Bisher keine Hinweise auf Verletzung der Aufsichtspflicht

Schwäbisch Gmünd: Junge (3) verschwindet bei Kita-Ausflug und ertrinkt in Fluss

21. Januar 2020 - 23:57 Uhr

Schwäbisch Gmünd: Kleinkind entfernte sich unbemerkt von der Gruppe

Ein dreijähriges Kind ist in Schwäbisch Gmünd bei einem Kita-Ausflug offenbar in der Rems ertrunken. Der Junge war am Montagmittag mit der Gruppe des Kindergartens Regenbogenland auf einem Spielplatz am Ufer des Flusses. Das Kleinkind soll sich unbemerkt von den anderen entfernt und zum Ufer gelaufen sein. Als sein Fehlen bemerkt wurde, sei sofort eine Suche eingeleitet worden, heißt es auf der Homepage der Stadt. Dabei wurde der Junge leblos im Wasser gefunden. Wie die Kita und die Eltern jetzt mit der Situation umgehen - in unserem Video.

Kind stirbt in Krankenhaus

Rettungsdienst und Notarzt sollen den Jungen sofort versorgt haben. Trotz eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen sei er jedoch später im Krankenhaus verstorben. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zu den genaueren Umständen, die zu dem Unglück führten, aufgenommen. Zur Klärung der genauen Todesursache wurde seitens der Staatsanwaltschaft eine Obduktion angeordnet.

Joachim Bläse, Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, ist erschüttert. "Für mich ist das heute noch immer unfassbar", sagt er im RTL-Interview. Die Stadt ist Träger des Kindergartens, darum übernimmt der Bürgermeister die Verantwortung für das Unglück. "Das ist unverzeihlich. Ich kann es den Eltern ja auch nicht erklären", meint er. "Ich kann nur sagen: Mein Mitgefühl und ja, wir tragen die Verantwortung, aber das bringt ihnen ja auch das Kind nicht zurück."

Auf dem Spielplatz seien 19 Kindergartenkinder und drei Aufsichtspersonen gewesen, erklärt er. Trotzdem kam es zu dem tragischen Unglück. Er ist in Gedanken auch bei den Mitarbeitern der Kita, die die Kinder auf den Spielplatz begleitet haben. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das mit dir macht, wenn ich weiß, ich habe da die Verantwortung gehabt und ein Kind aus meiner Gruppe kommt nicht mit zurück", sagt Bläse. Die Betroffenen seien vorerst nicht in der Lage weiterzuarbeiten.

Kinder, Eltern und Erzieher werden psychologisch betreut

Baden-Württemberg, Schwäbisch Gmünd: Das Licht von einem Supermarkt fällt auf einen Spielplatz nahe der Rems. Ein dreijähriger Junge, der dort mit seiner Kindergartengruppe gespielt hatte, ist vermutlich in der Rems ertrunken. Foto: Chris
Auf diesem Spielplatz an der Rems war die Kita-Gruppe, als der Junge verschwand.
© dpa, Christoph Schmidt, cdt jai

Das Team des Kindergartens Regenbogenland im Unipark werde nun psychologisch betreut. Direkt nach dem Unglück hätte sich ein Kriseninterventionsteam um Erzieher, Kinder und Eltern gekümmert. Weil das bei weitem nicht gereicht habe, wurden auch noch zwei Notfallseelsorger dazu geholt, erklärte der Bürgermeister.

Auch andere Erzieherinnen, die zwar bei dem Unglück nicht dabei waren, aber das verstorbene Kind kannten, seien zusammengebrochen, so Bläse. Ein Kinderpsychologe aus der Stadt habe seine Praxis mehr oder weniger geschlossen, um sich ausschließlich um die betroffene Kita zu kümmern. 

Betreuung im Kindergarten in Schwäbisch Gmünd läuft weiter

Die Betreuung im Kindergarten werde weitergeführt. Alle Mitarbeiter, die sich in der Lage fühlten, zu arbeiten, seien wieder im Einsatz. Gerade in einer solchen schwierigen Situation sei es für die Kinder in den Gruppen wichtig, in einer gewohnten Umgebung von vertrauten Erzieherinnen und Erziehern betreut zu werden.

Der Bürgermeister kündigte außerdem an, die Standards für solche Ausflüge zu überprüfen. "Jetzt wird alles hinterfragt", sagte er. Bis das Vertrauen der Eltern wiederhergestellt sei, könne es aber dauern. Dafür muss zuerst einmal geklärt werden, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Konkrete Hinweise, dass die Erzieher ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, gäbe es bisher allerdings nicht, sagte ein Polizeisprecher.