Hollywood-Star Alec Baldwin (63) tötet Kamerafrau Halyna Hutchins (†42)

Ermittler spricht von mehreren Schießübungen mit scharfer Munition am Set

27. Oktober 2021 - 19:53 Uhr

Alec Baldwin (63) weiterhin Teil

Der tragische Tod von Halyna Hutchins (†42) hat die ganze Filmindustrie in Schockstarre versetzt. Sie wurde bei Dreharbeiten des Low-Budget-Westerns "Rust" von Hollywood-Star Alec Baldwina aus Versehen durch einen Schuss tödlich verletzt. Knapp eine Woche danach nennen die Behörden in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexiko weitere Details zum Tragödie am Set – im Video.

Nach tödlichem Schuss am Filmset: Es sind noch viele Fragen offen

Nach intensiven Ermittlungen seien rund 600 Beweisstücke am Tatort gesammelt worden, teilte Sheriff Adan Mendoza am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Santa Fe mit. Die Waffe, mit der Hutchins tödlich verletzt worden ist, sowie mehrere Patronen befinden sich derzeit im Besitz der Polizei. "Wir arbeiten gründlich daran, weitere Beweismittel zu sammeln und zu analysieren", sagte Mendoza.

Die Waffe, die Baldwin am Set benutzt hat, enthielt nach Angaben von Mendoza scharfe Munition. Es gebe Hinweise, dass sich noch mehr scharfe Munition am Set befand. Dazu seien aber weitere Untersuchungen nötig.

Weiter bestätigte der Sheriff, dass es zuvor mindestens eine Schießübung mit scharfer Munition am Set gab. Die Ermittler vermuten, dass es weitere gegeben haben könnte.

Für eine Anklage sei es nach derzeitigem Stand der Ermittlungen noch zu früh, sagte die zuständige Bezirks-Staatsanwältin Mary Carmack-Altwies. "Wenn wir der Auffassung sind, dass genug vorliegt für eine Anklage, werden wir eine Anklage erheben", so die Anwältin. Alle Beteiligten, darunter auch Baldwin, würden mit der Polizei kooperieren. Der Schauspieler sei Teil der Ermittlungen.

„Es war eine echte Waffe“

Die Staatsanwältin stellte zuvor im Interview mit der "New York Times" klar, dass es sich dabei nach bisherigen Erkenntnissen nicht bloß um eine "Prop-Gun", also um eine Requisitenwaffe gehandelt habe, die realen Waffen nur ähnele. Die in einigen Gerichtsdokumenten zu dem Fall benutzte Terminologie sei irreführend, denn es habe sich um eine echte Pistole gehandelt. "Es war eine echte Waffe", sagte Carmack-Altwies.

Was es genau für eine Feuerwaffe war, sagte sie nicht, beschrieb sie aber als eine antike Waffe, die zu der Ära passe, in der der Film spielt. Der Western "Rust" ist im 19. Jahrhundert angesiedelt.

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Regieassistent hatte die Waffe Baldwin übergeben

Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten auf einer Filmranch in New Mexico war am vorigen Donnerstag die 42 Jahre alte Chef-Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt worden. Hauptdarsteller Baldwin (63) hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert.

Laut einem Polizeibericht hatte der Regieassistent dem Schauspieler bei der Übergabe der Pistole gesagt, dass es sich um eine "kalte Waffe", ohne Munition handele. Der Assistent habe nach eigener Aussage nicht gewusst, dass eine Patrone in der Waffe steckte.

Regisseur Joel Souza (48) war bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen. Souza stand zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls hinter der Kamerafrau. Die Dreharbeiten für den Western wurden ausgesetzt.

Der Filmwaffenexperte und Stunt-Koordinator Steve Wolf sagte dem Sender CNN, eine reguläre Requisitenwaffe lasse sich nicht mit scharfer Munition laden. Die Patronen passten nicht hinein, ergänzte er und demonstrierte dies anhand eines Requisitenrevolvers.

Ermittlungen könnten sich über Wochen hinziehen

Staatsanwältin Carmack-Altwies zufolge könnten sich die Ermittlungen über Wochen oder Monate hinziehen, ehe es zu einer möglichen Anklage kommen könnte. Es habe "große Mengen" von Munition am Set gegeben, sage die Staatsanwältin der "New York Times". Nach Angaben der Polizei seien bei der Durchsuchung des Drehorts drei Revolver, gebrauchte Patronen und Munition unter anderem in Schachteln, lose und in einer Gürteltasche gefunden worden.

Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe übergab, sei 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls bei einem Film entlassen worden, berichteten zahlreiche US-Medien. Bei dem Dreh zu "Freedom's Path" sei damals ein Tontechnik-Mitarbeiter leicht verletzt worden, nachdem unerwartet eine Waffe am Set losgegangen sei, hieß es unter Berufung auf die Produktionsfirma des Films.

Kritik wurde nach Medienberichten auch an der 24 Jahre alten Waffenmeisterin laut, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. "Rust" war den Berichten zufolge erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war.

Laxe Sicherheitsvorkehrungen am Set

Vermutungen über laxe Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von einem Bericht der Nachrichtenseite "The Wrap" gestützt, wonach einige Crewmitglieder in ihrer Freizeit angeblich scharfe Munition benutzten, um auf Bierdosen zu schießen.

Die Quellen wurden nicht namentlich genannt. Demnach hätte ein derartiges Zielschießen am Morgen, wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall am Set, stattgefunden, sagte "The Wrap"-Journalistin Sharon Waxman dem Sender CNN. Eine dieser Waffen sei später am Set an Baldwin weitergereicht worden.

Filmwaffenexperte Wolf sagte dem Sender dazu: "Sie haben keine Requisitenwaffen geladen, sie haben echte Waffen geladen und mit ihnen geschossen. Dann haben sie dieselben echten Waffen am Set als ihre Requisitenwaffen benutzt." Dies sei nach seiner Einschätzung das Problem gewesen. (dpa/mor)