Kurzer Lachgas-Kick für Teenager

Supermarkt-Besitzerin warnt vor Sahnekapseln

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10. Oktober 2019 - 19:56 Uhr

Jugendliche missbrauchen enthaltenes Lachgas als Droge

Zehn Packungen Sahnekapseln, ein Luftballon: Als Teenager bei ihr diese Produkte aufs Band legen, wird Supermarktbesitzerin Claudia Wittorf aus Sülfeld in Schleswig-Holstein stutzig. Zu Recht: Denn immer mehr Jugendliche atmen das Lachgas aus den Kapseln als Droge ein. Was passiert dabei im Körper, und warum ist dieser kurze Kick so gefährlich?

Minderjährige kommen problemlos an Rauschmittel

Dass Teenager auf einmal so auf "Schlagsahne" abfahren, ist für Claudia ein neues Phänomen. "Die Kapseln gingen zweimal pro Jahr über die Theke. In den letzen Monaten haben wir tatsächlich 50 Pakete pro Woche verkauft", erklärt die 35-Jährige gegenüber RTL. Für sie ein Grund, die Reißleine zu ziehen: Auf Facebook postet sie ein Bild der vermeintlich unscheinbaren Packung, warnt Eltern vor "Lachgas – dem Kick aus der Sahnekapsel" und stellt klar: "Auch wenn wir beim Verkauf an keinerlei Beschränkungen gebunden sind – ab sofort nur noch FSK 18 bei uns!"

Tatsächlich sind die Kapseln, in denen Distickstoffmonoxid – also Lachgas – zum Aufschäumen von Sahne steckt, überall frei verkäuflich, ein Mindestalter gibt es nicht. So kommen Jugendliche völlig legal und günstig an ein Mittel, von dem sie sich intensive Highs versprechen. Mithilfe eines Luftballons wird es eingeatmet und sorgt so für einen heftigen Rauschzustand.

Zahl der Konsumenten verdoppelt

Dieser Kick dauert zwar nur kurz, doch laut einer Studie der Frankfurter Goethe-Universität wird Lachgas bei deutschen Jugendlichen immer beliebter. In nur drei Jahren habe sich die Zahl der Konsumenten verdoppelt. So gaben 12 Prozent der 2.000 Befragten zwischen 15 und 18 Jahren an, es schon mal ausprobiert zu haben. Offenbar ist der Trend aus den Niederlanden, wo das Problem schon seit Jahren besteht und viele junge Menschen bereits rund 50 Kartuschen am Tag verbrauchen, nun endgültig auch bei uns angekommen. Besonders die kurze Dauer des Rauschzustands treibt viele Teenager in eine Sucht.

Missbrauch kann zu Bewusstlosigkeit, Lähmungen und sogar Tod führen

Dass dieser Trend aber alles andere als harmlos ist, zeigt der Versuch unseres Reporters Jan Heikrodt: Unter ärztlicher Aufsicht atmet er Lachgas aus einem Ballon ein. "Der ganze Körper kribbelt, man hat überhaupt keine Kontrolle mehr", beschreibt er den mulmigen Effekt. Dabei schießt sein Puls sofort rasant in die Höhe. Wie stark die Sauerstoffsättigung in seinem Blut abgefallen ist und welche Folgen das haben könnte, erklärt Dr. Sebastian Rossbach im Video.

Besonders gefährlich ist es laut Professor Markus Hollmann von der Uniklinik Amsterdam, das Gas direkt aus der Kapsel einzuatmen. Dabei drohen schwere Erfrierungen der Atemwege, die sogar tödlich enden können.

Niederländische Städte fordern bereits Verkaufsverbot

Seit 2016 fällt Lachgas nicht mehr unter das strenge Betäubungsmittelgesetz. Die Sahnekapseln sind frei und legal käuflich - auch von Minderjährigen. Zahlreiche Städte in den Niederlanden fordern deshalb mittlerweile einen Verkaufsstopp, um dem Vormarsch der Teenager-Droge Einhalt zu gebieten. Auch Claudia W. hat beschlossen: In meinem Laden gibt es Lachgas nur noch für Erwachsene.