Fatale Fehldiagnose!

Ärzte halten Immunkrankheit für Mandelentzündung - Teenie (17) stirbt

Die 17-jährige Leah Rogers posiert in einem Café.
Leah Rogers ist nur 17 Jahre alt geworden. Grund dafür ist eine seltene Immunerkrankung.
WALES NEWS SERVICE

von Giulia Asbeck

Sie hatte das ganze Leben noch vor sich: Leah Rogers aus Neath in Wales stirbt mit nur 17 Jahren. Ihre Familie ist am Boden zerstört. Denn das Traurigste an der Geschichte ist, dass eine Fehldiagnose daran schuld sein soll, dass Leah nicht mehr lebt. Wie kann das sein? Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht schätzt den Fall für uns ein.

Erste Diagnose: Mandelentzündung

Als Leah Rogers nach ihrem ersten Urlaub mit Freunden zum Arzt geht, steht ihre Diagnose schnell fest. Wie die britische Zeitung „Mirror“ berichtet, soll sie eine Mandelentzündung haben. Zwar schmerzhaft, aber nicht weiter gefährlich. Was die Ärzte noch nicht ahnen: Hinter den Symptomen der 17-Jährigen verbirgt sich eine seltene Immunerkrankung. Genauer gesagt, eine hämophagozytische Lymphohistiozytose. Erst als sich Leahs Zustand trotz Antibiotika-Behandlung immer weiter verschlechtert, ahnen die Ärzte, dass es nicht nur eine Mandelentzündung sein kann. Doch dafür ist es dann zu spät. Am 7. Juni stirbt Leah Rogers an Organversagen.

Was ist eine hämophagozytische Lymphohistiozytose?

Aber was ist überhaupt eine hämophagozytische Lymphohistiozytose? Vereinfacht gesagt ist es eine Überfunktion des Immunsystems , so Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht. „Es ist eine Störung des Immunsystems, die angeboren sein kann, aber auch aufgrund von einer vorausgegangenen Krankheit entstehen kann.“ Eigentlich kümmere sich unser Immunsystem darum, dass fremde Zellen, Viren, Bakterien, Keime unschädlich gemacht werden. Antikörper kämpfen gegen die fremden Zellen an oder sogenannte Fresszellen eliminieren diese. Das Gefährliche bei dieser Immunerkrankung sei, „dass die Fresszellen nicht mehr zu stoppen sind. Der fremde Erreger ist schon längst weg, aber das Immunsystem ist außer Kontrolle. Es kann nicht mehr gebremst werden.“ Und dadurch werden auch gesunde Zellen vom eigenen Immunsystem angegriffen.

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Krankheit führt unbehandelt zum Tod

Leah Rogers sei kein Einzelfall, dennoch sei diese Krankheit sehr selten. Laut Specht gebe es nicht einmal konkrete Zahlen, wie viele Personen an einer hämophagozytische Lymphohistiozytose leiden. Fest stehe aber, dass diese Krankheit unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tod führen könne. Die Symptome der Krankheit seien dabei vielfältig: Fieber, Gelbsucht , Wasseransammlungen in Geweben, Leberschmerzen und vieles mehr.

Was passiert bei einer hämophagozytische Lymphohistiozytose im Körper?

Laut dem „Mirror“ haben Leah Rogers Ärzte die Krankheit mit einer Mandelentzündung verwechselt. Specht vermutet etwas anderes: „Die Ärzte haben es vielleicht nicht mit einer Mandelentzündung verwechselt. Sie mag eine Mandelentzündung gehabt haben, das ist gut denkbar. Und vielleicht war die Mandelentzündung der Auslöser für die Immunkrankheit.“ Hätten die Ärzte frühzeitig erkannt, dass das verabreichte Antibiotikum bei der 17-Jährigen nicht wirkt, hätte man ihr Cortison verabreichen müssen. „Wenn man das frühzeitig gewusst hätte, hätte sie überleben können“, so Specht.

Für Leahs Familie ist vermutlich genau das das Allerschlimmste: „Wir alle können es einfach nicht begreifen - wir denken, dass dies nur ein böser Traum ist, aus dem wir eines Tages aufwachen und sie wieder da sein wird“, zitiert der „Mirror“ Leahs Vater Hugh Rogers. Die Familie hat mittlerweile eine Spendenaktion ins Leben gerufen, damit die Krankheit besser erforscht und andere geschützt werden können: „Wir hoffen, dass wir andere davor bewahren können, Ähnliches durchzumachen.“