Noch 155 Vermisste

THW-Vize Sabine Lackner: Kaum noch Chancen, Überlebende zu finden

THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner warnt vor schnellen Schuldzuweisungen.
THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner warnt vor schnellen Schuldzuweisungen.
© THW

21. Juli 2021 - 12:00 Uhr

„Opfer nur noch bergen, nicht mehr retten!“

Immer noch werden 155 Menschen in den Flutgebieten im Westen Deutschlands vermisst. Allerdings gibt es kaum noch Chancen, Überlebende zu finden. "Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller. Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten." Diese Einschätzung gab die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

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40.000 Menschen von Hochwasser betroffen

Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 170 gestiegen. In Rheinland-Pfalz wurden 122 Flut-Tote bestätigt, in Nordrhein-Westfalen 48. Auch am Dienstag wurden noch viele Menschen vermisst - allein 155 im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Rund 40.000 Menschen sind dort von der Jahrhundertflut betroffen.

THW-Expertin für mehr Lautsprecher-Durchsagen und Sirenen

Lackner warnte vor schnellen Schuldzuweisungen, etwa dass ein besseres Warnsystem Todesfälle verhindert hätte. "Natürlich werden wir die Abläufe aufarbeiten müssen. Aber ich finde diese Debatte drei bis vier Tage nach der Katastrophe unglücklich." Die THW-Vize riet davon ab, "jetzt von Versagen zu sprechen und Schuldige zu suchen". Viele Opfer stünden vor den Trümmern ihrer Existenz, viele Hilfs-Maßnahmen liefen noch.

Lackner äußerte sich auch zur Diskussion über künftige Alarmsysteme. "Wieso nicht mit Lautsprechern vor Ort auf den Straßen warnen, wie zum Beispiel auch bei einem Bombenfund? Auch viele Sirenen sind in den letzten Jahren abgeschafft worden, die braucht es. Und die Bevölkerung sollte auch wieder die Warntöne unterscheiden können."

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600 Kilometer Bahngleise von der Flut beschädigt oder zerstört

Die Schäden an der Infrastruktur zutage - mit zerstörten Straßen, Bahngleisen, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Wasserleitungen. Nach Angaben der Deutschen Bahn haben die Wassermassen allein sieben Regionalstrecken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz so stark beschädigt, dass man sie neu bauen oder umfangreich sanieren müsse. Gleise auf rund 600 Kilometern seien betroffen. (dpa/cli)