Was unsere Expertin jetzt Eltern rät

Studien-Schock aus England: Eincremen kann Ihr Baby krank machen!

Babys, die einmal pro Woche mit Feuchtigkeitscreme oder zum Beispiel Olivenöl eingerieben wurden, hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko, Allergien  zu entwickeln.
Babys, die einmal pro Woche mit Feuchtigkeitscreme oder zum Beispiel Olivenöl eingerieben wurden, hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko, Allergien zu entwickeln.
© iStockphoto, iStock, Polina Strelkova

04. März 2021 - 13:08 Uhr

Gut für die Bindung - auch gut gegen Allergien?

Babys einzucremen stärkt die Bindung und hilft gleichzeitig gegen das Entstehen von Allergien, weil es die Hautbarriere der kleinen Wesen stärkt. Das zumindest dachten wir viele Jahre. Ein Irrglaube, wenn man nach dem Ergebnis einer Studie aus England geht. Demnach erhöht das Eincremen von Babys nämlich das Risiko, dass sich in den darauffolgenden Jahren Nahrungsmittelallergien entwickeln. Je häufiger Sie cremen, desto größer das Risiko! Worauf Eltern jetzt achten sollten, verrät unsere Hauexpertin.

Expertin schätzt das Ergebnis ein

Nach dem wohltuenden Bad erst einmal noch eine wohltuende kleine Baby-Massage-Einheit mit gesunden Cremes und Ölen: Viele Eltern denken, dass sie ihrem Baby damit etwas Gutes tun und so auch die Bindung zum Kind stärken. "Tatsächlich entstand in den letzten Jahren die Annahme, dass Eincremen insbesondere bei Kindern mit Neurodermitis auch dabei hilft, Allergien zu vermeiden, indem so die Hautbarriere gestärkt wird", sagt Sabine Schnadt, Diplom-Oecotrophologin im Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB), uns. "Auch wenn es für endgültige Schlussfolgerungen zu früh ist, muss diese Annahme anlässlich dieser Studie noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden."

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Allergie-Wahrscheinlichkeit steigt mit jeder Anwendung

Denn die Studie zeigt: Babys, die einmal pro Woche mit Feuchtigkeitscreme oder zum Beispiel Olivenöl eingerieben wurden, hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko, Allergien gegen Nahrungsmittel wie Ei und Erdnüsse zu entwickeln. Und diese Wahrscheinlichkeit stieg mit jeder weiteren Anwendung um ein Fünftel - das bedeutet, dass die tägliche Anwendung von Feuchtigkeitscreme das Risiko sogar um 140 Prozent erhöhen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

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Olivenöl wird in Großbritannien am häufigsten verwendet

Die Forscher der St. George's University of London und des King's College London um Erstautor Dr. Michael Perkin untersuchten die Auswirkungen von Feuchtigkeitscremes auf mehr als 1.300 drei Monate alte Babys. Deren Eltern wurden gefragt, wie oft sie ihren Säugling mit Feuchtigkeit versorgten und welches Produkt sie dabei verwendeten, wobei Olivenöl am häufigsten genutzt wurde. Die Kinder wurden dann im Alter von einem und drei Jahren auf Allergien wie Milch, Erdnuss, Sesam, Fisch, Ei und Weizen untersucht.

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Allergene an den Händen der Eltern

Die Wissenschaftler nehmen an, dass einige Feuchtigkeitscremes die Hautbarriere beschädigen könnten, sodass Allergene leichter mit dem Immunsystem der Haut in Kontakt kommen. Außerdem vermuten sie, dass die Eltern Allergene an den Händen tragen und ihr Kind beim Auftragen der Feuchtigkeitscreme diesen so versehentlich aussetzen. Die Allergene könnten beim Essen oder Kochen auf die Hände geraten sein.

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Eincremen nur nach vorherigem Händewaschen

Dr. Michael Perkin, pädiatrischer Allergologe an der St. George's Universität, sagt aber: "Diese Studie besagt nicht, dass Eltern aufhören sollten, ihre Kinder mit Feuchtigkeitscreme einzucremen." Aber die Forscher fordern die Eltern auf, immer auf Handhygiene zu achten. "Weitere Forschung ist jetzt erforderlich", sagt Professor Carsten Flohr, Hauptautor der Studie, "um die genauen Mechanismen zu verstehen."

Vorsicht bei Babys mit Neurodermitis

Bei Babys mit gestörter Hautbarriere wie zum Beispiel Neurodermitis-Problemen gilt besondere Vorsicht, so Sabine Schnadt: "Hier sollte auf Cremes und Öle, in denen Bestandteile enthalten sind, die gleichzeitig auch Nahrungsmittel sind, wie zum Beispiel Milchbäder, auf jeden Fall verzichtet werden."

GUT ZU WISSEN: Worauf Sie beim Pflegen des Babys achten sollten

Puder und Creme, Babyöl und vieles mehr: Brauchen Sie das alles wirklich? Die Pflege für Babys Haut sollte nicht auf zu viele Fremdstoffe bauen. Besser ist eine möglichst milde Behandlung ohne Zusatzmittel. Bei der Hautpflege für Ihren Nachwuchs sollten Sie sich überlegen, ob in diesem Zusammenhang eine Creme von Nöten ist. Grundsätzlich braucht Ihr Kind eine solche Babycreme nur dann, wenn die Haut sehr trocken ist. Was braucht man wirklich? Hier erfahren Sie es!