Schon wieder Lieferengpässe

Diese Gewürze werden bald im Supermarkt teurer

Gewürze wie Zimt werden teurer.
Gewürze wie Zimt werden teurer.
© picture alliance, Sergey Nepsha

28. September 2021 - 14:42 Uhr

Deutsche Gewürzindustrie bereitet Verbraucher auf steigende Preise vor

Es ist wie verhext. Aus allen Ecken kommen derzeit die schlechten Preis-Nachrichten: Ob Nudeln, Softdrinks oder Gemüse – auch im Supermarkt wird bald alles teurer. Jetzt auch noch die Gewürze. Der Verband der deutschen Gewürzindustrie bereitet Verbraucher auf deutliche Preiserhöhungen vor.

Extreme Wetterlagen und Explosion der Frachtkosten treiben Preise hoch

"Lieferengpässe, eine gestiegene Nachfrage in den Herkunftsländern und zusätzlich problematische Wetterbedingungen in Süd- und Osteuropa erschweren die Ernten für 2021 und bringen die Gewürzindustrie in Bedrängnis", schildert Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes der Gewürzindustrie, die Situation seiner Mitglieder.

Rohstoffe sind derzeit in vielen Bereichen der produzierenden Wirtschaft Mangelware – davon ist auch die deutsche Gewürzindustrie betroffen. Die Ursachen für diese Entwicklung sind zahlreich und zum Teil unmittelbare Folge der weltweiten Corona-Pandemie: Fehlende Erntehelfer in den Ursprungsländern, eine insgesamt verlangsamte Produktion und Schließungen von Häfen durch Lockdowns weltweit sorgen für Ernteausfälle und Knappheit. Extreme Wetterlagen wie Starkregen in Südeuropa oder enorme Trockenheit und Waldbrände in Osteuropa verstärken diese Ausfälle noch.

Dabei ist die Gewürzindustrie in besonderem Maße importabhängig: Verwerfungen in den Bereichen Fracht und Logistik wirken sich unmittelbar auf den Handel mit Gewürzen aus. Die Folgen, etwa die fehlende Verfügbarkeit von Schiffscontainern, sind allgegenwärtig und führen zu drastischen Kostensteigerungen. Ein Beispiel des Gewürzverbandes: Die reinen Frachtkosten für einen Container aus China liegen um rund 900 Prozent über den Frachtkosten, wie sie vor der Pandemie üblich waren.

Diese Gewürze sind besonders betroffen

Unmittelbare Auswirkungen hat diese auf den Import der klassischen Gewürze wie:

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  • Kreuzkümmel
  • Kurkuma
  • Ingwer
  • Muskat
  • Paprika
  • Pfeffer
  • Zimt
  • Zwiebeln

"Unsere Mitglieder erwarten eine Entspannung der Situation im Frachtbereich frühestens zur zweiten Jahreshälfte 2022. Bis dahin wird die Lage sowohl bei den klassischen Gewürzen als auch beim Ankauf vieler weiterer Produkte wie Senfsaat oder mediterraner Kräuter extrem angespannt bleiben", berichtet Weck.

Und das ist noch nicht alles: Sorgen bereitet auch der gewürzverarbeitenden Industrie die Entwicklung der Energiekosten, insbesondere in Form der CO2-Bepreisung. Seit Januar 2021 beträgt der Preis pro Tonne Kohlendioxid 25 Euro – bis 2025 soll sich dieser sogar noch verdoppeln. Ähnlich sieht es bei den Kosten für Verpackungsmaterialien aus. "Vor allem Kunststoffe, Verbunde und Kartonagen kosten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr; Aufschläge von 30 bis 40 Prozent sind keine Seltenheit", so der Gewürzverband. Für Verpackungsmaterialien wie Stahl und Blech haben sich die Kosten an vielen Stellen sogar fast verdoppelt.

Auch Nudeln und Softdrinks werden teurer

Wolfgang Schulze, Präsident des Fachverbandes, fasst die Situation folgendermaßen zusammen: "Die Gewürzindustrie setzt alles daran, die Nachfrage von Handel und weiterverarbeitender Industrie zu bedienen und dabei eine optimale Qualität zu gewährleisten. Die aktuellen Schwierigkeiten führen uns aber mehr denn je vor Augen, dass diese Qualität auch ihren Preis hat."

Für den Einkauf im Supermarkt hat das Folgen: Denn nicht nur Gewürze werden teurer. Auch die Preise für Nudeln werden hochgehen. Vor allem die miese Weizenernte in den Hauptanbaugebieten in den USA und Kanada treibt die Preise nach oben. Und auch in anderen Bereichen wird es teurer: So hat Coca-Cola gegenüber seinen Handelskunden bereits angekündigt, die Preis zu erhöhen.

Die angekündigten Preiserhöhungen dürften Verbraucher bald beim Einkauf im Supermarkt oder beim Discounter zu spüren bekommen. (aze)