Georgios K. starb mit seiner neun Wochen alten Tochter Virginia

„Er war so ein lieber, guter Mensch“: Große Trauer um Opfer des Amok-Rasers von Trier

05. Dezember 2020 - 9:52 Uhr

Menschen trauern um ihren Arzt und einen besonderen Menschen

Ein Stadt steht unter Schock, nur langsam löst sich Trier aus der Starre nach der tödlichen Amokfahrt. Fünf Menschen sind tot, darunter ein neun Wochen altes Baby und sein Vater. Georgios K., ein Zahnarzt. Seine Patienten haben ihn geliebt. Als Arzt, als ganz besonderen Menschen. Vor dem Haus der Praxis haben sie Kerzen, aufgestellt, Karten liegen dort, eine kleine Engelsfigur. Viele, die vorüberkommen, bleiben stehen. Die Trauer ist spürbar, es ist, als könne man sie mit den Händen greifen. Mehr – in unserem Video.

Patientin über Zahnarzt: "Er war so ein stolzer Papa"

Monika Engel
Monika Engel

Monika Engel war eine seiner Patientinnen, hätte am Dienstagnachmittag einen Termin gehabt. Eine halbe Stunde vorher bekommt sie einen Anruf. Doktor K. sei bei einem Autounfall schwer verletzt worden, der Termin müsse ausfallen. Sie sei geschockt gewesen, sagt sie. Noch gefasst. Dann wird ihre Stimme brüchig, die 69-Jährige weint. "Er war so ein lieber, guter Mensch", sagt sie unter Tränen. Monika Engel ist auf dem Weg in die Praxis, als unser Reporter mit ihr spricht. Sie möchte den Helferinnen, "den Mädchen", wie sie sagt, wenigstens ein paar Kekse bringen. Ein rührendes Zeichen der Anteilnahme.

Auch Jessica Mayer war seine Patientin. "Er war so nett. Kindern hat er immer die Angst genommen", sagt sie. Auch ihr selbst. "Total liebevoll" habe sie ihn erlebt. Die 18-Jährige berichtet beeindruckt, wie sich der Arzt über die Geburt seines Kindes gefreut hat. Sie erinnert sich, wie begeistert er war. "Er war so ein stolzer Papa", sagt sie. Oft fuhr er mit dem Kinderwagen sein Töchterchen aus, fröhlich und unbeschwert, Bis zum Dienstagmittag.

„Er war nicht nur ein Zahnarzt. Für mich war er ein Freund“

Jessica Mayer
Jessica Mayer

Jessicas Eltern Ralf und Sandy Meyer kannten Georgios K. gut, waren ebenfalls bei ihm in Behandlung. Es sei schwer, sagt Sandy Mayer. "Ein herzensguter Mensch", schluchzt sie. Sie sei unendlich traurig. "Es hat mich sehr getroffen", sagt sie, mühsam um Fassung bemüht. Drei Jahre lang war sie seine Patientin, er hat ihr die Zahnarztphobie genommen. Sie trauert um den Menschen Georgios K., der immer ansprechbar gewesen sei. Oft habe man sich privat unterhalten, immer habe er Zeit für ein Gespräch gehabt.

"Er war nicht nur ein Zahnarzt. Für mich war er ein Freund", ergänzt ihr Ehemann Ralf. "Das Gefühl ist unbeschreiblich im Moment. Die Welt zerbricht", sagt er leise. Seine jüngere Tochter Jamie fragt sich: "Warum? Die guten Menschen werden immer bestraft."