6. Mai 2019 - 19:54 Uhr

An vielen Schulen herrscht noch "Kreidezeit"

Kein Dienst-PC, kein Smartphone, nicht mal eine eigene E-Mail-Adresse - an vielen Schulen herrscht tatsächlich noch "Kreidezeit". Besonders viel Nachholbedarf gibt es in NRW, wie eine aktuelle Lehrer-Befragung zeigt.

Kaum PCs für Lehrer

Bei der Ausstattung mit Computern und schnellem Internet schneiden Schulen in Nordrhein-Westfalen schlechter ab als im Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Befragung für den Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) hervor. Danach verfügen nur an jeder zehnten Schule in NRW alle Pädagogen über einen Dienst-PC - bundesweit immerhin an jeder fünften.

An jeder zweiten der in NRW befragten allgemeinbildenden Schulen hat gar keine Lehrkraft einen dienstlichen Computer - bundesweit gilt das für jede dritte der insgesamt 1232 befragten Schulen.

"Für Lehrkräfte ist es unfassbar frustrierend, beste Bildung ermöglichen zu wollen, aber weder die Technik noch die nötige Fortbildung oder Konzepte zur Verfügung zu haben", kritisierte VBE-Landeschef Stefan Behlau in Dortmund. Für Kinder sei es reine "Glückssache", ob sie eine zeitgemäß ausgestattete Schule besuchen könnten.

63 Prozent der Schulen in NRW haben kaum Zugang zu schnellem Internet

An mehr als zwei Drittel der befragten Schulen in NRW (69 Prozent) gibt es nicht in allen Klassen- und Fachräumen Zugang zu schnellem Internet oder WLAN (bundesweit: 63 Prozent). Landes- wie bundesweit gaben zudem zwei Drittel aller Befragten an, dass es in den Klassen an Tablet-PCs und Smartphones fehle.

Die allermeisten Rektoren und Direktoren lehnen es dennoch ab, dass die Schüler ihre eigenen Geräte zum Unterricht mitbringen. "Als große Nachteile schätzen die Schulleitungen in NRW vor allem ein, dass einzelne Kinder noch kein Gerät haben (...) und dass die Gefahr des Mobbings aufgrund veralteter oder "uncooler" Modelle besteht", heißt es in der Forsa-Analyse. An 85 Prozent der Schulen in NRW wird daher nicht auf private Ausstattung zurückgegriffen.

Wie es um den Fortschritt an deutschen Schulen steht, zeigt eine weitere verblüffende Zahl aus der Studie: An 27 Prozent der Schulen in NRW (bundesweit: 19 Prozent) haben nicht einmal alle Lehrkräfte eine dienstliche E-Mail-Adresse. An jeder dritten Schule landes- wie bundesweit hat das überhaupt kein Lehrer.

An mehr als einem Drittel aller Schulen ist zudem kein Fachpersonal für die Betreuung der IT-Ausstattung im Einsatz. Stattdessen kümmern sich vor allem Lehrer, im Einzelfall aber auch Schüler oder Eltern darum. Behlau kritisierte diese Praxis. Schließlich benötigten Lehrer Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben, unterstrich der Bildungsgewerkschafter.

Für die Untersuchung wurden 1.232 Schulen befragt, 259 davon befinden sich in NRW.

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