Urteil im Herne-Mord-Prozess: Lebenslange Haft für Marcel H.

Marcel H. bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal: Lebenslänglich für den 20-Jährigen.
Marcel H. bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal: Lebenslänglich für den 20-Jährigen.
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31. Januar 2018 - 17:18 Uhr

Haftstrafe für Marcel H.

Monatelang wurde der Doppelmord von Herne vor Gericht verhandelt. Monate, in denen jedes grausame Detail zum Tod des erst neunjährigen Jaden und des 22-jährigen Christopher W. aufgerollt wurde. Nun muss sich Marcel H. dafür verantworten. Das Gericht urteilte: Lebenslänglich!

"Die grundlose Ermordung von zwei völlig unschuldigen, jungen Menschen"

Für einen grausamen Doppelmord ist Marcel H. (20) aus Herne zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Es behielt sich wegen der Gefährlichkeit des Angeklagten seine spätere Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vor. Die beiden Morde seien "eine völlig anlasslose Tötung" gewesen, sagte Richter Stefan Culemann in seiner Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft sprach im Plädoyer von "schrecklichen Taten" und einer "grundlosen Ermordung von zwei völlig unschuldigen, jungen Menschen."

Schon zu Beginn der Verhandlungen hatte Marcel H. über seinen Verteidiger gestanden, im März 2017 erst den Nachbarsjungen und dann seinen Ex-Schulfreund umgebracht zu haben. Die Fotos der mit 120 Messerstichen furchtbar zugerichteten Leichen waren kurz nach den Taten im Internet aufgetaucht und hatten für Entsetzen gesorgt. Auch deswegen soll Marcel H. ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 90.000 Euro an die Mütter seiner Opfer zahlen.

"Befriedigung des eigenen Sadismus und Angeberei"

Warum Marcel H. diese schrecklichen Taten begangen hat, darüber gibt es nur Vermutungen. Er selbst äußerte sich nicht, zeigte während des monatelangen Prozesses kaum Reaktionen. Es kämen Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, Macht- und Größenfantasien sowie "Befriedigung des eigenen Sadismus und Angeberei" in Betracht, meinte der zuständige Staatsanwalt.

Marcel H. habe insgesamt 120 Mal auf seine beiden Opfer eingestochen und später sogar versucht, einen Fuß abzutrennen, um ihn im Internet stolz als Trophäe zu präsentieren. Allein der Körper des kleinen Jaden (9) wies 52 Messerstiche auf.

Marcel H. hatte auf eine mildere Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht gehofft - auch das wäre möglich gewesen, weil er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war. Die 8. Strafkammer des Bochumer Landgerichts stufte ihn allerdings als Erwachsenen ein. Obwohl der Angeklagte noch zu Hause gewohnt und seine Freizeit mit Computerspielen verbracht habe, gingen die Richter von einer bereits ausgereiften Persönlichkeit aus. "Von einer Jugendverfehlung kann keine Rede sein", sagte Richter Culemann. Marcel H. soll die Haft in einer sozialtherapeutischen Einrichtung verbüßen.

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