Virologe Klaus Stöhr warnt vor vorzeitigen Schlussfolgerungen

US-Untersuchung suggeriert hohe Coronavirus-Last bei infizierten Geimpften

Virologe Professor Klaus Stöhr im Interview mit ntv.
Virologe Professor Klaus Stöhr im Interview mit ntv.
© Screenshot/ntv

04. August 2021 - 9:35 Uhr

In dem internen Papier wurden vorläufige Daten veröffentlicht

Mit wissenschaftlichen Untersuchungen ist es manchmal wie mit einem guten Wein: Sie brauchen Zeit, um zu reifen bzw. um korrekt ausgewertet zu werden. Untersuchungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC sollen nun ergeben haben, dass Geimpfte, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, trotz Impfung eine hohe Viruslast haben. Doch diese Schlussfolgerung kommt etwas verfrüht, meint zumindest der Virologe Klaus Stöhr im Interview mit RTL/ntv.

Impfung soll vor allem vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen

"Für die öffentliche Gesundheit sehe ich da gegenwärtig keinen großen Handlungsbedarf. Also erstens muss man sagen: Das sind vorläufige Daten, die stammen aus einem internen Dokument der CDC. (…) Zweitens ist es natürlich so, die Virusmenge, die man da gemessen hat, die lag ja auf den Schleimhäuten, zum Teil auch in der Lunge. Das ist unter Umständen nicht repräsentativ für die Ansteckungsfähigkeit", fasst Prof. Klaus Stöhr das Zusammen, was bisher aus der Studie bekannt ist.

Um Alarm zu schlagen, ist es jetzt also noch zu früh. Und es wäre falsch, der Bevölkerung so zu suggerieren, dass eine Impfung nichts bringt. Zumal sie in erster Linie die geimpfte Person vor einem schweren Krankheitsverlauf und nicht vor einer Infektion an sich schützen soll.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Coronavirus Teil unseres Alltags wird und im Laufe der Zeit wohl jeder eine Infektion erleben wird – mit einer Impfung ist dann aber die Wahrscheinlichkeit, dass es zu schweren Verläufen mit Langfristfolgen kommt, sehr niedrig.