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Urteil gegen Rapper Gzuz: Showkampf zwischen Staatsanwalt und Verteidigern am Landgericht Hamburg

Urteil gegen Rapper Gzuz

Showkampf zwischen Staatsanwalt und Verteidigern am Hamburger Landgericht

Rapper Gzuz kommt mit seinem Anwalt Christopher Posch am Gerichtssaal im Landgericht Hamburg an.
Rapper Gzuz kommt am Freitagmorgen mit seinem Anwalt Christopher Posch am Gerichtssaal im Landgericht Hamburg an.
RTL Nord

von Julia Freistedt und Mareike Baumert

Eigentlich ist es Rapper Gzuz, der es gewohnt ist, im Mittelpunkt zu stehen und das als Frontmann der Hip-Hop-Gruppe 187 Strassenbande auch genießt. Beim letzten Verhandlungstag im Berufungsprozess um ein Urteil aus 2020 gegen den Rapper, drängen sich aber andere nach vorne: Seine Verteidiger und der Staatsanwalt, die sich nach dem Plädoyer mächtig in die Haare kriegen. Und ganz nebenbei fiel auch das Urteil gegen Gzuz.

Gefängnisstrafe für Gangster-Rapper

 Zum Urteil war Gzuz in einem gestreiften Hemd gekommen, ganz anders, als Fans ihn aus den Musikvideos kennen.
Zum Urteil war Gzuz in einem gestreiften Hemd gekommen, ganz anders, als Fans ihn aus den Musikvideos kennen.
www.imago-images.de, IMAGO/Andre Lenthe, IMAGO/Andre Lenthe Fotografie

Kristoffer Jonas Klauß, wie Gzuz bürgerlich heißt, muss wegen Körperverletzung und Umgang mit Drogen acht Monate und zwei Wochen ins Gefängnis- das urteilt am Freitagmittag die Richterin am Landgericht Hamburg. Außerdem soll der Rapper wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe eine Geldstrafe zahlen, insgesamt 414.000 Euro. „Das offensive Spiel mit Ihrem Gangsterimage, das bedingt, dass sie häufiger in Situationen kommen, die illegal sind. Und wenn Sie dabei erwischt werden, dann haben Sie ein Problem“, begründet die Richterin ihre Entscheidung.

Das Urteil ist nur geringfügig milder als das aus 2020, gegen das Gzuz mit seinen Anwälten Berufung eingelegt hatte. Diese Strafe wird nicht nur ihn, sondern auch seine Anwälte aufregen, die sich vorher noch lautstark über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß empört hatten.

Gzuz ist vor dem Urteil nervös

Zum Start des Verhandlungstags liegt der Fokus noch auf dem Angeklagten Rapper: Er wirkt auf RTL-Reporterin Julia Freistedt nervös und unruhig. Gzuz wippt die ganze Zeit mit dem Bein, sein Anwalt muss ihn offenbar beruhigen. Was ihn so nervös macht? Vielleicht das Plädoyer der Staatsanwaltschaft: Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 225 Tagessätze zu je 2.000 Euro- also 450.000 Euro von dem Rapper. Der heute 33-Jährige soll einer jungen Frau ins Gesicht geschlagen, gegen das Waffengesetz verstoßen und Drogen besessen haben.

Staatsanwalt forderte eine Gefängnisstrafe

Weil Gzuz damals bereits unter Bewährung stand und mit den vorgeworfenen Taten gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hat, müsste er ins Gefängnis. Das hat ein Richter am Amtsgericht Hamburg schon im September 2020 so entschieden, wollte sogar, dass Gzuz für ein Jahr und sechs Monate hinter Gittern geht , doch der Rapper und seine Anwälte hatten das Urteil angefochten.

Bei Berufungsprozessen darf kein härteres Urteil gefällt werden, als im ersten Prozess. Die Staatsanwaltschaft fordert am Freitagmorgen nur eine minimal geringere Strafe, als 2020 bereits verhängt wurde. Damals sollte Gzuz neben der Inhaftierung auch 510.000 Euro Strafe zahlen. Die Verteidiger des Rappers forderten bei ihren Plädoyers am Donnerstag eine Geldstrafe von höchstens 28.000 Euro und keine Gefängnisstrafe, weil er nur wegen zwei Verstößen gegen das Waffengesetz zu verurteilen sei.

Staatsanwaltschaft: „Er ist nicht der Staatsfeind Nummer 1, wie er sich selbst bezeichnete"

Rapper Gzuz zwischen seinen Verteidigern Christopfer Posch (l.) und Ulf Dreckmann am vorletzten Prozesstag.
Rapper Gzuz zwischen seinen Verteidigern Christopfer Posch (l.) und Ulf Dreckmann am vorletzten Prozesstag.
www.imago-images.de, imago images/Andre Lenthe, Andre Lenthe Fotografie via www.imago-images.de

Der Staatsanwalt bleibt in seinem Plädoyer dabei, dass der Rapper auch wegen der angeklagten Körperverletzung und damit wegen dem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen ins Gefängnis muss. „Er ist nicht der Staatsfeind Nummer 1, wie er sich selbst bezeichnete. Irgendwann ist das Maß voll“, erklärt er.

Den Verteidigern des Rappers platzt währenddessen offenbar der Kragen, wie RTL-Reporterin Julia Freistedt beobachtet. Im Gerichtssaal würde gekeift und beleidigt werden - und das unter Anwälten. Doch es ist weniger die Haftstrafe, sondern eher die zu zahlende Geldsumme, die die Verteidiger aufregt. Verteidiger Ulf Dreckmann findet die Geldstrafe unverschämt hoch: „Wie kommt die Staatsanwaltschaft auf einen Tagessatz von 2000 Euro? Das ist absurd, das kann ich nicht verstehen“, beschwert er sich vor Gericht. Dreckmann wirft dem Staatsanwalt sogar Amtsmissbrauch vor, er würde den Angeklagten diffamieren, also den Ruf schädigen.

Angeklagter Gzuz: "Das würde ich heute nicht mehr machen"

Das letzte Wort vor dem Urteil hat immer der Angeklagte und Rapper Gzuz nutzt die Möglichkeit, sich geläutert zu präsentieren: „Ich bin heute nicht mehr der Mann, der ich damals war. Das würde ich heute nicht mehr machen“, erklärt er der Richterin. Er würde sich für alle Fehler in seinem Leben entschuldigen, er wäre älter geworden. „So eine Haftstrafe würde mir jetzt mies den Boden unter den Füßen wegziehen.“ So wie er sich in den Schlussworten darstellt, will der Gangster-Rapper offenbar kein Gangster mehr sein.