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Virologe über Markt in Wuhan: Behörden wussten Jahre vor Corona-Beginn von Seuchen-Risiko

Wussten die chinesischen Gesundheitsbehörden von der Gefahr?

Virologe: "Lebensmittelmarkt in Wuhan war schon vor Corona-Beginn ein Krankheitsrisiko"

Australischer Virologe war bereits 2014 auf dem Markt in Wuhan.
Wussten die chinesischen Behörden, welche Krankheitsgefahr vom Markt in Wuhan ausgeht?
istock, iStockphoto

Tierischer Ursprung des Coronavirus gilt als sicher

Seit Beginn der Corona-Pandemie beschäftigt die Menschen weltweit die Frage nach dem Ursprung des Virus. Mittlerweile wurde die Annahme, dass das Coronavirus von einem Tier über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen ist, auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigt . Als vermutlicher Übertragungsort gilt der Huanan-Markt im chinesischen Wuhan. Ein australischer Wissenschaftler behauptet nun, die chinesischen Gesundheitsbehörden hätten bereits fünf Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie gewusst, dass der Tier- und Lebensmittelmarkt ein Krankheitsrisiko darstellt.

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Huanan-Markt in Wuhan vermutlicher Übertragungsort

Die Untersuchungen von Wissenschaftlern weltweit legen nahe, dass das Coronavirus zuerst bei Fledermäusen auftauchte, bevor es auf ein größeres Tier übertragen wurde. Möglicherweise wurde es auf ein Schuppentier übertragen, das von Menschen gefangen und auf einen Markt gebracht wurde, von wo aus sich die Infektion verbreitete.

Eine gemeinsame Untersuchung der WHO und China über die Ursprünge des Coronavirus, die im März veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass Märkte in Wuhan, auf denen sowohl lebende als auch tote Tiere verkauft werden, eine wahrscheinliche Quelle der aktuellen Pandemie sind. Die Verbindung zum Huanan-Lebensmittelmarkt wurde gleich zu Beginn der Covid-Pandemie hergestellt , als die Behörden feststellten, dass etwa ein Drittel der ersten 168 Personen, die sich infizierten, kurz zuvor dort gewesen waren.

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Auf Märkten in Wuhan werden auch seltene Tiere verkauft

Auf dem Lebensmittelmarkt in Wuhan werden einerseits Lebensmittel und Getränke verkauft. Anderseits können die Menschen dort auch lebende Tiere kaufen, die wild gefangen wurden und dann von den Verkäufern in Käfigen gehalten werden. Solche Märkte werden als Nassmärkte bezeichnet.

Auf dem Huanan-Markt werden an einigen Ständen viele ungewöhnliche oder sogar seltene Tiere verkauft, darunter Schlangen, Biber und Stachelschweine. Bereits im Jahr 2014 reiste Professor Eddie Holmes, Virologe an der Universität von Sydney, im Rahmen eines Forschungsprojekts nach Wuhan. Sein Ziel war es, Viren oder Bakterien zu finden, die in der Zukunft einen ernsten Krankheitsausbruch verursachen könnten.

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"Es fühlte sich an wie ein Krankheitsinkubator"

Im Rahmen seines Forschungsaufenthaltes besuchte er auch den Huanan-Lebensmittelmarkt in Wuhan. „Ich war schon auf einigen dieser Märkte, aber dieser war größer. Es fühlte sich an wie ein Krankheitsinkubator - genau die Art von Ort, an dem man die Entstehung einer Krankheit erwarten würde“, fasst er seine Gedanken von damals zusammen.

Chinesische Gesundheitsbeamte hätten ihn auf den Huanan-Meeresfrüchtemarkt mitgenommen, um ihm ein Beispiel für einen Ort zu zeigen, an dem eine Virusübertragung von Tieren auf Menschen stattfinden könnte, erklärt Holmes gegenüber „The Telegraph“. Demnach hätten die Gesundheitsbehörden schon Jahre vor dem Ausbruch der Covid-Pandemie gewusst, dass der Huanan-Lebensmittelmarkt in Wuhan ein Krankheitsrisiko darstellt.

Gesundheitsexperten warnen seit Jahren wiederholt davor, dass der enge Kontakt von Menschen mit Wildtieren ein hoher Risikofaktor für die Auslösung neuer Krankheitsausbrüche ist. Er wird als eine der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit weltweit aufgeführt. Um zu verhindern, dass sich so etwas wie die Corona-Pandemie wiederholt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Verbot für den Verzehr von Wildtieren gefordert.

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WHO: 70 % aller neu auftretenden Infektionskrankheiten gehen auf Tiere zurück

Zunächst hatte die WHO empfohlen, dass die Nassmärkte geöffnet bleiben sollten, um die Lebensmittelversorgung und Arbeitsplätze zu sichern. Allerdings sollten die Bedingungen verbessert werden. Mittlerweile hat sie ihre Meinung revidiert. In einer Richtlinie fordert die WHO die Länder auf, „den Verkauf von gefangenen lebenden Wildsäugetieren auf Lebensmittelmärkten als Notfallmaßnahme auszusetzen. Tiere, insbesondere Wildtiere, sind die Quelle von mehr als 70 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen, von denen viele durch neuartige Viren verursacht werden“, so die WHO weiter.

Demnach stellten vor allem traditionelle Märkte, auf denen lebende Tiere gehalten, geschlachtet und zugerichtet werden, ein besonderes Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern auf Arbeiter und Kunden dar.

Bleibt zu hoffen, dass diese Warnungen in Zukunft ernster genommen werden.

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