenmontag 2020 rast in Volkmarsen ein Auto mit rund 50 Kilometern die Stunde in die Menschenmenge – und verletzt dadurch fast 100 Menschen. Wie durch ein Wunder kommt dabei niemand ums Leben. Der Mann am Steuer steht nun vor Gericht - und die nordhessische Stadt hofft auf Antworten.

Prozess gegen Volkmarsener Amokfahrer Maurice P.: Die Kasseler Messehalle wird zum Gerichtssaal - über 400 Gäste sind geladen.
Prozess gegen Volkmarsener Amokfahrer Maurice P.: Die Kasseler Messehalle wird zum Gerichtssaal - über 400 Gäste sind geladen.
© RTL Hessen, Pascal Wede

Die Suche nach dem Motiv

Seit mehr als einem Jahr tragen viele Menschen in Volkmarsen eine Frage mit sich herum: Warum ist der Angeklagte im Februar 2020 mutmaßlich absichtlich mit seinem Auto in die fröhliche Menschenmenge beim Rosenmontagsumzug gefahren? Wie konnte es dazu kommen, dass jemand das Leben und die Gesundheit zahlreicher Menschen derart gefährdet?

Das Landgericht Kassel hat von Montag an (3. Mai) die Aufgabe, die Auto-Attacke mit Dutzenden Verletzten und das mögliche Motiv dafür aufzuklären. Mehr als 400 Personen hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt benannt, die als Zeugen in Frage kommen und während des bis Mitte Dezember angesetzten Verfahrens befragt werden könnten. Ob die Richter auch Antworten des mutmaßlichen Täters bekommen, bleibt abzuwarten - bislang hat der 30-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Zeugen wünschen sich, dass sich der Angeklagte äußert

Einsatzkräfte nehmen an der Unfallstelle in Volkmarsen Spuren auf
Bei der Amokfahrt wurden mehr als 90 Menschen verletzt Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

Die Menschen in der nordhessischen Stadt sind froh, dass der Prozess nun startet. So berichtet es Christian Diste, der Vorsitzende der Volkmarser Karnevalsgesellschaft. Und die Mitglieder des Vereins wünschen sich, dass sich der Angeklagte äußert: "Dass er mal sagt, was in ihm vorging, dass er mal probiert zu erklären, was da in ihm passiert ist." Das sei ein Stück weit die Erwartungshaltung oder Hoffnung an den Prozess. "Aber ich frage mich auch selber, ob uns das am Ende weiterbringt, ob uns das tatsächlich eine Erklärung liefert."

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Er fuhr mit Tempo 50 in die Menschenmenge

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten 91-fachen versuchten Mord vor, Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Der Deutsche soll am 24. Februar 2020 ein Auto bewusst und ungebremst mit Tempo 50 bis 60 ins Gedränge gefahren haben. 90 Menschen, darunter viele Kinder, erlitten teils schwere Verletzungen. Es gibt viele weitere Opfer, Menschen, die seelische Wunden davongetragen haben. Die Ermittler gehen daher von insgesamt mehr als 150 Betroffenen aus.

Opferbeauftragter: "Prozess ist wichtig, um die Dinge zu verarbeiten

Nach Einschätzung des hessischen Opferbeauftragten Helmut Fünfsinn bedeutet ein Prozess für die Opfer eine durchaus ambivalente Situation. "Grundsätzlich ist so ein Prozess wichtig, auch um die Dinge noch einmal zu verarbeiten und vor allem, um dann eine Person zur Verantwortung zu ziehen", sagt er. Auf der anderen Seite müsse man bedenken, dass ein Verfahren noch einmal aufwühlt, "weil ja die Erinnerungen an die Situation, der man entkommen ist, zurückkommen". Besonders schwer sei es für jene, die vor Gericht geladen sind und aussagen müssen. Aber ein Prozess biete auch "den positiven Aspekt, die Dinge hinter sich zu lassen und sich dann neu zu orientieren".

VIDEO: So haben wurde in Volkmarsen der Rosenmontag ein Jahr nach der Auto-Attacke begangen

  • In der Faschingszeit werden die Ereignisse vom Rosenmontag 2020 besonders präsent. Die RTL-Nordhessen-Reporter Annabelle Strecker und Tim Ellrich haben die Menschen in Volkmarsen immer wieder besucht. In ihrem Bericht zeigen sie, wie sehr die Amokfahrt die Stadt noch immer beschäftigt.

Unterstützung durch Beratungsstelle "Kasseler Hilfe"

Die Pandemie erschwere auch die Betreuung der Opfer und Zeugen vor dem Prozess: "Normalerweise, ohne Corona, hätten wir uns vor dem Prozess mit all denjenigen persönlich getroffen, die das gewollt hätten, und hätten zumindest abstrakt erklärt, wie ein solcher Prozess abläuft - um eine Stütze zu sein. Das geht jetzt leider nicht vor Ort. "Beistand gebe es aber dennoch, betont Fünfsinn: durch die Beratungsstelle "Kasseler Hilfe", die etwa Zeugen unterstützt in der für sie neuen Situation, vor Gericht aussagen zu müssen. Die Nachfrage sei da. Die Menschen wollten wissen, was jetzt vor Gericht passiert.

Quelle: dpa / RTL.de