Prozess in Belgien beginnt

Terroranschläge von Brüssel: Zehn Männer stehen ab heute vor Gericht

Belgien, Gerichtsprozess zu Terror-Anschlägen in Brüssel The courtroom pictured on the first day of the trial of the attacks of March 22, 2016, at the Brussels-Capital Assizes Court, Monday 05 December 2022 at the Justitia site in Haren, Brussels. On
Belgien, Gerichtsprozess zu Terror-Anschlägen in Brüssel The courtroom pictured on the first day of the trial of the att
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32 Tote, Hunderte Verletzte. Die Terroranschläge vom 22. März 2016 in Brüssel hinterließen schreckliche Spuren. Mehr als sechs Jahre später hat jetzt die Gerichtsverhandlung gegen mutmaßliche Verantwortliche und Helfer begonnen. Die Präsidentin des Gerichts, Laurence Massart, eröffnete am Montagmorgen offiziell das Verfahren gegen zehn Männer.

Überlebende berichtet vom Anschlag

Bei den Angriffen hatten drei Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Bomben am Brüsseler Flughafen Zaventem und in einer U-Bahnstation im EU-Viertel gezündet.

Die erste Bombe explodiert um 7.58 Uhr, wenige Sekunden später eine zweite. Um 9.11 Uhr folgt die dritte und letzte. „Ich war an dem Tag wütend. Dass ich so sterben würde, einfach weil jemand es beschlossen hat, in einer Metro“, sagt Christelle Giovannetti. Die 37-Jährige ist eine Überlebende der terroristischen Anschläge in Brüssel am 22. März 2016. Damals töteten drei islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen, Hunderte wurden verletzt. Am Montag begann in der belgischen Hauptstadt der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen und Helfer.

Giovannetti saß in der Metro, als die Attentäter im EU-Viertel die dritte Bombe zündeten, einen Waggon weiter. Etwa eine Stunde zuvor hatten andere Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zwei Sprengkörper am Flughafen Zaventem hochgehen lassen. Nun ist sie eine von mehr als 900 Nebenklägerinnen und -klägern in dem Prozess, der vermutlich sechs bis neun Monate dauern wird.

Salah Abdeslam muss aussagen

Terrorprozess um Attentate in Paris
Die Gerichtszeichnung zeigt Salah Abdeslam, den Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge. (Archivbild). Foto: Benoit Peyrucq/AFP/dpa
deutsche presse agentur

Zehn Männer sind angeklagt. Einer von ihnen soll mittlerweile in Syrien gestorben sein. Acht Angeklagten wird 32-facher terroristischer Mord, versuchter terroristischer Mord an 695 Menschen und die Beteiligung an den Aktivitäten einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Dem neunten legt die Staatsanwaltschaft lediglich die Beteiligung an den Aktivitäten einer terroristischen Vereinigung zur Last.

Auch Salah Abdeslam, der bereits in dem Pariser Terror-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, erschien in einem weißen Wollpulli und antwortete der Präsidentin auf ihre Frage: „33 Jahre ... Elektromechaniker.“

Lesetipp: Urteil im Bataclan-Prozess gefallen: Salah Abdeslam muss lebenslang in Haft

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Gleiche Terrorzelle wie in Frankreich

Sechs der Angeklagten – unter ihnen Abdeslam – wurden bereits im Prozess um die Pariser Attentate am 13. November 2015 verurteilt. Damals hatten Extremisten bei einer Anschlagsserie 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Die Anschläge in der französischen und in der belgischen Hauptstadt gehen wahrscheinlich auf dieselbe Terrorzelle zurück.

Das öffentliche Interesse an dem Verfahren mit mehr als 900 Nebenklägerinnen und -klägern ist riesig – deshalb wird der Prozess in umgebauten Räumlichkeiten des früheren Nato-Hauptquartiers im Nordosten der Stadt geführt. Wegen eines Streits über die Sicherheitsvorkehrungen war der ursprünglich für Mitte Oktober geplante Verhandlungsstart verschoben worden. (dky mit dpa)