Reporter deckt gravierende Ermittlungspannen bei zuständigen Behörden auf

Dreiste Betrugsmasche an Sparkassen-Kunden geht weiter

14. August 2020 - 13:11 Uhr

RTL-Reporter deckt Ermittlungspannen bei den Behörden auf, die sprachlos machen

Mit einer dreisten Betrugsmasche werden ahnungslose Sparkassen-Kunden um Tausende von Euro erleichtert: Betrüger rufen an, im Display der Opfer erscheint die Nummer der zuständigen Filiale. Die Täter geben vor, Sparkassen-Mitarbeiter zu sein, erschleichen sich in längeren Gesprächen TANs und räumen Konten leer. Und obwohl RTL-Reporter Martin Drohsel schon vor Wochen Hinweise auf die Täter gefunden und weitergegeben hat, geht die Abzocke weiter. Jetzt hat unser Reporter gravierende Ermittlungspannen bei den zuständigen Behörden aufgedeckt.

Experten kritisieren: So macht die deutsche Justiz es den Tätern leicht, davonzukommen. Warum unser Reporter jetzt wieder gezwungenermaßen selbst zum Kriminalisten wird, sehen Sie im Video.

Auch Snjezana Bejic wurde um 3.000 Euro betrogen

Vor rund zwei Monaten hat Martin Drohsel eine perfide Abzockmasche entlarvt, mit der Betrüger die Konten von Sparkassen-Kunden plündern. Kathrin Schröder aus Schleswig-Holstein etwa wurde Opfer der Betrugsmasche und verlor auf diese Weise rund 5.000 Euro.

Jetzt hat sich Snjezana Bejic bei uns gemeldet: Die 23-Jährige verlor durch die Masche ebenfalls 3.000 Euro. Es handelt sich mutmaßlich um dieselbe Tätergruppe - doch immer noch wird es ihnen scheinbar leicht gemacht, mit ihrem Betrug davonzukommen. Denn beteiligte Staatsanwaltschaften halten jeweils andere für zuständig, bis unser Reporter nachfragt, Verfahren werden versehentlich eingestellt und wieder aufgenommen, und offenbar unterbleiben sogar einfachste Recherchen zu möglichen Tätern, deren Namen den Behörden sogar vorliegen.

„Wenn man nicht weiterkommt, stellt man die Sache eben ein“ 

Snjezana Bejic
Snjezana Bejic hat 3.000 Euro verloren.
© RTL

Snjezana Bejic hat Anzeige erstattet, der Betrug ist mittlerweile drei Monate her. Doch Auskunft von Polizei und Staatsanwaltschaft bekomme sie immer nur auf Nachfrage, sie werde ständig vertröstet.

Auch Opferanwalt Wolfgang Tobelander hat den Eindruck, dass Polizei und Staatsanwaltschaften die Sache zu sehr schleifen lassen: "Da passiert nicht viel. Es sind auch keine wirklichen Erfolge über die Ermittlung der Haupttäter bekannt. (...) Ich habe den Eindruck, dass es auch am technischen Support bei den Ermittlungsbehörden fehlt", sagt er im RTL-Gespräch. "Und wenn man nicht weiterkommt, dann stellt man die Sache eben ein."

Snjezana Bejic fühlt sich von Polizei und Justiz völlig im Stich gelassen. Sie möchte sich jetzt ebenfalls von Tobelander vertreten lassen, der schon einige Opfer dieser perfiden Betrugsmasche betreut. Ihre 3.000 Euro aber sind vermutlich weg.