Nach erstaunlichem Sex-Urteil in Frankreich

Dienstreise: Sind Arbeitnehmer in jedem Fall versichert?

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12. September 2019 - 18:12 Uhr

Achtung! Gesetzliche Unfallversicherung greift nicht immer

Ein Franzose starb während seiner Dienstreise - als er im Hotelzimmer Sex hatte. Das französische Gericht erkannte den Tod tatsächlich als Arbeitsunfall an und sprach der Familie Entschädigung zu. Würde das Urteil in Deutschland auch so aussehen? In welchen Situationen greift die gesetzliche Unfallversicherung – und wann nicht? Sebastian Rohrbach, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Köln, klärt die wichtigsten Fragen.

Haustür, Flughafen, Hotel: Ab wann bin ich auf der Dienstreise unfallversichert?

Sebastian Rohrbach: "Der Versicherungsschutz gilt ab der Haustür während der gesamten Reise, von Anfang bis Ende. Davon ausgenommen sind allerdings – wie übrigens auch beim normalen Arbeitsweg – Umwege, die durch rein private Angelegenheiten zustande kommen. Gehe ich etwa aus eigenem Wunsch lieber noch eine Runde spazieren, statt direkt zu meinem Hotel, greift die Unfallversicherung durch den Arbeitgeber im Zweifelsfall nicht. Das ist auch der Fall, wenn Arbeitnehmer beispielsweise im Hotelzimmer stürzen und sich verletzen."

Das musste auch eine 62-jährige Frankfurterin feststellen: Sie stürzte während einer Dienstreise in Portugal bei einem privaten Telefonat, brach sich den Oberschenkel - doch die Versicherung zahlte nicht.

Wie sieht es bei einem Geschäftsessen aus?

Sebastian Rohrbach: "Für die Unfallversicherung ist nicht zwingend entscheidend, ob es sich um Arbeitszeit im regulären Sinne handelt, das Essen also zum Beispiel erst am Abend stattfindet. Der dienstliche Aspekt dürfte dann also im Vordergrund stehen, der Weg zum Treffen und die dort verbrachte Zeit müssten also mitversichert sein. Gegebenenfalls wird hier allerdings nach Arbeitszeit entschieden."

Muss ich als Arbeitnehmer irgendwelche Vorkehrungen treffen?

Der Arbeitnehmer selbst ist nicht in der Pflicht. Der Arbeitgeber allerdings sollte für seine Mitarbeiter eine sogenannte A1-Bescheinigung, auch Entsendebestätigung, beantragen, sobald er sie auf Dienstreise in Europa schickt – auch, wenn es nur für kurze Zeit ist.

Sebastian Rohrbach erklärt: "Diese Entsendebestätigung dient als Nachweis, dass Unfälle und Krankheitsfälle direkt über die Versicherung abgegolten werden. Kann der Arbeitnehmer beispielsweise im Krankenhaus im Ausland keine vorweisen, ist er trotz allem versichert – es kann allerdings passieren, dass er für die Behandlung in Vorkasse gehen und den Betrag beim Arbeitgeber zurückfordern muss."