Urteil gegen Parship

Große Rechnung statt großer Liebe? So kassiert die Singlebörse Parship rechtswidrig Geld ab

08. Oktober 2020 - 16:08 Uhr

Parship-Vertrag widerrufen? Das wird oft teuer!

Wer sich bei Parship anmeldet, will eigentlich auf diesem Weg nur eins: die große Liebe finden. Entscheidet man sich allerdings dazu, den Vertrag nach der Anmeldung innerhalb der gesetzlichen 14-Tage-Frist doch zu widerrufen, winkt oft nur eine Menge Ärger. Denn obwohl Parship seinen Kunden zusichert, dass ein solcher Widerruf "kein Problem" sei und man nicht mal Gründe angeben müsse, berechnet Parship trotzdem Gebühren – nicht selten mehrere hundert Euro.

Zahlreiche Kunden fühlen sich abgezockt, wie Recherchen von RTL-Reporterin Wiebke Wittneben ergeben. Sie macht daraufhin den Selbstversuch und meldet sich bei Parship an, um ihre Mitgliedschaft anschließend zu widerrufen. Was ihr dabei passiert ist, sehen Sie im Video.

Parship fordert hohe Summen als "Wertersatz"

Wer seine Mitgliedschaft widerruft, muss bei Parship trotzdem einen sogenannten "Wertersatz" zahlen. Bei diesem wird unter anderem jeder Kontakt mit anderen Singles, den man auf dem Dating-Portal bis zum Zeitpunkt des Widerrufs hatte, berechnet - egal ob dieser positiv oder negativ war. Selbst ein "Lass mich in Ruhe" kann so teuer werden.

RTL-Zuschauerin fühlt sich von Parship abgezockt

Passiert ist das auch RTL-Zuschauerin Sabrina (Name von der Redaktion geändert): Die 36-Jährige hat nach der Anmeldung bei Parship schnell gemerkt, dass die Plattform doch nichts für sie ist, und hat ihre Mitgliedschaft widerrufen. Trotzdem buchte Parship Geld von ihrem Konto ab – und zwar ganze 257,89 Euro! Sabrina war entsetzt und enttäuscht, wie sie im Gespräch mit RTL erzählt: "Nach außen hin macht Parship einen sehr seriösen Eindruck (…) – dann wird man so enttäuscht und es ist plötzlich so unseriös." Wie Parship sie nach ihrem Widerruf unter Druck gesetzt habe, wie der Fall für sie ausging und was sie anderen Opfern rät, erzählt die 36-Jährige im Video.

Dort erklärt Anwalt Thomas Meier-Bading, der auf Datingportale spezialisiert ist, warum diese Praktiken rechtlich problematisch sind. Er und Michael Knobloch, Leiter der Verbraucherzentrale Hamburg, geben außerdem Tipps, worauf man beim Widerruf seiner Mitgliedschaft unbedingt achten sollte.

Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Klage gegen Parship erfolgreich

Die Klage gegen diese Praktiken ging bis vor den Europäischen Gerichtshof, der heute sein Urteil verkündet hat: Parship handelt demnach in der Tat rechtswidrig. Nur wenn im Vertrag ganz klar zu erkennen ist, welche Kosten gleich zu Beginn des Abos entstehen, dürfen die bei einem Widerruf auch eingefordert werden. Erbrachte Leistungen - der sogenannte "Wertersatz" -  innerhalb der Widerrufsfrist dürfen zwar anteilig berechnet werden, diese dürften aber nicht den Großteil des Preises für ein Jahresabo ausmachen.

Dieses Urteil könnte wegweisend sein für hunderte weitere Klagen, die allein dem Amtsgericht Hamburg vorliegen. Betroffene haben jetzt beste Chancen, ihr Geld größtenteils zurückzubekommen, allerdings kann es sein, dass jeder Einzelfall wiederum gerichtlich geklärt werden muss.