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Menschen mit Behinderung in der Corona-Pandemie

Ungeimpft und vergessen? "Die Nerven liegen blank"

Behinderte Menschen in der Pandemie: Raul Krauthausen lebt seit einem Jahr in Isolation
Behinderte Menschen in der Pandemie: Raul Krauthausen lebt seit einem Jahr in Isolation
© dpa, Soeren Stache, soe exa

01. März 2021 - 14:56 Uhr

Schwerbehinderte beklagen in Debatte um Impf-Priorisierung keine Rolle zu spielen

Wer darf ab wann geimpft werden? In welche Prioritätengruppe gehören Lehrer, Erzieher oder andere systemrelevante Berufsgruppen? Doch wenn es um die Belange von rund acht Millionen schwerbehinderten Menschen in Deutschland geht, taucht ein Wort immer wieder auf: vergessen. Menschen mit Behinderung kommen nur mit bestimmten Diagnosen oder nach einer Einzelfallentscheidung an eine frühere Impfung. Und das, obwohl für viele von ihnen eine Covid-19-Erkrankung nach Angaben von Verbänden und Betroffenen schwerwiegende Folgen haben könnte.

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Raul Krauthausen: "Die Nerven liegen blank"

Der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen lebt mit der Glasknochenkrankheit und ist kleinwüchsig. "Ich bin seit letztem März in Selbstisolation", erzählt er. "Ich gehe nur noch zum Spazieren raus, aber treffe mich mit niemanden." Weil er ein kleines Lungenvolumen habe, wolle er auf keinen Fall eine Infektion mit dem Coronavirus riskieren. Ein absehbarer Ausweg aus der aktuellen Situation sei das Impfen - doch einen Impftermin habe er trotz Bemühungen noch nicht bekommen.

TVNOW-Doku zeigt, was in der aktuellen Impf-Situation schief läuft

TVNOW-Doku zeigt, was in der aktuellen Impf-Situation schief läuft

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel (SPD), erzählt von etlichen Betroffenen, die sich seit Monaten zu Hause isolieren, weil sie um ihr erhöhtes Risiko wissen: "Das ist eine große psychische Belastung für die Menschen", sagt er. Ähnliches hört man von Sozialverbänden.

Krauthausen formuliert es etwas drastischer: "Die Nerven liegen blank". Er erzählt von fehlenden Desinfektionsmitteln zu Beginn der Pandemie. Von fehlenden Testmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung und deren Betreuern vergangenes Jahr. Von mangelnder Berücksichtigung bei den Impfplänen. Sein Fazit: "Da könnte man schon fast von Boshaftigkeit ausgehen, wenn das wiederholt vergessen wird."

„Diese Menschen jetzt dafür zu bestrafen, dass sie so wenige sind, ist schwierig“

Den Vorwurf, die Betroffenen vergessen zu haben, will die Bundesregierung nicht auf sich sitzen lassen. Das Sozialministerium betont, ihre Belange im Blick zu haben. Man sei im ständigen Austausch mit Verbänden und Organisationen. Und bei der Ausarbeitung der Impfverordnungen verweist das Gesundheitsministerium auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Nur: In den Empfehlungen werden die Personengruppen abgebildet, für die es genügend wissenschaftliche Daten zur Ansteckung und zum Krankheitsverlauf gibt. Menschen mit seltenen Diagnosen sollen laut Impfverordnung zwar mit Attest auch vorrangig zum Zug kommen können - in der Praxis haben es Querschnittsgelähmte und viele andere Betroffene aber schwer, das durchzusetzen. Krauthausen meint: "Diese Menschen jetzt dafür zu bestrafen, dass sie so wenige sind, ist schwierig." Insbesondere Menschen, die selbstbestimmt zu Hause leben, und nicht in einer Einrichtung der großen Wohlfahrtsverbände, hätten keine Lobby. Dabei könnte man von ihnen in der Coronavirus-Pandemie auch lernen.

Lockdown: Lernen von Menschen mit Behinderung

Lockdown, keine spontanen Treffen, ein eingegrenzter Bewegungsradius - das erleben gerade alle Menschen. "Diese Lockdown-Erfahrung haben behinderte Menschen schon immer", sagt Krauthausen. Als Gesellschaft könne man von Menschen mit Behinderung also gerade viel darüber lernen, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. "Menschen mit Behinderung könnten nicht immer nur als Opfer gesehen werden - sondern als Coaches."

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Quelle: DPA/ RTL.de

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