Tricksen und manipulieren im Auftrag des Kremls

Trolle packen aus: Russlands geheime Cyber-Armee

26. November 2020 - 18:10 Uhr

Schlagkräftige Truppe mit Profi-Hackern und Trollen

Wenn es um die Interessen Russlands geht, dann ist Kremlchef Putin nicht zimperlich. Er führt Krieg – im Verborgenen – mit einer Cyber-Armee aus kriminellen Hackern und sogenannten Trollen, die gezielt Fake-News verbreiten. Ein System, das auf Abschreckung und Angst setzt. Wir haben mit ehemaligen Mitgliedern dieser Troll-Armee gesprochen. Wie sie arbeiten, wie sie unter Druck gesetzt werden – in unserem Video.

Journalisten besonders im Visier

Haende schreiben auf einer Computertastatur. Berlin, 05.02.2018 Berlin Deutschland *** Hands writing on a computer keyboard Berlin 05 02 2018 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xThomasxTrutschel/photothek.netx
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Die Aufgabe dieser staatlich beschäftigten Unruhestifter: Falsche Informationen verbreiten, gefälschte Videos und Fotos in Umlauf bringen oder auch vertrauliche Informationen von Menschen veröffentlichen, denen geschadet werden soll. Üble Nachrede, Verleumdung, die Bandbreite ist groß und der kriminellen Energie kaum Grenzen gesetzt.

Betroffene: Kremkritische Russen, besonders solche, die Präsident Wladimir Putin mit Argwohn betrachten und seine Machenschaften öffentlich hinterfragen. Besonders häufig betroffen sind kritische Journalisten.

Trolle hatten bei der US-Wahl 2016 die Hände im Spiel

Ferner im Visier: Ausländische Politiker und alles, was Russlands Interessen nach Meinung seiner Lenker dienen könnte. So gilt es als sicher, dass Russland mit gezielten Aktionen in sozialen Netzwerken Einfluss auf die US-Wahlen 2016 ausgeübt hat, um die Chancen des Kandidaten Donald Trump zu erhöhen.

Als Hotspot der russischen Troll-Szene gilt Sankt Petersburg. In regelrechten Troll-Fabriken wird sozusagen im Akkord geschummelt, gelogen und manipuliert, was das Zeig hält.N

Gutbezahlte Zehn-Stunden-Schichten am Rechner

Petersburg
Hinter unauffälligen Fassaden wie dieser verbergen sich in Sankt Petersburg die „Kasernen“ der russischen Troll-Armee

ach folgendem Strickmuster: "Pro Tag musste man etwa 10 Posts machen. Dir werden 10 Themen zugeschickt. Danach haben sie das erhöht: Am Ende waren es 12 Posts und 50 Kommentare pro Tag. Alles wird kontrolliert, sie checken das dann durch und dann sagt dir ein Vorgesetzter entweder, was du ändern musst, oder, wenn alles gut ist, wird es sofort ins Netz gestellt", erzählt die ehemalige Trollin Olga von ihren Zehn-Stunden-Schichten am Rechner.

Jeder Troll legt täglich Dutzende neue Profile an und sucht Follower: Auf sozialen Netzwerken postet Russlands Troll-Armee Fake News und Stimmungsmache im Sinne der eigenen Regierung. Für das ständige Produzieren ihrer vergifteten Nachrichten werden die Trolle recht gut bezahlt: etwa 1.000 Euro gibt es pro Monat, das ist deutlich mehr als der Durchschnittslohn.