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Tann (Hessen): Menschen mit Behinderung ein Tourismus-Killer? Dieses Flugblatt ist ein Skandal!

Kernstadt entwickle sich zur "Sonderwelt"

Menschen mit Behinderung als Tourismus-Killer? - Diese Behauptung von Kommunalpolitikern wird zum Skandal!

Menschen mit Behinderung ein Tourismus-Killer? Kernstadt entwickle sich zur "Sonderwelt"
01:45 min
Kernstadt entwickle sich zur "Sonderwelt"
Menschen mit Behinderung ein Tourismus-Killer?

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Drei FDP-Kommunalpolitiker aus Tann (Hessen) haben aktuell ganz große Sorgen: Nach der Pandemie sollen die Touristen endlich wieder zurück in den Luftkurort kommen. Doch nach Ansicht der genannten Politiker bleiben diese aus. Der Grund dafür seien die Bewohner eines Diakonie-Heimes, die sich häufig im Bereich des Marktplatzes aufhalten. Diese würden die Touristen vergraulen, so die drei Politiker in einem Flugblatt.

Denn „das mit dem Krankheitsbild der Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen einhergehende Verhalten, wie z.B. mangelnde Distanz, können und mögen viele Touristen nicht aushalten“, so der Wortlaut in diesem Flugblatt. In Tann ist der Aufschrei groß und der Bürgermeister einfach nur peinlich berührt. Mehr im Video.

Tanns Bürgermeister Mario Dänner
Tanns Bürgermeister Mario Dänner (re.) findet das Flugblatt schäbig.
BL&P

Bürgermeister distanziert sich von Flugblatt-Verfassern

Bürgermeister Mario Dänner hat für die Aktion der drei Politiker nur zwei Wörter übrig: Schlecht und schäbig. „Ich kann einfach nur sagen, dass ich enttäuscht bin“, so der Bürgermeister. „Die gemachten Aussagen passen nicht zu dem, was wir in Tann sind, was wir darstellen und wie wir Inklusion und Integration betreiben.“ Er distanziere sich als Bürgermeister klar von den getroffenen Aussagen.

Auch Jörg Wirtz, Mitglied der FDP in Tann, ist von den Aussagen der drei Parteimitglieder enttäuscht: „Das wirft kein gutes Licht auf unsere Partei – und das ist auch nicht unser Sprachgebrauch.“

"Wem es nicht gefällt, der soll woanders hingehen!"

Von den drei Politiker verlangen sowohl Mario Dänner als auch Jörg Wirtz eine Entschuldigung bei der Diakonie und ihren Bewohnern. Der Bürgermeister hofft außerdem, dass alle drei persönliche Konsequenzen ziehen und ihren Rücktritt verkünden.

Nach der Veröffentlichung des Flugblatt habe Mario Dänner auch Nachforschungen angestellt und dabei herausgefunden, dass sich bis jetzt kein Tourist über die Diakonie beschwert habe. Im Gegensatz: Die Touristen würden gerne nach Tann kommen. Und für alle anderen hat der Bürgermeister eine klare Ansage: „Der Tourist, dem das nicht gefällt, der soll woanders hingehen.“ (xsh/dgö)