Parallel zu Grundschul-Regelung

NRW-Minister will Quarantäne-Pflicht für Kitagruppen abschaffen

NRW-Minister will Quarantäne-Pflicht für Kitagruppen abschaffen
NRW-Minister will Quarantäne-Pflicht für Kitagruppen abschaffen
© dpa, Monika Skolimowska, skm lof wa gfh

02. September 2021 - 13:58 Uhr

Wie soll mit Kitas umgegangen werden?

Die Debatte um die Quarantäne-Regelung an NRWs Grundschulen ist in vollem Gang, da stößt der zuständige Familienminister schon einen neue an: Wie soll künftig parallel zu den Schulen mit Kitas umgegangen werden? Auch hier hat der Minister eine klare Vorstellung. Ob er damit allerdings die Opposition überzeugen kann, ist fraglich.

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Stamp: Nur nachweislich infizierte Kinder in Quarantäne

In Nordrhein-Westfalen streiten die Landesregierung aus CDU und FDP und die Oppositionspartei der SPD aktuell darüber, wie lange und vor allem auch wie viele Kinder in Quarantäne müssen, wenn sich ein Schüler infiziert. Geht es nach Schulministerin Yvonne Gebauer, soll künftig nur noch das infizierte Kind selbst nach Hause geschickt werden, nicht aber die Sitznachbarn. "Kontrollverlust" befürchtet hingegen die SPD in NRW.

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Jetzt setzt Familienminister Joachim Stamp noch eins obendrauf. Er will nun parallel zur Forderung seiner Parteikollegin die gleiche Regelung für Kitas: Nur noch nachweislich infizierte Kinder sollten in Quarantäne und nicht mehr ganze Gruppen, so Stamp. Einen ähnlichen Vorschlag hatte er schon einmal Ende Juli gemacht.

Heftige Kritik der Opposition erwartet

Die FDP fährt damit auf dem Zug der Bundespartei mit, die schon vor Wochen die Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert hatte. Ein geordneter Kita-Betrieb sei nur dann möglich, wenn bei einer festgestellten Infektion nicht regelmäßig die gesamte Kita-Gruppe in Quarantäne müsse, sagte Stamp. "Wir brauchen hier in jedem Fall eine Anpassung."

In einer Sondersitzung des Landtages ist mit heftigem Widerstand gegen Stamps Pläne zu rechnen. Schon in Bezug auf die Lockerungen in Schulen hatte der Fraktionsvorsitzende der SPD Thomas Kutschaty gesagt, man wolle "nicht länger zusehen, dass die Landesregierung schulterzuckend diese dramatischen Zahlen bei den Kindern" .

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Karliczek weiter für Maskenpflicht an Schulen

Und auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek warnt eher vor Lockerungen. Zwar äußerte auch sie sich positiv zu einer Verkürzung der Quarantäne, sprach sich aber gleichzeitig gegen eine Lockerung der Maskenpflicht an Schulen aus. "Wenn wir die Maskenpflicht beibehalten, dann werden wir es auch schaffen den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten. Und das ist doch das Ziel", sagte Karliczek im RTL/ntv Frühstart. "Die Masken beibehalten sind einfach das einfachste Mittel dafür zu sorgen, dass möglichst wenige sich anstecken. Wenn wir das schaffen, dass wir die Maskenpflicht beibehalten, dann werden wir es auch auf jeden Fall schaffen, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten."

Hohe Inzidenzen bei Kindern

Bei den 0- bis 4-Jährigen lag die Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeszentrums Gesundheit vom Donnerstag bei 136,3. Nach einem wochenlangen Anstieg war der Wert damit erstmals wieder gesunken. Bei den 5- bis 9-Jährigen lag die Inzidenz bereits bei 324,2.

Trotzdem will Stamp lockern. Mit Blick auf die "vergangenen schweren Zeiten" sei es derzeit "nicht vorstellbar, Bildungs- und Freizeitangebote wieder einzuschränken", so der NRW-Familienminister "Wir wollen Kindern frühkindliche Bildung weiter in vollem Umfang ermöglichen."

Von den landesweit rund 10.600 Kitas in NRW waren nach Angaben Stamps im Laufe des Augusts 348 teilweise und 49 komplett geschlossen. 514 Kinder und 215 Beschäftigte seien im August als infiziert gemeldet worden. Auf dem Höhepunkt der Pandemie im April waren Corona-Infektionen bei mehr als 2.300 Kindern und fast 1.270 Kita-Mitarbeitern festgestellt worden.

(dpa, sst)

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