"Dieses Herbstschuljahr wird radikal neue Sicherheitsvorkehrungen erfordern"

US-Experte warnt: Affenpocken auch über die Luft übertragbar

PCR-Test auf Affenpocken
Eine Infektion mit Affenpocken lässt sich per PCR-Test nachweisen.
deutsche presse agentur

Die Zahl der Affenpocken-Infektionen weltweit steigt stetig und hat nun mit 1.000 Infektionen pro Tag einen neuen Höchststand erreicht. Ein aktueller Bericht der DHS Science and Technology legt nun nahe, dass sich das Virus nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über Aerosole überträgt – genau wie das Coronavirus. Dies ist besonders brisant vor dem Hintergrund, dass sich nun das erste Kita-Kind in Deutschland mit dem Affenpocken-Virus infiziert hat.

Übertragung nicht nur durch Tröpfchen, sondern auch über Aerosole

Bereits am 23. Juli hatte die WHO den Ausbruch der Affenpocken zu einer "Notlage von internationaler Tragweite" erklärt. Schon damals lautete eine der Begründungen für die Entscheidung von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass das Virus möglicherweise doch schneller übertragbar ist als bislang angenommen.

Galt bis dahin, dass das Affenpocken-Virus hauptsächlich im direkten Kontakt über Speichel, große Tröpfchen und eventuell auch Sperma übertragen wird, weisen neue Forschungsergebnisse nun auch eine Kontamination über Aerosole nach. Auch eine Infektion über den infizierte Hautstellen, Wunden und Schorf ist laut einem Bericht des wissenschaftlichen Fachbereichs des Ministeriums für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten, der DHS Science and Technology, möglich.

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Infizierte sind bereits in der Inkubationszeit ansteckend

Der US-amerikanische Epidemiologe Eric Feigl-Ding macht nun auf Twitter darauf aufmerksam, dass sich das Virus auch über die Atemluft überträgt. Dabei bezieht er sich auf einen Bericht des DHS Science and Technology. Demnach halte sich das Virus mehrere Tage bis Wochen in der Luft, was eine Übertragung über Aerosole möglich mache. Dies weckt Erinnerungen an die Corona-Pandemie.

Brisant sei außerdem die Tatsache, dass Infizierte bereits in der rund 21-tägigen Inkubationszeit ansteckend seien. Das heißt, dass Menschen, die sich angesteckt haben, andere schon anstecken können, noch bevor der für die Affenpocken typische Hautausschlag eingesetzt habe.

Aber nicht nur während der Inkubationszeit, sondern auch nach Abklingen der Symptome können Infizierte noch ansteckend sein. Laut einer Studie scheiden diese auch nach Abheilung des Hautausschlags noch Virus-DNA über die Atemwege aus.

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Gute Diagnostik und rechtzeitige Isolation wichtig

Auch in einer anderen Studie konnte die Übertragung via Aerosole belegt werden: Wissenschaftler um Dr. Susan Gould von der renommierten Liverpool School of Tropical Medicine haben die Isolierzimmer von Affenpocken-Patienten in Großbritannien untersucht. Das Ergebnis der Studie, die noch nicht von anderen Wissenschaftlern geprüft wurde: Die Forscher identifizierten eine "weit verbreitete Oberflächenkontamination in belegten Patientenzimmern, auf der persönlichen Schutzausrüstung von medizinischem Personal nach Gebrauch und in Ablegebereichen". Drei von vier Luftproben, die während eines Bettwäschewechsels in einem Patientenzimmer entnommen wurden, waren positiv. Fünf von fünfzehn auch noch nach dem Bettwäschewechsel.

Eine gute Diagnostik und eine Isolation Infizierter scheinen somit die effektivsten Wege, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Zudem gibt es einen wirksamen Impfstoff gegen die Affenpocken, auch wenn zurzeit nur in begrenzter Menge vorliegt und somit Risikogruppen vorbehalten ist. (nri)

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