Menschenverachtende Bedingungen in türkischer Textilbranche

Todkrank durch Jeans-Bleaching: "Ich habe damit alles kaputt gemacht - meine Gesundheit und mein Leben"

"Ich habe damit mein Leben kaputt gemacht" Todkrank durch Modetrend Jeans-Bleaching
06:36 min
Todkrank durch Modetrend Jeans-Bleaching
"Ich habe damit mein Leben kaputt gemacht"

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von Yasemin Yavuz

Kaufen wir eine Jeans, schauen wir meist vor allem nach drei Dingen: dem Schnitt, der Waschung und dem Preis. Wie die neue Hose zu ihrem Look gekommen ist, darüber machen wir uns meist keine Gedanken. Und schon gar nicht darüber, ob Menschen dadurch womöglich todkrank werden. Ein Fehler, wie ein Besuch in der türkischen Textilbranche zeigt.

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"Ich habe sieben Kinder, also war ich gezwungen, Geld zu verdienen"

Blau, schwarz, used oder cropped – Jeans gibt es in allen Farben, Formen und Styles. Damit sie ihren tollen Look bekommen und dennoch für Kunden bezahlbar sind, arbeiten viele große Modemarken mit Textilfirmen in Ländern mit günstigeren Produktionsbedingungen zusammen.

In der Türkei werden darum Millionen Jeans produziert, die wir dann in unseren Geschäften finden. Das Problem: Die beliebten Hosen werden hier oft unter menschenverachtenden Umständen hergestellt. Für teilweise 50 Euro im Monat schuften Textilarbeiter rund 13 Stunden täglich, hantieren dabei mit hochgiftigen Stoffen.

Mehmet Bekir Basak hat mehr als 15 Jahre in der türkischen Textilindustrie gearbeitet, war jahrelang für die Bleichung von Jeans mit Hochruck-Sandstrahlern zuständig – jetzt ist er todkrank. Der 52-Jährige hat Silikose, eine sogenannte Staublunge. Viele seiner Kollegen sind bereits an der unheilbaren Krankheit gestorben. Heute sagt er: „Ich habe sieben Kinder, also war ich gezwungen, Geld zu verdienen und habe damit alles kaputt gemacht - meine Gesundheit und mein Leben.“

Wie nun versucht wird, die Bedingungen für Textilarbeiter zu verbessern und warum es sogar ein Fünkchen Hoffnung gibt, zeigen wir im Video oben. (akr)

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