Candida auris

Superbug: Corona soll Ausbreitung von multiresistentem Keim begünstigen

Candida auris, ein multiresistenter Hefepilz.
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29. Oktober 2020 - 17:39 Uhr

Begünstigt Corona sogenannte "Superbugs"?

Als wäre eine Pandemie mit einem sich schnell verbreitenden Virus, das Lungenschäden verursacht und bis zum Tod führen kann, noch nicht schlimm genug. Wie mehrere Mediziner beobachteten, verbreitet sich auch ein multiresistenter Keim namens Candida auris gerade verstärkt – und ausgerechnet das Coronavirus soll der Grund dafür sein.

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Was sind multiresistente Keime?

Bei multiresistenden Keimen handelt es sich um Krankheitserreger (zum Beispiel Bakterien oder Pilze), die nicht mehr mit Hilfe der meisten Antibiotika oder Antimyotika behandelt werden können, weil sie im Laufe der Zeit eine Resistenz gegen sie entwickelt haben. Man spricht daher auch von "Superbugs". Um einen solchen handelt es sich auch bei Candida auris. Der Hefepilz ist seit 2009 bekannt und breitet sich vor allem in Krankenhäusern schnell aus. Dort befällt er vor allem immungeschwächte Patienten, bei denen er mit einer Sterberate von 30 bis 60 Prozent tödlich verlaufen kann.

Da wegen des Coronavirus mehr Menschen, vor allem solche mit schwachem Immunsystem, im Krankenhaus behandelt werden müssen, führen Experten einen Anstieg von Candida-auris-Infektionen in den USA auf das Coronavirus zurück, wie der "National Geographic" berichtet.

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400 Prozent mehr Fälle in den USA als 2018

"Unglücklicherweise gab es Orte, an denen C. auris wieder aufgetaucht ist", erklärt Tom Chiller, Leiter der Abteilung für mykotische Krankheiten im US-amerikanischen "Center for Disease Control and Prevention". "Wir haben auch gesehen, dass es in einige der Notfallkrankenhäuser und auch in einige COVID-19-Einheiten gelangt. Besorgniserregend ist, dass er, wenn er sich dort erst einmal eingenistet hat, schwer wieder loszuwerden ist." Es sei zwar noch zu früh, den Effekt eindeutig zu bestätigen, doch im Jahr 2020 seien bisher bereits 1.272 Fälle von Infektionen mit Candida auris registriert worden – und damit 400 Prozent mehr als noch 2018.

Gehen viele Covid-19-Todesfälle eigentlich auf das Konto von Candida auris?

Die tatsächliche Zahl der Infektionen mit dem gefährlichen Hefepilz könnten jedoch sogar noch weit höher sein. Das liegt daran, dass Patienten oft keine Symptome zeigen, wenn sie von dem multiresistenten Keim befallen sind. Todesfälle, die eigentlich Covid-19 zugerechnet werden, könnten dem Artikel im "National Geographic" zufolge auch auf Candida auris zurückgehen.

Anuradha Chowdhary, Professorin an der University of Delhi in Indien, ist Spezialistin für diesen Keim. Bereits im August veröffentlichte sie eine kleine Studie zu kritisch kranken Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation in Delhi aufgenommen wurden und Candidämie, eine Candida-Pilzinfektion im Blutkreislauf, entwickelt hatten. 10 von 15 dieser Patienten wurden positiv auf Candida auris getestet, das sie wahrscheinlich im Krankenhaus erworben hatten. 6 der Patienten starben, da sie nicht auf die üblichen Medikamente anschlugen. Die Experten setzten sich deshalb nun dafür ein, dass Corona-Patienten auch stichpunktmäßig auf Candida auris getestet werden.

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