Video kursiert im Netz

Schnelltest findet Corona im Leitungswasser – kann das wirklich sein?

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Video lässt rätseln: Finden sich Coronaviren im Leitungswasser?
Twitter/Jcpgw4cnz8Ralf

von Lynn Michel und Lauren Ramoser

Auf Twitter kursiert ein Video mit einem erschreckendem Ergebnis. Dort fließen langsam einzelne Tropfen aus dem Wasserhahn auf einen Corona-Schnelltest. Bereits nach kurzer Zeit verlaufen die Farbpartikel des Tests und das Ergebnis ist eindeutig: positiv. Aber wie kann das sein? Auf den ersten Blick scheint das Video vertrauenswürdig. „Das Video hat eine gute Qualität und ist zudem ungeschnitten, wurde damit nicht zusätzlich bearbeitet oder manipuliert", erklärt Burak Kahraman vom RTL-Verifizierungs-Team. Wie kann das also sein? Finden sich Coronaviren im Leitungswasser?

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"Leitungswasser ist nicht gefährlich für uns!"

Der Arzt und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht erklärt: „Leitungswasser ist nicht gefährlich für uns!" Aber wieso zeigt der Schnelltest im Twitter-Video dann ein positives Ergebnis an? „Bei dem Video liegt eine völlige Verfälschung des Tests vor. Auf dem Teststreifen sind Anti-Körper enthalten, die reagieren, wenn ein Spike-Protein des Corona-Virus nachgewiesen werden kann. Die vielen Tropfen des Wasserhahns zerstören dieses Protein, die Farbpartikel des Tests reagieren und der Test zeigt fälschlicherweise ein positives Ergebnis an“, urteilt Dr. Specht im Gespräch mit RTL. Der Hersteller des Schnelltests weist ebenfalls darauf hin, dass zu viel oder zu wenig Flüssigkeit zu falschen Resultaten führt.

Des Weiteren werde nicht die spezielle Puffer-Lösung für den Schnelltest verwendet. Ein ähnlich verfälschtes Ergebnis könne auch durch andere Flüssigkeiten wie Cola, Zahnpasta oder Apfelmus erreicht werden.

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Corona ist im Abwasser enthalten - allerdings nicht infektiös

Beim Abwasser sieht das Ganze schon wieder anders aus. „Im Abwasser kann genetisches Material des Corona-Virus festgestellt werden“, erklärt Dr. Specht in einem Gespräch mit RTL. Allerdings seien die Mengen zu gering, um sich damit zu infizieren. Nur mit einer ganz speziellen PCR-Methode können die Partikel im Abwasser nachgewiesen werden. Aus Sicht von Fachleuten kann das Abwasser-Screening in Klärwerken der Frühwarnung dienen.