15 Mal soll er zugestochen haben

Um Zeit für seine Geliebte zu haben: Mann (37) soll seine Ehefrau (34) ermordet haben

Marco S. muss sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen Mordes aus Habgier verantworten.
Marco S. muss sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen Mordes aus Habgier verantworten.
© dpa, Swen Pförtner, spf nwi

11. Juni 2021 - 16:19 Uhr

Prozess vor dem Landgericht Braunschweig

Es geht um eine Affäre, Geld und eine drohende Scheidung. Weil Marco S. aus Helmstedt sich trotz einer außerehelichen Beziehung nicht von seiner Ehefrau trennen will, ersticht er im September 2020 die ahnungslose Frau – so lautet zumindest die Anklage. Der Anstoß sollen finanziellen Gründe gewesen sein. Seit Dezember sitzt der 37-Jährige in Untersuchungshaft. Nun muss er sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen Mordes aus Habgier verantworten.

Warum musste Anne-Kathrin S. sterben?

Laut Anklage hatte Marco S. seit Juli 2020 eine Affäre. Seine Frau war in Elternzeit und jobbte an der Tankstelle. Während sie bei der Arbeit war, soll sich der Familienvater mit seiner Geliebten getroffen haben. Als Anne-Kathrin S.davon erfuhr, soll sie ihren Ehemann vor die Wahl gestellt haben. Er habe sich für seine Frau und die 11 Monate alte Tochter entschieden. Trotzdem soll der Angeklagte sich weiterhin mit seiner Geliebten getroffen haben. Eine Scheidung von seiner Frau soll er aus finanziellen Gründen nicht gewollt haben. Um sein Leben trotzdem mit seiner Geliebten verbringen zu können, soll er daher beschlossen haben, Anne-Kathrin S. zu töten.

15 Mal soll der Tatverdächtige zugestochen haben

Am Morgen des 09. Septembers soll Anne-Kathrin S. nackt auf der Bettkante gesessen haben, als ihr Mann das Schlafzimmer betrat. In der Hand hatte er laut Anklage ein Küchenmesser mit langer Klinge, um seine ahnungslose Frau zu töten. Mit großer Wucht soll er insgesamt 15 Mal auf ihre Schultern und den Brust- und Bauchbereich eingestochen haben. Anne-Kathrin S. versuchte wohl, den unerwarteten Angriff abzuwehren. Dabei zog sie sich Schnittverletzungen an den Händen und am Unterarm zu. Doch es gelang ihr nicht mehr, das Bett zu verlassen. Sie starb an inneren und äußeren Verblutungen.

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„Ich habe nur gesehen, dass er Blut an den Händen hatte“

Beim Prozessauftakt sitzt die Mutter von Anne-Kathrin S. als Nebenklägern im Gerichtssaal. Laut Erika K. kannte das Paar sich seit der Kindheit. "Marco ist ihre große Liebe gewesen", erklärt die 67-Jährige. Jahrelang hätten Marco und Anne-Kathrin S. versucht, ein Kind zu bekommen. Mithilfe von einem Kinderwunsch-Zentrum sei im Dezember 2019 dann die gemeinsame Tochter zur Welt gekommen. Von der Affäre habe die Mutter des Opfers nicht gewusst. "Bis jetzt habe ich immer gedacht, er hält zu Anne-Kathrin". Ihren Schwiegersohn beschreibt sie als hilfsbereiten, fröhlichen Menschen. "Soweit wir das wissen, ist er liebevoll mit Anne-Kathrin umgegangen."


Am Todestag ihrer Tochter habe Marco S. seine Schwiegereltern morgens angerufen, "weil Anne-Kathrin etwas Schlimmes passiert ist." Polizei, Rettungsdienst und der Notarzt seien bereits vor Ort gewesen. "Ich habe nur gesehen, dass er Blut an den Händen hatte", erinnert sich Erika K. Ihr Mann habe sich um die kleine Tochter des Paares im Nebenzimmer des Tatorts gekümmert. "Anne-Kathrin lag da immer noch, ich durfte sie nicht sehen, das war furchtbar." Bei dieser Aussage bricht die Rentnerin in Tränen aus. Seitdem ihr Schwiegersohn festgenommen wurde, kümmern sich die Eltern von Anne-Kathrin S. um ihre kleine Enkelin.

Erika K.: Angeklagter sprach von Mord

Marco S. schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen. Seiner Schwiegermutter gegenüber habe er sich aber geäußert, erklärt sie vor Gericht. "Wir haben von der Mutter der Verstorbenen gehört, dass der Angeklagte an diesem Morgen schon gearbeitet hatte und dann nochmal zurückgekommen ist, und da die Tochter gefunden haben soll", erklärt Stefan Bauer-Schade, Pressesprecher des Landgericht Braunschweigs, gegenüber RTL Nord. gegenüber Erika K. soll er behauptet haben, er habe sein Auto gebraucht. Seine Frau habe ihm nicht geantwortet, deswegen sei er in ihr Zimmer gegangen. Als er sie gesehen habe, habe er den Notruf gewählt. Gegenüber seinen Schwiegermutter soll er erzählt haben, "dass jemand gekommen ist und sie ermordet hat." Der Notarzt habe ihn aufgefordert, seine Frau zu untersuchen – daher die blutigen Hände. In zehn weiteren Verhandlungstagen wird das Gericht nun versuchen, herauszufinden, warum Anne-Kathrin S. sterben musste. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht Marco S. eine lebenslange Freiheitsstrafe. (lzi)